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Dienstag, 23. Januar 2018

Mobile Payment

Mein Smartphone hat's passend

Von F. Kurmann/S. Asche | 1. August 2014 | Ausgabe 31

Münzlastige Portemonnaies und die Suche nach passendem Wechselgeld an Supermarktkassen gehören bald der Vergangenheit an. Bezahlt wird künftig mit dem Smartphone. Die Frage ist nur noch, welche Technologie sich durchsetzt – und bis wann.

Mobile Payment
Foto: Getty Images

Mit dem Smartphone zu bezahlen dürfte bald zum Standard werden. Verschiedene Varianten werden aktuell erprobt. Bereits im Einsatz sind QR-Codes. Sie werden per Handykamera vom Kassenterminal eingescannt. Nutzer zahlen dann per Tastendruck.

Die Deutsche Telekom hat eine, Vodafone hat eine, und seit Mitte Juli bietet auch die E-Plus-Gruppe eine Lösung für mobiles Zahlen an. "Die Einführung der O2-Wallet ist noch für das Jahr 2014 geplant", sagt Ralf Opalka, Pressesprecher bei Telefónica O2. Damit wäre das Quartett dann vollständig. Die großen Netzbetreiber in Deutschland machen mobil. Alle wollen bei der Zahlungsrevolution dabei sein.

Dass der Wandel kommt, ist weitgehend unstrittig. Nach einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom kann sich schon heute jeder fünfte Verbraucher in Deutschland vorstellen, künftig auf sein Portemonnaie zu verzichten – und nur noch per Smartphone zu bezahlen. Unter den Besitzern internetfähiger Handys sind es sogar schon 34 %.

Unklar ist, welche Technologie das Rennen macht. Experten favorisieren die Near Field Communication (NFC). Dahinter verbirgt sich ein internationaler Standard zum kontaktlosen Datenaustausch über kurze Strecken (wenige Zentimeter). Der benötigte Chip ist schon heute in neueren Smartphones von Herstellern wie Samsung, Nokia, HTC und Blackberry eingebaut.

Aktuellen Gerüchten zufolge will auch Branchenriese Apple seinen bisherigen Widerstand gegen die Technologie aufgeben. Wer damit kleine Beträge zahlen möchte, muss sein personalisiertes, NFC-fähiges Gerät nur noch über das Kassenterminal ziehen – fertig! Höhere Summen verlangen eine zusätzlichen Autorisierung per PIN oder Unterschrift.

Doch es gibt Alternativen, etwa Bluetooth Low Energy (BLE). Die Reichweite dieser Funktechnik beträgt bis zu 50 m. Kunden können also schon beim Betreten des Ladens eindeutig identifiziert werden. Das macht eine schnelle Bezahlung einfach. Apple und Paypal testen das Verfahren gerade. Problematisch könnte allerdings das Thema Datenschutz sein. Verkäufer können schon beim automatischen "Einchecken" des Kunden einsehen, was dieser zuletzt erworben hat – und ihm dazu passende Angebote unterbreiten.

Die dritte Variante des Mobile Payments basiert auf QR-Codes. Die zweidimensionalen Muster sind unter Smartphone-Nutzern schon weitgehend bekannt. Beim Bezahlen müssen sie zunächst vom Kassenterminal per Kamera eingescannt werden. Anschließend wird der übermittelte Betrag per Knopfdruck freigegeben. Auf dieses Verfahren setzt etwa Yapital, eine Tochter der Hamburger Otto Group. Bezahlt werden kann damit u. a. bei der Supermarktkette Rewe oder dem Schuhhändler Görtz.

Einige Händler stehen den neuen Bezahlverfahren noch skeptisch gegenüber. Stellvertretend für sie moniert der Handelsverband Deutschland (HDE) die hohen Kosten. Oft entsprächen die Gebühren der Anbieter noch denen von EC- und Kreditkartenzahlungen. Demnach lägen sie irgendwo zwischen 8 Cent pro Deal und 3 % vom Umsatz.

Andererseits könnten Händler mit der Einführung der neuen Bezahlvariante sparen. Die Zahlungsterminals verschleißen bei kontaktloser Zahlung via Smartphone viel weniger als beim Einstecken von Chipkarten.

Key Pousttchi
Foto: wi-mobile

Key Pousttchi, Leiter der Forschungsgruppe wi-mobile an der Universität Augsburg: „Kein Endkunde braucht Mobile Payment, um bargeldlos zahlen zu können. Aber sehr viele Kunden wollen es.“

Die entscheidende Frage ist am Ende aber nicht, wie viele Möglichkeiten der Kunde hat, um mobil zu bezahlen, sondern ob er sie auch nutzt. Bisher halten sich die Verbraucher noch zurück. "Kein Endkunde braucht Mobile Payment, um in Deutschland bargeldlos zahlen zu können", sagt Key Pousttchi, Leiter der Forschungsgruppe wi-mobile an der Universität Augsburg. "Aber sehr viele Kunde wollen es." Dabei gehe es ihnen nicht hauptsächlich darum, Zeit oder Geld zu sparen: "Menschen benutzen mobile Dienste, weil es ihnen Spaß macht und weil sie etwas können, was sie vorher nicht konnten." So sei es für Mobile-Payment-App-Anbieter wichtig Zusatzdienste anzubieten, etwa Produktempfehlungen oder Preisvergleiche.

Auch etliche Start-ups wollen ein Stück vom Mobile-Payment-Kuchen und bieten Nischenanwendungen. So will die Starnberger Lendstar UG ein "soziales Finanznetzwerk" etablieren. Mitglieder der Community können sich untereinander Geld überweisen – via App und in Echtzeit. Eingehende Beträge sollen mit einer Kreditkarte, die in Kooperation mit einer Partnerbank ausgegeben wird, sofort nutzbar sein.

Brennend interessiert an Mobile Payment sind auch Internetgiganten wie Google oder Facebook. Bezahldaten aus der realen Welt würden ihnen ermöglichen, den gläsernen Konsumenten noch besser zu durchleuchten. Das wiederum erlaubt ihnen, der werbetreibenden Industrie passgenaue Angebote zu machen.

Mit Widerstand aus der Einkäufer-Community müssen sie laut Pousttchi nicht rechnen. "Ich kann am Beispiel von Facebook nachweisen, dass die Nutzer sich die Nachteile systematisch schönreden und Risiken verdrängen."    F. KURMANN/S. ASCHE

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