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Montag, 21. Januar 2019

Arbeit

Mensch, Roboter!

Von Hartmut Steiger, Iestyn Hartbrich, Wolfgang Schmitz | 29. Januar 2016 | Ausgabe 03

Roboter werden in Zukunft mit Menschen kooperieren – und damit die Fabrikarbeit von Grund auf umkrempeln. Doch ganz so einfach wird das nicht, denn noch ist nicht gesagt, dass die Menschen Roboter als Kollegen überhaupt akzeptieren.

Aufmacher Robotik BU
Foto: ABB

Trotzig? Noch steht nicht fest, ob Menschen und Roboter gute Kollegen werden können.

Wer wissen möchte, wie in Fabriken künftig gearbeitet wird, sollte nach Magdeburg fahren. Dort, am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF, erproben die Forscher, wie Menschen und Roboter gemeinsam Güter herstellen, Hand in Greifer gewissermaßen. Der Blick in die Hallen zeigt, dass sich mit der Robotik die Produktion wandelt – und damit die menschliche Arbeit. „Diese Technologie wird unsere Arbeitswelt völlig verändern“, sagt der IFF-Institutsleiter Michael Schenk.

Die Treiber dieser Entwicklungen tragen Namen wie Yumi, CR, UR und Iiwa und wurden auf der vergangenen Hannover Messe vorgestellt. Es handelt sich um eine Gruppe von Robotern, mit denen die Hersteller den Einstieg in die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) vollzogen haben. Yumi (ABB), CR (Fanuc), UR (Universal Robots) und Iiwa (Kuka) bedeuten die radikale Abkehr von der traditionellen Robotik.

Jahrzehntelang waren Roboter von den Werkern durch Zäune getrennt, während der Produktion war der Kontakt ausgeschlossen. Damit könnte es schon bald vorbei sein. Ehe allerdings die Zäune um die Roboter fallen, müssen noch viele Fragen beantwortet werden.

Werden Menschen und Roboter gute Kollegen? Arbeitswissenschaftler sind skeptisch, Sascha Stowasser etwa, der das Institut für Angewandte Arbeitswissenschaften (IFaA) in Düsseldorf leitet. „Die Frage der psychologischen Hemmschwelle ist ungeklärt“, sagt der Forscher. „Möchte der Werker acht Stunden mit einem Roboter zusammenarbeiten?“

Bislang sind laut einer Befragung des IFaA unter Roboterherstellern noch weniger als hundert MRK-Systeme in deutschen Fabriken im Einsatz. Der Psychologe David Kremer, der am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart forscht, verweist auf diese geringe Datenbasis. „Wir brauchen Szenarien aus Forschung und Praxis, um untersuchen zu können, unter welchen Bedingungen Mitarbeiter kollaborierende Roboter akzeptieren“, fordert er.

Sind die Werker vor den Robotern sicher? Wahrscheinlich schon. „Man wird keinen Roboter auf den Markt bringen, wenn man seine Sicherheit nicht gewährleisten kann“, sagt der Roboterforscher Alin Albu-Schäffer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Wessling. Unklar ist allerdings noch, welche Art von Kontakt zumutbar ist. Forscher am IFF erproben gemeinsam mit Medizinern, wo die Grenze verläuft zwischen Stupser und Schlag.

Wer hat den Hut auf, Roboter oder Mensch? Arbeitsforscher trauen kollaborierenden Robotern eine emanzipatorische Rolle zu. Sie könnten dem Werker helfen, das „Zwangsdiktat der Automatisierung“ zu brechen, glaubt IFaA-Leiter Sascha Stowasser. „Es wäre wünschenswert, dass in der MRK die monotonen und taktgebundenen Aufgaben nicht überwiegen, sondern dass der Werker wechselnde und lernfördernde Aufgaben erhält“, sagt der Psychologe David Kremer. Ein schöner Gedanke, wenn auch auf den ersten Blick ein ironischer, dass ausgerechnet Roboter die industrielle Taktung aufheben.