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Samstag, 20. Januar 2018

Spielkonsolen

Microsoft und Sony mit neuen Spielkonsolen

Von Nikola Wohllaib | 30. Juli 2010 | Ausgabe 30

Mit den Bewegungssteuerungen "Kinect" und "Move" wollen Microsoft (Xbox 360) und Sony (Playstation 3) ab Herbst neue Zielgruppen erobern. Vorbild ist Nintendos Spielkonsole "Wii", die seit 2006 Bewegung ins Spiel gebracht. Während Sony mit seiner neuer Steuerung "Move" auf Präzision setzt, verzichtet Microsoft mit "Kinect" auf externe Steuergeräte und lässt dem Spieler volle Bewegungsfreiheit.

Microsoft und Sony mit neuen Spielkonsolen
Vier Jahre ist es her, dass Nintendo mit seiner Wii-Konsole ein damals neuartiges Spielkonzept mit Bewegungssteuerung erfand und damit einfachen Spielen sowie später Sport vor dem Fernseher zu einem ungeahnten Siegeszug verhalf.

Laut Branchendienst VGChartz wurde die Wii bis Mitte Juli 2010 über 72 Mio.-mal weltweit verkauft. Vor allem Gelegenheitsspieler, Frauen und Familien verhalfen der Wii zum Erfolg, von dem die Konkurrenz – Microsoft und Sony – ab Herbst dieses Jahres etwas abhaben will.

Der Markt der Spielkonsolen

Mitte September kommt Sonys "Move", ab November dann auch Microsofts "Kinect" auf den Markt: zwei Systeme, zwei Technologiekonzepte. Microsoft verzichtet mit Kinect auf externe Steuerungsgeräte und setzt auf reine Bewegung mit Armen, Beinen und Stimme vor der Spielkonsole und dem Fernseher. Die Redmonder kombinieren dafür eine Digitalkamera, die den Spieler erfasst, mit einer Infrarotkamera, die die Bewegungen im Raum erfasst, sowie einem Sensorsystem, das die Bewegungen des Spielers registriert. Ausgefeilte Algorithmen sollen bis zu sechs Personen an ihren Gesichtern erkennen und automatisch den gespeicherten Spielerprofilen zuordnen können.

Tanzen, Sprinten, Bowlen, Spielposen einnehmen und mit Haustieren herumtollen, all dies soll mit Kinect möglich sein, ohne zusätzlich eine Extra-Hardware zu bedienen. Microsofts Ziel: das komplette Eintauchen in ein Spielerlebnis. Darüber hinaus ist in Kinect eine Reihe von Mikrofonen integriert, die satten Sound zum Spiel liefern sollen und auch eine Steuerung über die Sprache möglich machen. Dazu kommt die brillantere Grafik dank der Rechenleistung der Xbox 360 gegenüber Nintendos Wii-System.

"Ohne Steuerung zu spielen, das bedeutet ganz viel komplizierte Handbewegungen", ist hingegen Richard Marks überzeugt. Der langjährige Entwicklungschef bei Sony und Erfinder der Eye-Toy-Kamera führt gerade auf einer Deutschlandtour die Vorzüge der neuen bewegungssensitiven Steuerung "Move" für die Playstation 3 vor.

Die Move liegt gut in der Hand und sieht aus wie ein Zauberstab, auf dem eine Leuchtkugel aus weichem Plastik sitzt. Es schützt eine dreifarbige LED-Leuchte, die 360 Farbnuancen darstellen kann und mit der man auch im Dunklen spielen kann. Denn die Kamera erfasst diesen Leuchtball dreidimensional und millimetergenau.

"In die Move-Steuerung integriert ist ein Beschleunigungssensor, ein Gyroskop und ein Erdmagnetfeldsensor, wobei alle drei in den drei orthogonalen Achsen messen", sagt Luftfahrtelektroniker und Robotikexperte Marks. Mit der Übertragungstechnik Bluetooth werden die Daten zur Konsole geschickt.

Dieses vor 20 Jahren noch rund "10 000 $ schwere" Equipment, das heute laut Marks wenige Dollar kostet, ist im Zusammenspiel mit der Kamera, den Algorithmen und der Rechenleistung der Playstation 3 dafür verantwortlich, dass die Move so präzise und fast ohne Verzögerung jede noch so feine Handbewegung auf dem TV-Bildschirm wiedergibt. Auch Sony setzt für die neue Steuerung zunächst auf Tischtennis, Frisbee, einfache Shooter und Partyspiele. Möglich ist auch Malen, Zeichnen und Sprayen auf dem Fernseher – von Klecksen bis hin zu feinen Linien in 360 Farben.

Doch Richard Marks entführte vergangene Woche in Berlin bereits in die Welt der Strategie- und Rollenspiele sowie in den dreidimensionalen Raum, indem er die weiteren Möglichkeiten mit einem Pärchen der neuen "Move"-Steuerung vorführte. So formte der Forscher die Gesichtspartien eines Avatars und zeigte damit, dass Spieler ihre Helden künftig nach Belieben gestalten können, ohne aus einem festgelegten Bestand von Augenbrauen, Ohren oder Nasen auswählen zu müssen.

Mit zwei Controllern zeigte Marks auch Multitouchgesten, wie man sie vom iPhone kennt: Über ein voneinander Wegbewegen der beiden Steuerungen rollte er u. a. eine Landkarte auf dem Boden aus – eine Geste, die für Rollenspiele prädestiniert zu sein scheint. Zudem steuerte er die beiden Controller unabhängig voneinander über ein virtuelles Schlachtfeld: Mit dem einen zoomte er weg, um den Überblick zu bewahren, mit dem anderen zoomte er heran, um die Situation näher zu erkunden.

Wie die Spieleentwickler das neue Sony-Werkzeug in ihre Ideen einbauen, bleibt abzuwarten, doch schon jetzt deutet die neue Steuerung die Möglichkeiten an, die in ihr stecken und genutzt werden können.

  NIKOLA WOHLLAIB

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