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Mittwoch, 17. Januar 2018

Nobelpreise

Nobelpreis für bahnbrechende Medikamente

Von Jens D. Billerbeck/dpa | 9. Oktober 2015 | Ausgabe 41

Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe standen die Empfänger der Nobelpreise für Medizin und Physik fest. Gewürdigt wurden die Entdeckung wegweisender Medikamente gegen einige der schlimmsten Krankheiten der Menschheit sowie der Nachweis, dass Neutrinos eine Masse besitzen.

Viele Experten werten die Entscheidung des Nobelkomitees für den diesjährigen Medizin-Nobelpreis als Signal: Gewürdigt wird keine Grundlagenforschung, sondern die Entwicklung konkreter Therapien durch Satoshi Omura und William Campbell sowie durch die Chinesin Youyou Tu. Sie bekämpfen einige der verheerendsten Krankheiten weltweit wie Flussblindheit oder Malaria.

Das auf die Arbeit des Japaners Satoshi Omura (80) und des gebürtigen Iren William Campbell (85) zurückgehende Ivermectin sei „das möglicherweise erfolgreichste Hilfsmittel für die menschliche Gesundheit“, schrieb vor einem Jahr Omuras Kollege Andy Crump vom Kitasato Institut in Tokio in einer Fachzeitschrift. Und Omura selbst spricht sogar von einem „Wundermittel“. Denn die aus einem Bakterium entwickelte Substanz hilft gegen Wurmleiden wie Flussblindheit und Lymphatische Filariose.

Der Chemiker Omura kultivierte Anfang der 1970er-Jahre in Tokio Streptomyces-Bodenbakterien. Die Kulturen reichte er weiter an Campbell, der für das US-Pharmaunternehmen Merck arbeitete. Dieser entdeckte, dass der Inhaltsstoff Avermectin Nutztiere von Parasiten befreit. Ende der 1970er-Jahre zeichnete sich ab, dass die daraus abgeleitete Substanz Ivermectin auch dem Menschen hilft.

Der Natur entstammt auch der von der Chinesin Youyou Tu (84) entdeckte Wirkstoff Artemisinin – das derzeit wichtigste Mittel im Kampf gegen Malaria: Seit Ende der 1960er-Jahre suchte die Forscherin nach einem Mittel gegen die Tropenkrankheit. Über ein 2000 Jahre altes Handbuch zur traditionellen Medizin stieß sie 1971 auf den Einjährigen Beifuß (Artemisia annua). 1972 berichtete sie, dessen Extrakt Artemisinin könne Plasmodium-Parasiten aus dem Blut infizierter Mäuse und Affen entfernen. Zehn Jahre später erschien eine erste Studie in einer westlichen Fachzeitschrift.

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den Japaner Takaaki Kajita (56) und den Kanadier Arthur McDonald (72) für den Nachweis, dass Neutrinos, elektrisch neutrale Elementarteilchen, eine Masse besitzen. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Physiker ist mit umgerechnet etwa 850 000 € dotiert. Der diesjährige Preis handelt von Zustandsveränderungen von einigen der am reichlichsten vorhandenen Teilchen im Universums, sagte Göran Hansson, Generalsekretär der Akademie. Die Ergebnisse der beiden Wissenschaftler seien der Schlüssel für jene Experimente gewesen, bei denen gezeigt werden konnte, dass Neutrinos ihre Zustände verändern können, hieß es in der Begründung. Diese Metamorphosen, so der Schluss, seien wiederum ohne Masse nicht möglich.

Doch die Masse eines Neutrinos ist sehr gering. „Für über ein halbes Jahrhundert haben wir gedacht, dass Neutrinos keine Masse haben“, sagte Nobeljurorin Olga Botner. Denn jede Sekunde passieren Milliarden von Neutrinos unseren Körper. Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

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