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Mittwoch, 17. Januar 2018

Wirtschaft

Osram-Verkauf: Siemens dimmt das Licht

Von Stefan Wolff | 1. April 2011 | Ausgabe 13

Siemens verabschiedet sich erneut von einem großen Konzernteil. Im Herbst will Vorstandschef Peter Löscher die Mehrheit am Lichthersteller Osram über die Börse verkaufen.

Am vergangenen Montag noch wollte Siemens die Meldung nicht kommentieren, nun soll es ganz schnell gehen: Mit dem Börsengang der Lichttechniktochter Osram in diesem Jahr will Konzernchef Peter Löscher den Umbau des Elektroriesen weiter vorantreiben.

Auch ohne Osram peilt Siemens-Chef Löscher an, in den kommenden Jahren auf einen Konzernumsatz von 100 Mrd. € zu kommen. In Zukunft soll ein vierter Geschäftsbereich "Infrastructure and Cities" zu den drei bestehenden hinzu gefügt werden. Bislang teilt sich Siemens in die Sparten "Energie", "Industrie" und "Medizintechnik" auf.

Osram, das zuletzt 4,7 Mrd. € umsetzte, gehört seit langem zum Kerngeschäft von Siemens. Seit 90 Jahren bereichert der Lichthersteller die Bilanz. Die Erklärung, ein Börsengang solle Osram mehr unternehmerischen Freiraum verschaffen, lässt vieles im Dunklen. Dennoch ist die Reaktion an den Finanzmärkten fast uneingeschränkt positiv. Analysten bezeichnen den geplanten Börsengang als geschickten Schachzug. "Angesichts des umfangreichen Potenzials wird die Aktie vom Markt derzeit nicht angemessen bewertet", heißt es beispielsweise bei Barclays Capital.

Stefan Schöppner von der Commerzbank weist außerdem auf zusätzliche Risiken hin. Osram profitiere aktuell von einem Hype bei LED-Leuchten. "Hier findet allerdings eine Marktverschiebung statt", erklärt Schöppner. "LED wird zum Massengut." Dies bedeute einen großen Investitionsbedarf bei Osram, wenn man im Premiumbereich mitspielen wolle. Der Billigmarkt würde komplett von asiatischen Herstellern absorbiert.

Solche Risiken fallen natürlich kleiner ins Gewicht, wenn Siemens "nur" als Ankeraktionär bei Osram verbleibt. Außerdem verfestigt sich der Trend bei den Münchnern, sich von Produktlinien zu trennen, die sich direkt an den Endverbraucher wenden. Immer wieder machen Gerüchte die Runde, dass als nächstes die Hörgeräte zum Verkauf stehen könnten.

Vor fünf Jahren löste Siemens seine Telekomsparte auf, wenig später erfolgte der Verkauf der für schnurlose Festnetztelefone bekannten Marke Gigaset an die Beteiligungsgesellschaft Arques.

Sehr viel mehr Aufsehen erregte Siemens mit dem Verkauf seiner Mobilfunksparte an BenQ. Mit der Veräußerung waren Beschäftigungsgarantien verbunden, die nicht das Papier wert waren, auf dem sie geschrieben standen. 16 Monate nach der Übernahme war BenQ pleite.

Auch bei anderen Verkäufen erwies sich Siemens als durchaus geschickt. Die Börsengänge des Chipherstellers Infineon und des Spezialisten für passive elektronische Bauteile, Epcos, erfolgten auf dem Höhepunkt der Technologiebegeisterung an der Börse. Für Anleger führte die geplatzte Blase zu langen Durststrecken.

Nach dem Verkauf des Autozulieferers VDO an den Reifenhersteller Continental wendet sich Siemens nun wieder an den Kapitalmarkt. Der Wert von Osram wird auf knapp 6 Mrd. € taxiert. Siemens dürfte für den Anteil, der an die Börse gebracht wird, rund 3 Mrd. € erlösen.

Gewerkschaft und Betriebsräte zeigten sich gegenüber den Plänen reserviert. Sie befürchten allen Versprechungen zum Trotz die eine oder andere Rotstiftrunde.

Außerdem besteht natürlich im Falle einer Börsenschwäche die Gefahr einer feindlichen Übernahme. Allerdings wird der dafür immer wieder ins Spiel gebrachte US-Konkurrent General Electric (GE) dafür nicht infrage kommen. Eine Übernahme von Osram würde in den USA de facto zu einem Monopol bei vielen Produkten führen.

Für den geplanten neuen Geschäftsbereich sind Branchenexperten voll des Lobes. Das Thema "Mega-Cities" treibt den Konzern um. Großstädte mit mehr als 10 Mio. Einwohnern in Stadtkern und Region stehen vor Herkulesaufgaben, für die sich Siemens durchaus gewappnet sieht. Öffentlicher Personennahverkehr, Energie- und Entsorgungskonzepte gehören zu den Kernkompetenzen von Siemens.

Der Konzern hat sich ohnehin schon weit vor der politischen Energiewende zu Nachhaltigkeit und Ökologie bekannt. Nicht ganz geklärt ist dabei die Rolle, die Siemens beim Thema Kernkraft einnimmt. Auf der einen Seite hat der Konzern das Joint Venture mit dem französischen Energiekonzern Areva aufgekündigt, auf der anderen Seite macht eine Absichtserklärung mit der russischen Atomfirma Rosatom den Wiedereinstieg ins nukleare Geschäft möglich. Auch hier haben die Ereignisse im japanischen Fukushima eine intensive Diskussion ausgelöst.

 STEFAN WOLFF

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