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Samstag, 17. Februar 2018

Wissenschaft

Ranking stärkt deutsche Unis

Von Jutta Witte | 16. Mai 2014 | Ausgabe 20

Bislang gingen deutsche Hochschulen in internationalen Rankings unter. Zu einseitig war die Betonung der Forschung. Das "U-Multirank", an dem federführend das deutsche Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) beteiligt ist, bildet weit mehr Kriterien ab. Die Rektoren technisch orientierter Hochschulen begrüßen das neue Bewertungsinstrument.

Uni Aachen
Foto: RWTH Aachen

Die klassischen internationalen Hochschulrankings bekommen Konkurrenz: Das am Dienstag in Brüssel gestartete "U-Multirank" geht einen neuen, multidimensionalen Weg und will damit die Vielfalt der Hochschulen mit ihren speziellen Profilen sichtbar machen.

Das von der Europäischen Union initiierte und vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) sowie dem niederländischen Center for Higher Education Policy Studies (CHEPS) durchgeführte U-Multirank umfasst zunächst die Fächer Maschinenbau, Elektrotechnik, Betriebswirtschaftslehre und Physik. Es bietet Online-Informationen über mehr als 850 Hochschulen, mehr als 1000 Fakultäten und 5000 Studienprogramme aus 70 Ländern.

Die Erhebung gibt laut CHE erstmals auch Auskunft über die Leistungen von rund 300 Hochschulen, die in anderen internationalen Rankings bislang nicht vorkommen, darunter auch deutsche Fachhochschulen. Der Erhebung zugrunde liegen unter anderem von den Hochschulen zur Verfügung gestellte Daten, Patentdatenbanken, bibliometrische Daten und die Befragungen von mehr als 60 000 Studierenden. "Wir haben 30 Indikatoren ausgewertet. Dieses Ranking zeigt uns: Es gibt nicht die beste Hochschule über alle Dimensionen hinweg", erklärt CHE-Projektmanager Gero Federkeil.

So erreichen im diesjährigen Ranking mehr als 95 % der Institutionen zumindest bei einem Indikator die Spitzengruppe, aber nur 12 % bei mehr als zehn Indikatoren. "Diese Diversität der Hochschulen ist noch in keinem anderen internationalen Ranking sichtbar geworden", so die Experten von CHE und CHEPS.

Zu stark fokussierten klassische internationale Rankings wie Times Higher Education (THE), QS-World University und Shanghai Ranking auf die Forschung und mit der "international orientierten Forschungsvolluniversität" nur auf einen einzigen Typ Hochschule. Dies aber umfasse nur 3 % bis 5 % der Hochschulen weltweit. Zudem würden unterschiedliche Indikatoren zu einem Gesamtwert vermischt: "Der aber sagt wenig aus", so Federkeil.

Ulrich Radtke

„Dieses neue Ranking muss massiv unterstützt werden, auch von politischer Seite.“ Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen. Foto: Universität Duisburg-Essen

Das neue Ranking bezieht die Aspekte Forschung, Studium und Lehre, Wissenstransfer sowie die internationale Orientierung und den regionalen Bezug einer Hochschule in seinen Vergleich mit ein. Statt eine "simplifizierende Rangliste" zu erstellen, in der bei den bisherigen globalen Rankings in der Regel amerikanische und britische Universitäten die Nase vorn haben, ordnet es die Hochschulen bei jedem Indikator in fünf Gruppen von "sehr gut" bis "schwach" ein. Zudem bietet es die Möglichkeit, Hochschulen mit ähnlichem Profil miteinander zu vergleichen und sich gezielt anhand bestimmter Indikatoren über einzelne Fachbereiche oder eine gesamte Hochschule zu informieren.

Dementsprechend vielfältig soll das Nutzerspektrum von U-Multirank sein: von den Studierenden über die Lehrenden und Forscher bis hin zu Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft. Unter anderem könnte sich die neue Dimension "Wissenstransfer" als aufschlussreich erweisen, vor allem in den Ingenieurfächern. Hier kommen Indikatoren zum Tragen wie die eingeworbenen Drittmittel, gemeinsame Publikationen mit der Wirtschaft, Patente, Zitate aus Hochschulpublikationen für Patentanmeldungen und universitäre Ausgründungen.

Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TU München, hält es für sinnvoll, über die reine Wissenschaft hinausgehende Kriterien wie die Verschränkung mit der Wirtschaft oder die regionale Wirksamkeit einer Hochschule in ein Ranking mit einzubeziehen. Denn Anwendungs- und Industrieorientierung zählen für ihn zu den Stärken des "German Engineerings". Gleichwohl sieht der Präsident der TUM die Notwendigkeit, diese Stärken in Zukunft noch mehr um methodische und wissenschaftliche Skills zu erweitern, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

"Die Welt bewertet uns", sagt Herrmann. Deswegen sei es klug, sich internationalen Rankings nicht zu verschließen. So sieht es auch Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen. Die bisherigen internationalen Rankings würden immer mehr zu einem Mittel der Exzellenzbildung, insbesondere bei Politikern: "Es wird gefährlich, sich dem zu entziehen, unter anderem, wenn man will, dass deutsche Abschlüsse auch im Ausland anerkannt werden."

Im U-Multirank sieht Radtke Chancen, weil eine solche Art von Ranking valider, differenzierter und substantieller sei. Zum Problem könne allerdings werden, dass U-Multirank auf Ranglisten verzichtet, diese aber von den relevanten Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft bevorzugt werden.

Grundsätzlich, hierin sind sich die Experten einig, gehe U-Multirank in die richtige Richtung. Radtke: "Dieses neue Ranking muss massiv unterstützt werden, auch von politischer Seite. "  JUTTA WITTE

www.u-multirank.eu

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