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Dienstag, 23. Januar 2018

Energie

Regierungen sollen kohlenstoffarme Energietechnik mehr fördern

Von Katharina Otzen/Stephan W. Eder | 11. November 2011 | Ausgabe 45

Die Welt ist auf dem Weg in ein unsicheres, ineffizientes und kohlenstoffreiches Energiesystem. Einen globalen Richtungswechsel der Energiepolitik mahnt daher die Internationale Energieagentur in ihrem aktuellen World Energy Outlook an, den sie in London vorstellte. Die Herausforderungen würden drängender, die Handlungsspielräume aber kleiner.

Maria von der Hoeven, die Exekutiv-Direktorin der Internationalen Energieagentur (IEA), warnte am Mittwoch in der britischen Hauptstadt vor einer "katastrophalen Erwärmung des Weltklimas um 3,5 °C". Wenn sich die derzeitige Entwicklung fortsetze, könne die international vereinbarte Obergrenze für die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter von 2 °C nicht eingehalten werden, assistierte ihr IEA-Chefökonom Fatih Birol bei der Vorstellung des World Energy Outlook (WEO) 2011.

Bereits Ende letzter Woche hatte das Carbon Dioxide Information Analysis Center (CDIAC) gewarnt: Die Abteilung des US-Energieministeriums erklärte, 2010 sei im Vergleich zu 2009 der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) um 5,9 % auf das Rekordhoch von 33,5 Mrd. t gestiegen – so rasant wie nie zuvor.

IEA-Chefökonom Birol äußerte sich skeptisch über den Willen der Regierungen, die nötigen Opfer zu erbringen, um die klimapolitischen Zusagen einzuhalten. Es fehle nicht an der nötigen Technologie, wohl aber am politischen Willen. "Wachsender Wohlstand und höhere Bevölkerungszahlen werden den Energiebedarf in den kommenden Jahrzehnten unausweichlich nach oben treiben", sagte Birol. Der globale Primärenergiebedarf werde von 2010 bis 2035 um ein Drittel steigen. 90 % davon entfallen auf Länder, die nicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehören.

"Die Regierungen müssen stärkere Anreize für Investitionen in effiziente, kohlenstoffarme Technologien geben", forderte Birol. Die Energieeffizienz habe sich das zweite Jahr in Folge verschlechtert.

Bis 2035 brauche die Welt Investitionen in den Energiesektor von 38 Billionen $, so die Daten des WEO. Denn 1,3 Mrd. Menschen– rund 20 % der Weltbevölkerung – hätten heute noch immer keinen Stromanschluss.

Birol geißelte, dass 2010 weltweit Staaten fossile Energieträger noch mit 409 Mrd. $ subventionierten – 110 Mrd. $ mehr als 2009, gegeben vor allem von asiatischen Ländern. Birol forderte die umgehende Abschaffung dieser Subventionen. Nur so könnten regenerative Energieträger eine stärkere Bedeutung erhalten. Deren Wachstum wiederum werde durch Subventionen gestützt, die von 2010 ca. 64 Mrd. $ auf 250 Mrd. $ im Jahr 2035 erhöht würden.

Die Ölnachfrage steigt laut IEA-Prognose bis 2035 von heute täglich 87 Mio. Barrel (1 bl = 159 l) auf dann 99 Mio. bl/Tag. Dabei prognostiziert die Studie der Agentur – der so wichtige Länder wie China und Indien nicht angehören –, dass Öl bald zur Neige gehe und die Preise schnell nach oben schießen würden. Vor allem in Nordafrika und im Nahen Osten hätten einige Länder derzeit nicht mehr Geld genug, um ausreichend in ihre Ölförderung zu investieren. Das sieht Birol als besonders gefährlich an, weil gerade Erdöl aus dieser Region die sinkende Produktion aus anderen Ölfeldern und das Verbrauchswachstum decken müsse.

Für Kohle, die schon im vergangenen Jahrzehnt gut die Hälfte des Zuwachses der Energienachfrage gedeckt habe, sieht die IEA einen starken Anstieg voraus, nämlich gegenüber 2010 um 65 % bis 2035. Effizientere Kraftwerke und Technologien zur CO2-Abscheidung und -Speicherung könnten die Aussichten für Kohle deutlich verbessern, so die IEA.

Dass sich die Auswirkungen dieser höheren Kohlenutzung durch CCS-Systeme (Carbon Capture and Storage; Einfangen und Lagern von CO2) wirklich begrenzen lassen, bezweifelt Birol. Denn davor gelte es noch hohe technische, politische und regulatorische Hürden zu überwinden.

 KATHARINA OTZEN/swe

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