Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Sonntag, 21. Januar 2018

Stromnetze

Smart Grids: China gibt Tempo vor

Von Birgit Böhret | 27. September 2013 | Ausgabe 39

Weltweit arbeiten Unternehmen an der Entwicklung des sogenannten Smart Grid. In Berlin diskutierten in dieser Woche rund 500 Teilnehmer über Technologien und Strategien für die Zukunft. Gemeinsam wollen sie einen effizienten Weg zur Realisierung einer smarten Energiewelt finden.

Die Welt schaut auf China. Die Deutschen dabei vielleicht sogar mit ein wenig Neid. Denn mit dem Ausstieg aus der Kernkraftnutzung und den darauf folgenden politischen Beschlüssen – wie dem Gesetz für Erneuerbare Energien (EEG) – folgt nun in Deutschland nachgelagert die technische Entwicklung des Stromnetzes hin zu einem Smart Grid.

In China ist das anders. China kann zuerst die technischen Möglichkeiten prüfen, den Bedarf ermitteln, bevor es das Smart Grid baut. Für Klaus Wucherer, Präsident der Internationalen Elektrotechnischem Kommission (IEC), ist das der leichtere Weg.

In China werde zuerst überlegt, was zu tun ist, um ein Stromnetz "intelligent" zu machen. In Deutschland laufe der Prozess nun "leider" andersherum, so der ehemalige Siemens-Vorstand am Dienstag auf dem "World Smart Grid Forum" in Berlin.

Doch der aus "der Not", so Wucherer, geforderte, forcierte Umbau des Stromversorgungssystems hat der deutschen Industrie durchaus Vorteile gebracht. Deutschland sei "in allen internationalen Gremien dabei" und die Unternehmen seien "hervorragend" aufgestellt, wenn es um das Stromnetz der Zukunft gehe, betont Wucherer. Bei Smart Grid und Hochspannungsnetzen helfe ein Blick über die chinesische Grenze. Die Entfernungen zwischen Erzeugung und Energie liegen im Reich der Mitte noch etwas weiter auseinander als zwischen Nordsee und Bayern.

China ist mit seiner State Grid Corporation of China (SGCC) Partner der IEC und des VDE, des Verbandes Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik, auf dem "World Smart Grid Forum". Rund 500 Teilnehmer diskutierten über einen gemeinsamen Weg, um eine nachhaltige und funktionierende Energieversorgung aufzubauen.

VDE-Präsident Joachim Schneider sieht zwar, dass jedes Land zurzeit an anderen Konzepten arbeitet, doch das Ziel, auf das die Industrienationen in Europa, Amerika und Asien hinarbeiteten, sei identisch. Alle wollen eine effiziente, sichere und nachhaltige Energieversorgung der Zukunft schaffen.

China könnte dabei – als weltweit größter Stromkonsument – mit seinem "ehrgeizigen Smart-Grid-Programm eine herausragende Rolle spielen", glaubt Schneider. Der stellvertretende Vorstandschef der SGCC, Jun Luan, kann auf einige Erfahrungen verweisen. 165 Mio. Smart Meter – digitale Stromzähler – seien installiert, auch bei den Transportnetzen sei man schon weit.

Bei den Ultrahochspannungsleitungen haben die Chinesen die Nase vorn. Für den Bau einer interkontinentalen Stromautobahn könnten sie "einige technische Erfahrungen" einbringen, sagt die SGCC in Berlin – aber dafür gebe es ja noch keine Planungen. Obwohl, so Luan, ein solches Transportnetz "ein großes gemeinsames Projekt werden könnte".

Auch Investitionen in Deutschland sind für China eine Option. Der Markt sei "sehr attraktiv". So läuft die Konzession von Vattenfall für den Betrieb des Berliner Stromnetzes 2014 aus – die Chinesen sind einer der Bewerber. Und ein finanzstarker. Fortune führt die SGCC mit fast 300 Mrd. $ Umsatz als siebtgrößtes Unternehmen der Welt in seiner "Global 500"-Liste.

Ein weiteres großes Thema des Gipfels: eine weltweite Standardisierung der Smart-Grid-Technologien. Nicht zuletzt wegen der Kosten.

Auch die Chinesen arbeiten an Standards. Das Land verfüge über einen großen Expertenpool, stellt Luan fest. Hier seien die Kontakte und die internationale Zusammenarbeit wichtig. Nicht zuletzt deshalb sei die SGCC bei diesem Weltgipfel dabei.

Stromkosten seien für jedes Land entscheidend, betont IEC-Präsident Wucherer, deshalb sei es sehr wichtig, die Techniken für den Stromtransport zu standardisieren. In Deutschland läge der Ball jetzt bei den Regulierern und der Regierung. Sie sollten eine Lösung finden – "und sie sollten sie schnell finden", fügt er hinzu. Denn es gewinne der, der auch Erfolge im eigenen Land vorzeigen könne. BIRGIT BÖHRET

stellenangebote

mehr