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Donnerstag, 21. März 2019

Datenschutz

Snowden: „Nutzt Kryptografie!“

Von Heinz Wraneschitz | 16. Oktober 2015 | Ausgabe 42

Er war die Attraktion: Edward Snowden gab sich Mitte letzter Woche auf der IT-SA die Ehre. Nicht persönlich auf dem Messegelände, denn Deutschland gewährt dem US-Staatsfeind Nr. 1 kein politisches Asyl, aber doch live via TV-Leitung aus Russland zugeschaltet.

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Foto: Messe Nürnberg

Der Ex-NSA-Mann Snowden hat sich Russland nicht ausgesucht und will nur noch zurück in seine Heimat.

Das Safe-Harbor-Urteil des Europäischen Gerichtshofs zwei Tage zuvor brachte aktuelle Brisanz in den Auftritt des Ex-Mitarbeiters der National Security Agency der USA, kurz NSA. Dieses Urteil, so Edward Snowden auf eine Frage der VDI nachrichten, sei „eine sehr gute Sache für alle Bürger in der Welt – auch für die in den USA“. Es habe das Bewusstsein um Datensicherheit wieder in die Köpfe der Bevölkerung gebracht.

Nun müsse sich die US-Regierung „hinsetzen und mit den anderen Ländern gemeinsam ganz schnell die Regeln ändern“. Vor allem die „Superstaaten wie USA, China, Russland oder Deutschland“ seien gefordert, solche Regeln und Standards zu setzen.

Snowdons Keynote war überschrieben mit „Defense against the Dark Arts: Today’s cybersecurity problem and how to fix it“. Darin appellierte er an die Internet-Community, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Kommunikation für Menschen und Firmen wieder sicherer werde: „Ihr habt die Möglichkeiten und Fähigkeiten, also setzt sie auch ein!“ Bisher jedenfalls könne man weder den sogenannten Sicherheitsorganen noch den großen Internetfirmen trauen: „Die Geheimdienste sind zwar nicht automatisch böse. Aber es sind beileibe auch nicht nur die Hacker, die Probleme verursachen“, stellte Snowden klar. Denn dass niemand im Netz sicher vor der Ausspähung durch die US-Behörde NSA ist, weiß inzwischen jeder: Selbst das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin wurde abgehört. Noch nicht einmal bei SIM-Karten könne man sicher sein, dass diese frei von Schadprogrammen seien, erinnerte er an das Beispiel eines holländischen Herstellers, der verseuchte Karten auslieferte.

Wie die NSA arbeitet, steht in deren als geheim eingestuften Information „FAA702 Operations“. Die US-Spione seien durch die Dienste „Upstream“ und „Prism“ in der Lage, jeglichen Datenverkehr anzuzapfen. Dieses Papier hat u. a. der Ex-NSA-Mann Snowden öffentlich gemacht. Deshalb droht ihm in den USA im Extremfall die Todesstrafe. Auch wenn er inzwischen nach eigener Aussage von den US-Behörden die Zusage erhalten hat, wenigstens nicht mehr gefoltert zu werden, falls sie ihn fassen. Doch darauf vertraut der frühere US-Spion offenbar selbst nicht.

Und deshalb, so Snowden auf Nachfrage aus dem Nürnberger Publikum, lebe er heute ohne Pass in Russland. „Ich wollte nie hier sein. Ich kann kein Russisch.“ Und auch hier habe er viel, z. B. die teilweise Abschaltung von Internetdiensten, zu kritisieren.

Mehrfach forderte Snowden die Internetnutzer auf, Kryptografie zu benutzen, also E-Mails und Daten zu verschlüsseln: Das wollten zwar einige Ländern inzwischen sogar per Gesetz verbieten, doch es koste die Anwender kaum etwas, die Spionagebehörden dagegen sehr viel, die Schlüssel zu knacken. Vor allem aber forderte er Firmen weltweit ebenso wie die Fachleute im Publikum auf, „eine Plattform für die Sicherheit von heute aufzubauen. Verteidigung – nur das zählt“. Er appellierte an die Technikunternehmen, den Kunden nur noch absolut sichere, unangreifbare Geräte zur Verfügung zu stellen: „Die Leute vertrauen auf Euch.“

Gefordert seien aber eigentlich zuerst die Regierungen: „Alle haben die Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet.“ Damit sei das Ausspionieren von Bürgern eindeutig verboten. Snowden gibt zu, er sei spionagetechnisch tatsächlich auf dem Stand von 2013, dem Jahr, in dem er erstmals NSA-Praktiken öffentlich gemacht hat. Doch er ist sich sicher: „Auch heute, im Jahre 2015, hat die NSA keinen Gedanken daran verschwendet, die Überwachung zu reduzieren.“ Edward Snowden selbst will eigentlich „nur zurück in meine Heimat“. Dennoch denkt er an die ganze Menschheit, die nicht mehr wolle, als „eine Gemeinschaft zu bilden und zusammenleben“.