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Samstag, 20. Januar 2018

Zukunftstechnologien

Technik soll unsichtbar werden

Von Oliver Klempert | 5. August 2016 | Ausgabe 31

Um Innovationen Bedürfnissen und Wünschen der Nutzer anzupassen, setzten sich Fraun-hofer-Forscher mit Bürgern zusammen.

SFuture BU
Foto: Fraunhofer IAO

Technik der Zukunft: Schutzkapseln könnten in öffentlichen Verkehrsmitteln Räume schaffen, in denen Menschen ungestört sind.

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Das soll der dänische Physiker Niels Bohr auf die Frage nach der Zukunft der Quantenphysik geantwortet haben.

Ausstellung „Shaping Future“ in Nürnberg

Da die Technik aber nun einmal für den Menschen da ist, will er möglichst intensiv bei der Gestaltung der Zukunft mitmischen. Vor allem weil die komplexer werdende Technik die Verunsicherung erhöht. Fraunhofer-Forscher haben mit dem Projekt „Shaping Future“ ein Modell entwickelt, mit dem Menschen ihre Ansprüche an Zukunftstechnologien beschreiben und mit Wissenschaftlern teilen können. Mehr als 100 Personen unterschiedlichsten Alters und mit verschiedenen beruflichen Hintergründen wurden 2015 gebeten, sich Gedanken über Technologien für das Jahr 2053 zu machen. Sie sollten sich mit den Themen Maschinen, Gesundheit, Arbeit und nachhaltige Mobilität auseinandersetzen.

„Ein wichtiges übergreifendes Ergebnis dieser Kooperation ist, dass sich Menschen möglichst unsichtbare Technologien wünschten, die sich gut am Körper tragen lassen“, sagt Projektmitarbeiterin Marie Heidingsfelder, die am Berliner Center for Responsible Research and Innovation des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) tätig ist. Diese Technologien könnten in Textilien verwebt oder direkt am Körper angebracht sein.

Ebenfalls gewünscht wurden flexible, adaptive Raummodelle, die es Nutzern erlauben, sich individuell zurückzuziehen. Eine Idee wären Schutzkapseln für öffentliche Verkehrsmittel, die in Bussen oder Straßenbahnen angebracht sind und die man sich über Kopf und Rumpf zieht, sobald man ungestört sein will. Gefragt sind auch Technologien für eine verbesserte Orientierung. Heidingsfelder: „In einer komplexer werdenden Welt wünschen sich Menschen eine Art Big Mother, die ihnen hilft, Entscheidungen zu treffen und besser mit Stress oder körperlichen Anstrengungen umzugehen.“

Wie Science-Fiction klingt der Wunsch, dass Maschinen menschliche Emotionen als Dolmetscher an andere Personen weitergeben können – etwa in Form von übertragbaren Erinnerungsspeichern, die es anderen Menschen ermöglichen, die Ereignisse emotional nachzuempfinden.

Um sich in das Jahr 2053 hineinversetzen zu können, inspirierte das Projektteam die Teilnehmer mit zukunftsweisenden Bildern, Produkten und Forschungsvorhaben sowie mit künstlerischen Entwürfen von Lucy McRae, Maiko Takeda und Anish Kapoor.

Die Teilnehmer entwickelten daraufhin konkrete Lösungsansätze. Zuletzt entwarfen die Teilnehmer erste Prototypen, um Funktion und Bedienoberfläche zu veranschaulichen.

„Für den Erfolg von Innovationen ist es entscheidend, ob und in welcher Form Nutzer diese akzeptieren. Bislang fehlen Prozesse, wie Bürger sich mit Forschern austauschen können. Unser Projekt ermöglicht das“, erläutert Marie Heidingsfelder.

Forscher aus den Bereichen Mikroelektronik, Optik, Werkstoffe, Logistik, Informatik, Produktion, Arbeitswirtschaft und Medizin nahmen die entwickelten Prototypen unter die Lupe. Die Ideen dienen nun als Vorlagen für künftige Forschungsarbeiten.

In acht Technologie-Roadmaps zeigen die Wissenschaftler auf, welche technologischen Schritte erreicht und welche sozialen und juristischen Bedingungen erfüllt sein müssen, um die Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.

Ein konkretes Produkt könnte ein modulares Exoskelett (äußeres Skelett) sein, das Menschen bei körperlich anstrengenden Aktivitäten unterstützt. Praktikabel könnte auch die „Emo-Lens“ sein, eine Kontaktlinse, die anzeigt, in welcher emotionalen Verfassung der Mensch ist.

Prognosen sind schwierig, sie lassen sich aber beeinflussen, wie das Fraunhofer-Beispiel zeigt.

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