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Samstag, 17. Februar 2018

Museum

Zeitreise auf der Traumstraße im Caravan

Von Thomas Heckmann | 4. November 2011 | Ausgabe 44

In Bad Waldsee (Baden-Württemberg) wurde am letzten Oktober-Wochenende das "Erwin Hymer Museum" eröffnet. Unter dem Motto "Die ganze Welt des mobilen Reisens" zeigt das neu erbaute Museum vis-á-vis den Werkshallen der Hymer AG einen ganzheitlichen Blick auf Kultur, Technik und Historie rund um Wohnwagen und Wohnmobil.

Der Name "Hymer" ist wohl jedem Caravan-Interessierten ein Begriff. Zum 50-jährigen Firmenjubiläum gibt es nun auch das "Erwin Hymer Museum". Getragen wird das Museum aber nicht von der Aktiengesellschaft, sondern von einer vor zehn Jahren gegründeten separaten Stiftung. Dabei wurden in Gebäude und Ausstellung rund 17 Mio. € investiert. Und beim Gang durch das Museum wird deutlich, dass sich das Museum nicht nur als Werksmuseum verstehen will, sondern eine kulturgeschichtliche Darstellung rund um um Caravan und Wohnmobil anstrebt.

Die Museumsbesucher werden entlang einer "Traumstraße" als Bodenmarkierung an den über 80 historischen Reisefahrzeugen vorbeigeführt. Beginnend mit einem Alpenpass und Fahrzeugen der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts muss sich der Besucher genauso wie der ausgestellte VW Käfer mit angehängtem Wohnwagen einen Pass mit 15 % Steigung hinaufkämpfen.

Im Obergeschoss des Museums erreicht man tatsächlich ein Gipfelkreuz samt Gipfelbuch, überragt von einer Fotowand mit den Ötztaler Alpengipfeln. Entlang dieser weltumspannenden Traumstraße gibt es Sehnsuchtsorte, die Exponate in Traumzielen zusammenfassen. Neben den Alpen wird so die Sehnsucht unter anderem nach Italien, Indien, der Ostsee, Marokko, dem Motorhome-Land Amerika und dem Wintercamping geweckt.

Jeder Sehnsuchtsort ist anders aufgebaut, zeigt Fahrzeuge, Licht-, Audio- und Videoinstallationen verbunden mit aufwändiger Dekoration. Anfassen und Mitmachen ist das durchgängige Motto. An Kuhglocken kann man "La Montanara" spielen oder am Radio die unterschiedliche Berichterstattung "West und Ost" beim Länderspiel "BRD gegen DDR" vergleichen. Liegestühle laden zum Verweilen ein und in Amerika kann man sich im Lassowerfen üben.
Zwischendrin aber auch immer spezielle Tafeln, Rätsel und Spiele für Kinder. Zu jeder Reise, auch auf der Traumstraße des Museums, gehören Urlaubsfotos.

Auch hier hat das Erwin Hymer Museum eine Lösung gefunden. Vor riesigen Hintergrundbildern wurden Fotostationen im Museum verteilt. Mit ein paar motivlich passenden Bekleidungsstücken kann man sich am Canale Grande genauso wie beim Surfen am Strand fotografieren lassen. Die Fotoautomaten werden mit dem Barcode der Eintrittskarte bedient, im Museumsshop kann man dann eine Postkarte mit seinen Urlaubsbildern mitnehmen oder auch die so entstandenen Urlaubsbilder daheim über die Museums-Homepage herunterladen.

Unter den Exponaten finden sich nicht nur die erwarteten Hymer-Fahrzeuge, sondern noch viel mehr Fahrzeuge anderer Hersteller inklusive einiger Selbstbauten aus der ehemaligen DDR. Das "Zuhause für unterwegs" wurde nicht nur im Museum hingestellt, sondern liebevoll mit Accessoires ausstaffiert, in der Küche eines DDR-Wohnwagens liegt dann noch die Tüte Trinkhalme aus volkseigener Produktion herum, gerade so, als ob die Wohnwagenbesitzer sich nur mal kurz in der Ostsee erfrischen und gleich zum Kaffeetrinken wiederkommen.

Das Museum ist untrennbar mit dem 80-jährigen Stifter Erwin Hymer verbunden. Unter den Exponaten ist auch sein "Motorrädle" mit gummibelegtem Holzreifen und allerlei Teilen, die er sich als 17-jähriger Lehrling zusammengesucht hatte.

Das Museum besteht aus zwei Gebäudeteilen, die einem stehenden und einem liegenden Caravan-Fenster nachempfunden sind. Umfasst werden West- und Ostseite von geprägtem Edelstahl, die Nord- und Südseite sind komplett verglast. Schon im Vorbeifahren kann man erahnen, was alles im Museum geboten wird. Von innen kann man bei gutem Wetter die Alpen sehen. Die Südseite ist zusätzlich mit Lamellen versehen.

Statt verstellbaren Lamellen als Sonnenschutz hat der Hausherr Erwin Hymer auch hier seinen schwäbischen Tüftlergeist aufblitzen lassen: Nach Experimenten mit einem Blatt Papier und einer Taschenlampe im Büro der Museumsleiterin wählte er eine Lamellenbreite und einen Winkel, der im Sommer die steil stehende Sonne abschattet, im Winter aber die flach stehende Sonne hineinstrahlen lässt, damit das Gebäude über die dunklen Böden eine natürliche Fußbodenheizung erhält.

Neben den 6000 m2 Museumsfläche beherbergt das Gebäude eine Veranstaltungshalle und Tagungsräume für bis zu 500 Personen und auch ein Restaurant.

  THOMAS HECKMANN

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