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Montag, 22. Januar 2018

Informationstechnik

50 Jahre Mainframe: Plattform für Innovation und Sicherheit

Von Michael Matzer | 6. Juni 2014 | Ausgabe 23

Der Großrechner, auch "Mainframe" genannt, hat noch eine große Zukunft vor sich, ist der Computerhersteller IBM überzeugt. Nicht zuletzt deshalb, weil der Mainframe die höchstmögliche Sicherheitszertifizierung aufweist. In New York hat IBM das 50-jährige Jubiläum seiner Mainframe-Familie gefeiert.

Erster IBM-Großrechner
Foto: IBM

1964: Mit dem System 360 stellte IBM seine erste Großrechner-Familie vor. Sie war Keimzelle einer Reihe sich stetig weiterentwickelnder Mainframe-Architekturen.

"Der Großrechner führt die dritte Ära der Informatik an, die derzeit beginnt", ist sich John Kelly, IBMs Forschungsdirektor, sicher. Für ihn sind das die sogenannten kognitiven Systeme: erkenntnisorientierte Großrechner, die Erfassung und Analyse riesiger Datenmengen auf bisher nicht erreichte Weise erledigen können. Der Rechner, so vergleicht es Kelly, wird dabei seiner Umgebung gewahr.

Ein typisches kognitives System führe gespeicherte Daten mit solchen aus der Umwelt zusammen, die etwa aus einem Sensornetzwerk stammen können. Aus der integrierten Analyse solcher Massen unstrukturierter Daten können nach Ansicht Kellys nur diese kognitiven Systeme echte Einblicke verschaffen. "Deshalb wird der Mainframe eines der wenigen Systeme sein, die es in die dritte Ära der Informatik schaffen werden", sagte Kelly anlässlich des 50. Geburtstags von IBMs Großrechnerfamilie System z.

Der Weg hin zu diesen kognitiven Systemen ist lang und begann 1964. Seit der Mainframe seinerzeit mit dem System 360 aus der Taufe gehoben wurde, machte er daher mehrere einschneidende Wandlungen durch. Diese betrafen nicht nur die eigentliche Architektur der Rechner, sondern auch die zugrunde liegenden Techniken, so etwa bei den verwendeten Halbleiterkomponenten.

Tom Rosamilia, Senior Vice President der IBM Systems & Technology Group und der Integrated Supply Chain, nannte bei der Geburtstagsfeier ein Beispiel: "1992 bis 1993 stellten wir die Chiptechnologie von bipolar auf Cmos um." Das allein erforderte damals Investitionen in Höhe mehrerer Milliarden Dollar.

Innovationsfähigkeit sieht deshalb John Kelly als das Hauptmerkmal der Mainframe-Baureihe an. "Im letzten Jahr haben wir rund 500 Patente um den Mainframe angemeldet." Ein Gutteil dieser Neuerungen kam aus dem IBM-Entwicklungszentrum im schwäbischen Böblingen.

Dort wurde nicht nur mit dem System 370 die Virtualisierung erfunden, sondern auch erstmals Linux als Betriebssystem für den Großrechner eingeführt. Das bedeutet, dass jeder Linux-Programmierer auch den Großrechner programmieren kann.

Nach Angaben von Pat Toole, IBMs General Manager für den 360-Nachfolger System z, haben bereits 180 000 Studenten entsprechende Informatikkurse absolviert, die IBM zusammen mit Partnerinstituten anbietet. Neben der einfacheren Softwareentwicklung unter Linux spielt auch die grafische Benutzeroberfläche eine wichtige Rolle bei der reibungslosen Nutzung eines Mainframes.

"Wir haben die israelische Firma CSL gekauft und bieten nun mit deren Produkt Wave eine Benutzeroberfläche für die einfache Systemverwaltung an", so Toole. Linux für System z erleichtert auf diese Weise auch den Betrieb von Virtuellen Maschinen (VMs). "Auf unserem neuen Enterprise Cloud System auf System z", so Toole, "kann der Kunde bis zu 6000 VMs gleichzeitig betreiben." Daher vermarktet Big Blue das neue System, das auf der Baureihe BC12 basiert, als "Cloud in a box".

Dieses System, so Toole, sei nicht nur preislich attraktiv, sondern biete auch Anbietern von Rechenleistung, sogenannten Managed Service Providern (MSPs), die Möglichkeit, erstens ihre Server zu konsolidieren, zweitens in kürzester Zeit eine Public Cloud anzubieten und drittens allein durch die Einsparungen an Platz und Energiekosten einen Kapitalrückfluss zu erzielen. "Das ist einem Kunden in Brasilien bereits im ersten Jahr gelungen", so Toole.

Mainframe-Familie von IBM
Foto: Peter Steffen/dpa

2014: Besucher bestaunen auf der CeBIT ein gläsernes Exemplar der aktuellen Mainframe-Familie von IBM, des Systems z.

IBM nennt einen Einstiegspreis von rund 75 000 € für ein BC12-System und hat seine Finanzierungsbedingungen an die Bedürfnisse des Mittelstands und der MSPs angepasst. "Die Cloud", erläutert der PAC-Analyst Rüdiger Spies, "spielt IBM sozusagen in gleichem Maße in die Hände, indem die Bedeutung der eigentlichen Hardwareplattform sinkt und die Bedeutung der gelieferten Services steigt."

Neben der Cloud ist Mobilität die zweite große Anforderung, auf die IBM mit dem "Enterprise Cloud System" reagiert. "Im Finanzsektor etwa müssen zunehmend Transaktionen aus der Cloud und von Mobilgeräten verarbeitet werden", so John Kelly. Auf der Jubiläumsfeier in New York wurden u. a. Studenten ausgezeichnet, die im Rahmen eines Wettbewerbs mobile Applikationen für den Mainframe schreiben sollten.

Eine zentrale Rolle beim Einsatz von Mainframes spielt darüber hinaus die hohe Sicherheitsstufe der Systeme: "Mainframes haben Crypto-Prozessoren, die die Sicherheit in der Hardware ausführen", ergänzt der Analyst Spies. "Sicherer kann man Dinge nicht machen."

Diese Crypto-Prozessoren verhalfen dem Mainframe als bisher einzigem Rechnersystem zur höchstmöglichen Sicherheitsfreigabe EAL5+ (Evaluation Assurance Level). Die EAL-Stufen bewerten die Datensicherheit von technischen Systemen. MICHAEL MATZER

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