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Donnerstag, 21. März 2019

Computer

Apple: Auf dem Weg zum IT-Primus

Von Harald Weiss | 3. Februar 2012 | Ausgabe 5

Das letzte Quartal im abgelaufenen Jahr hat Apple ein Rekordergebnis beschert. Sowohl nach Umsatz wie nach verkauften Geräten war es das beste Quartalsresultat, das je von einem IT-Unternehmen erzielt wurde. Viele Analysten sehen Apple bereits zum Jahresende vor dem Noch-PC-Marktführer HP.

Apple erzielte in den Monaten Oktober bis Dezember 2011 einen Umsatz von 46,3 Mrd. $ und erwirtschaftete einen Gewinn von 13 Mrd. $. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es "nur" 26,7 Mrd. $ Umsatz bei 6 Mrd. $ Gewinn. Für das laufende Jahr rechnen die Finanzanalysten mit einem Umsatz von 157 Mrd. $ – 50 Mrd. $ mehr als im Vorjahr.

Doch wichtiger als der Vorjahresvergleich ist der Vergleich von Apple mit Hewlett-Packard, dem seit einiger Zeit weltgrößten PC-Hersteller. HPs bislang bestes Quartalsergebnis war im Q4 2010 ein Umsatz von 32,3 Mrd. $. Die Ergebnisse für das letzte Quartal 2011 werden erst am 22. Februar veröffentlicht. Unter den Finanzanalysten erwartet man 30,7 Mrd. $ – also nur rund zwei Drittel des Apple-Umsatzes.

Für das laufende Jahr wird bei HP ein Umsatz von 124 Mrd. $ erwartet. Damit würde sich Apple deutlich an HP vorbei auf den ersten Platz der IT-Anbieter schieben. Auch den Vergleich mit Apples Erzrivalen Microsoft muss man in Cupertino nicht mehr scheuen, denn die jüngsten Rekordergebnisse waren bereits doppelt so hoch wie die Vergleichswerte von Microsoft.

Nach dem iPhone ist Apples Hauptumsatzträger das iPad, von dem im vierten Quartal 2011 über 15 Mio. Geräte abgesetzt werden konnten. Und so äußerte sich Apples CEO Tim Cook in einem Gespräch mit den Analysten euphorisch: "Der Tag ist nicht mehr weit, an dem es im Markt mehr Tablets als PCs gibt."

Ob allerdings der Absatz von iPads mit den Verkaufszahlen von Laptops oder gar Desktops verglichen werden kann, ist unter den Analysten umstritten. IDC-Analyst David Daoud meint, dass iPads und PCs "kein fairer Vergleich sind". Tim Coulling von Canalys ist da anderer Ansicht: "Wenn Netbooks und Notebooks zu den PCs gerechnet werden, muss man auch iPads dazu zählen", lautet seine Meinung. Er hatte bereits im vergangenen November in einer Research-Note geschrieben, dass Apple 2012 HP als größten PC-Hersteller ablösen wird.

Bei den PC-Anbietern ist man sich ebenfalls über die Einordnung des iPads uneinig. Acers Marketing-Chef Walter Deppeler meint, dass Apple mit den iPads eine völlig neue Anwendungs- und Systemkategorie geschaffen hat. "Tablets adressieren den Bereich der Content-Konsumierung. Notebooks dagegen eignen sich überwiegend für die Content-Generierung", sagte er jüngst gegenüber den VDI nachrichten.

Was auch immer die beste Kategorisierung ist, in jedem Fall ist deutlich erkennbar, dass es bei den Tablets aufwärts geht, wogegen der klassische PC-Markt schwächelt. Diese Absatzflaute schlägt inzwischen bis zu Microsoft durch. So meldeten die Redmonder jüngst, dass der Windows-Absatz im Schlussquartal 2011 um 6 % zurückgegangen ist.

Das Marktsegment der Tablets weist dagegen derzeit die höchsten Wachstumsraten im gesamten IT-Markt auf. Laut den Marktbeobachtungen von Strategy Analytics wurden im vierten Quartal 2011 rund 27 Mio. Tablets abgesetzt, 150 % mehr als im letzten Quartal 2010. Apple konnte seinen Tablet-Absatz um 111 % steigern, doch das reichte nicht aus, um den Marktanteil zu halten, dieser ging von 68 % auf 58 % zurück. Grund dafür ist der Einstieg von Amazon. Deren Kindle Fire konnte den Anteil der Android-basierten Tablets von 29 % auf 39 % verbessern.

Vergleicht man Apples Absätze nach Stückzahlen mit denen der PC-Konkurrenz, so nimmt Apple ebenfalls eine Spitzenposition ein. Zu den 15 Mio. iPads kommen im Schlussquartal 2011 rund 5 Mio. Macs hinzu. Das ist deutlich mehr als die von Gartner geschätzten HP-Zahlen: Demnach kommt der bislang größte PC-Hersteller nur auf 14,7 Mio. Geräte. Danach folgen Lenovo (12,9 Mio.) und Dell (11,6 Mio.). Nur auf Jahresbasis sind die PC-Zahlen dem iPad noch überlegen. Laut Apple wurden im gesamten vorigen Jahr 40 Mio. iPads abgesetzt, HP alleine konnte laut IDC 62 Mio. PCs absetzen. Bei Dell und Lenovo waren es jeweils 44 Mio. Systeme.

Als Gegenpol zum iPad gibt Acer-Manager Deppeler neuen Hybrid-Systemen eine gute Chance, da sie sowohl als Tablet als auch als Notebook genutzt werden können. IDC-Analyst Daoud sieht das ähnlich: "Wir werden zum Jahresende eine Reihe an neuen Systemen sehen, die mit ihren Features und mit ihrer Funktionalität sowohl dem iPad als auch den Notebooks Konkurrenz machen – insofern stimulieren die Tablets den PC-Markt enorm." Da wird dann auch das neue Windows 8 eine gewichtige Rolle spielen, da erst damit eine dem iPad vergleichbare Benutzerführung vorhanden sein wird. HARALD WEISS