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Donnerstag, 21. März 2019

Computer

Apple: Kritik an Zulieferern in China

Von H. W. | 3. Februar 2012 | Ausgabe 5

Die von der Elektronikindustrie praktizierte Fertigungsverlagerung nach China gerät in den USA massiv in die Kritik. Vor allem Apple mit seinen Luxus-Gadgets würde im krassen Widerspruch zu den Arbeitsbedingen bei den Zulieferbetrieben stehen.

"In China sind die Menschenkosten in jedes iPad miteingebaut", titulierte die New York Times (NYT) einen umfangreichen Artikel, in dem sie die Bedingungen, unter denen die technischen Luxusgüter gefertigt werden, scharf kritisiert. Im Visier befindet sich vor allem der chinesische Lohnfertiger Foxconn, bei dem rund 40 % aller weltweiten Consumer-Electronics-Geräte hergestellt werden, darunter auch Apples iPhone und iPad. Neben Apple gehören auch noch Acer, Cisco, Dell, HP, Intel, IBM, Nokia, Panasonic, Samsung, Sharp, Toshiba und Sony zu deren größten Kunden.

Wie viele Mitarbeiter bei Foxconn insgesamt beschäftigt sind, ist nicht genau bekannt, zumal diese Zahl je nach Auftragslage erheblichen Schwankungen unterworfen ist. Die ersten negativen Schlagzeilen über das Unternehmen gab es bereits 2009, als der 25-jährige Sun Danyong Selbstmord verübte, nachdem er einen Prototyp des iPhone 4 verloren hatte. Insgesamt haben bislang 14 Foxconn-Arbeiter Selbstmord verübt.

Die jüngste Kritik richtet sich vor allem gegen die alltäglichen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. So drohten Anfang Januar 150 Arbeiter mit Selbstmord, sollten ihre Löhne und Arbeitsbedingungen nicht verbessert werden. Das Foxconn-Management bot eine Kündigung mit Abfindung oder eine Weiterbeschäftigung ohne Gehaltserhöhung an. Die Arbeiter wählten die Kündigung – bekamen aber keine Abfindung.

Laut Bericht der NYT "wohnen" die Arbeiter in überbelegten Schlafsälen auf dem Werksgelände, viele von ihnen hätten eine Siebentagewoche; ein Teil der Belegschaft sei minderjährig. Gearbeitet werde unter unmenschlichen Bedingungen in häufig gesundheitsschädlichen oder unsicheren Umgebungen. Hierzu würde Foxconn Unterlagen und Berichte fälschen und unabhängige Beobachter bestechen oder einschüchtern.

Apple weist die Vorwürfe weit von sich. In Vorschriften für jeden Zulieferer sei genau festgelegt, welche Regeln in Bezug auf Sicherheit und Menschenwürde unbedingt einzuhalten sind. Eigene Prüfer würden die Herstellungsbetriebe unter die Lupe nehmen und jeder Mangel muss sofort behoben werden oder der Vertrag wird gekündigt. Harvard-Professorin Heather White hält das für Schönreden: "Es gibt für jeden Lieferanten nur bedingt Ersatz – für Foxconn gibt es praktisch keinen, denn er ist der einzige, der schnell genug die Produktion im gewünschten Umfang hochfahren kann."

Inzwischen hat sich Apples CEO Tim Cook zu den Vorwürfen geäußert: "Wir werden hier massiv angegriffen, dabei kümmern wir uns um jeden einzelnen Mitarbeiter", schrieb er in einem Memo an alle Mitarbeiter. Er würde sich persönlich über jede Unfallursache informieren und auf Verbesserungen bestehen. Analysten erwarten, dass sich die Aufsicht bei den Apple-Zulieferern weiter verschärfen wird: "Steve Jobs hat sich wahrscheinlich nie um die Arbeitsbedingungen in China gekümmert, doch Cook war stets näher dran und er hat sich häufig für eine Verbesserung eingesetzt – manchmal auch gegen den Willen von Jobs", sagt Robert Enderle von der Enderle-Group. H. W.