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Montag, 22. Januar 2018

Messe IAA 2013

"Automatisiertes Fahren ist auch ein Thema für die alternde Gesellschaft"

Von Lisa Schneider/Regine Bönsch | 20. September 2013 | Ausgabe 38

Dirk Hoheisel, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, freut sich über mehr Elektronik im Automobil. Vernetzung und autonome Fahrzeuge sollen mehr Sicherheit und Komfort bieten - auch für ältere Menschen.

"Automatisiertes Fahren ist auch ein Thema für die alternde Gesellschaft"

VDI nachrichten: Herr Hoheisel, was sind für Sie die Trends der IAA 2013?

Hoheisel: Neben der Reduktion von CO2-Emissionen und Verbrauch sind vernetztes und automatisiertes Fahren die Megatrends auf der IAA – für mehr Komfort, aber auch mehr Sicherheit. Da ich bei Bosch für die Elektronik verantwortlich bin, freut mich das. Es kommt immer mehr Elektronik ins Auto.

Wie weit ist Bosch beim automatisierten Fahren?

Wir testen das bereits mit eigenen Autos. Davon fährt eines in Palo Alto, Kalifornien, und ein anderes im Großraum Stuttgart. Wir sind der einzige Zulieferer, der in Deutschland derzeit auf öffentlichen Straßen automatisiert fährt.

Fahren Sie auf Autobahnen und auf Landstraßen?

Im Wesentlichen auf Autobahnen – ohne Gegenverkehr, Radfahrer und Fußgänger. Das macht es einfacher. Die Fahrzeuge sind hierfür mit Umfeldsensoren ausgestattet. Künftig müssen sie aber auch wissen, was weit vor ihnen passiert.

Was ist der nächste große Schritt?

Das sind Manöver bei geringen Geschwindigkeiten, beispielsweise automatische Parkmanöver. Das Auto fährt selbstständig in die Lücke. Der Mensch steht neben dem Fahrzeug mit einem Finger auf dem Knopf und überwacht den Vorgang. Dafür nutzen wir auch Kameras, die einen 360°-Rundumblick aus der Vogelperspektive ermöglichen.

Mittlerweile sieht man auf den Displays im Auto mehr als durch die Scheiben.

Das ist in der Tat so. Aus aerodynamischen Gründen verschwinden demnächst vielleicht auch die Außenspiegel.

Was erwartet uns?

Bald wird es neben den schon im Markt bekannten Assistenzsystemen auch Staufolgeassistenten und später einen Highway-Piloten für höhere Geschwindigkeiten geben. Allerdings müssen die Fahrer notfalls eingreifen können. In diesem Jahrzehnt werden sie die Kontrolle noch nicht abgeben. Aber das automatisierte Fahren kommt – definitiv.

Gibt es in dem Zusammenhang nicht noch ein riesiges rechtliches Problem?

Aktuell ist ein vollautomatisiertes Fahren in den meisten Ländern nicht möglich. Die teilautomatisierten Funktionen der nächsten Jahre sind vom Gesetz gedeckt. Wir als Bosch haben immer eine schrittweise Einführstrategie gewählt. Auch beim automatischen Notbremssystem. Erst mal warnen, dann eingreifen bei niedrigen Geschwindigkeiten, dann bei höheren.

Mit welchem Zeitplan rechnen Sie bei den gesetzlichen Bestimmungen?

Wir sind zuversichtlich: Wenn die technische Reife bewiesen ist, werden auch die legislativen und versicherungstechnischen Diskussionen zum Ziel gefunden haben.

Das ist auch in Ihrem Interesse ...

Das ist auch im volkswirtschaftlichen Sinne wichtig. 2012 gab es allein in Deutschland wieder 3600 Verkehrstote. Mit den konventionellen Systemen – Airbag, Gurt, ABS – ist zwar in den letzten 20 Jahren viel erreicht worden, aber jetzt müssen wir die nächste Stufe zünden. Die UN geht davon aus, dass die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 weltweit von 1,3 Mio. auf 1,9 Mio. ansteigen wird. Das darf die Welt nicht akzeptieren.

Wie sieht der Zeitplan aus, wenn Sie an die Vernetzung der Fahrzeuge denken?

Aktuell sind unter 10 % aller Fahrzeuge über ein Smartphone oder ein verbautes Modul vernetzt. Mit dem Notrufsystem E-Call werden es mehr. 2020, spätestens 2025 wird nahezu jedes Fahrzeug vernetzt sein. Für ambitionierte Sicherheitsfunktionen muss sich mindestens die Hälfte der Fahrzeuge im fließenden Verkehr am Austausch von Echtzeitdaten beteiligen.

Stichwort Big Data: Ihr Konkurrent Conti hat angekündigt mit IBM zusammenzuarbeiten. Kooperiert Bosch da auch?

Wir sind ein Konzern, der immer gerne das ganze System verstehen will. Derzeit befindet sich alles noch im Forschungsstadium. Natürlich müssen wir schauen, wo unsere Kernkompetenzen liegen und womit wir Geld verdienen können. Außerdem profitieren wir von unserer Datenbankkompetenz. Und wir halten weiter an der Navigationssparte fest.

Sind die Menschen denn wirklich heiß drauf, automatisiert zu fahren? Und wie sieht das mit Ihnen persönlich aus?

Mich interessiert alles, was mit der Integration von Elektrotechnik in Fahrzeugen zu tun hat. Ansonsten ist das auch eine Generationenfrage. Junge Menschen schauen nicht mehr nur auf PS. Automatisiertes Fahren ist aber auch ein Thema für die alternde Gesellschaft.

Werden wir in 20 oder 30 Jahren noch im hohen Alter Auto fahren können?

Wir werden viel stärker unterstützt, so dass wir länger fahren können. Da hoffe ich auch persönlich drauf.   LIS/RB

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