Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Mittwoch, 20. Februar 2019

Autonomes Fahren

Autonome Autos zwingen Japaner zu Kooperationen

Von Barbara Odrich | 29. Mai 2015 | Ausgabe 22

Japans Regierung und Unternehmen sind sich einig: Zusammenarbeit ist nötig, um bei Zukunftsfeldern rund um das autonome Fahren aufzuholen. Die europäische Konkurrenz, das glaubt man in Nippons Land, hat beachtlichen Vorsprung.

BU autonome Autos Japan
Foto: Reuters/Yuya Shino

Winken erlaubt: Japans Regierungschef Shinzo Abe durfte schon 2013 in einem autonom fahrenden Nissan Platz nehmen. Damals herrschte noch großer Optimismus. Heute muss die japanische Automobilindustrie eine Aufholjagd starten.

Das Rennen bei der Entwicklung selbstfahrender Autos, bei dem weltweit Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen beteiligt sind, schürt in Japan inzwischen Ängste. Nippon hat starke Befürchtungen, dass die Autohersteller des Landes in diesem Markt den Anschluss verlieren und die Autoindustrie ein ähnliches Schicksal wie die großen Elektronikkonzerne erleiden könnte.

Aus diesem Grund hat die Regierung in Tokio nun führende Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit dem Ziel an einen Tisch gebracht, die Kräfte bei der Entwicklung von Schlüsselkomponenten für fahrerlose Autos zu bündeln. Die drei großen japanischen Autohersteller Toyota, Nissan und Honda sowie die Elektronikunternehmen Panasonic und Hitachi sollen die Initiative angeregt haben. Aus der Wissenschaft kommt Unterstützung der Universitäten von Tokio und Nagoya. Nippon will damit vor allem der Entwicklung innovativer Elektroniksysteme massiv Schub geben. Eingebettet ist das Ganze in eine größer angelegte Wachstumsstrategie der japanischen Regierung, deren Einzelheiten im frühen Sommer vorgelegt werden sollen.

Die Bandbreite der Zusammenarbeit ist dabei groß. Im Vordergrund steht aber die Entwicklung hochwertiger Sensoren, die vielfältig in den autonomen Fahrzeugen eingesetzt werden sollen. Daneben wird an die Standardisierung der Software gedacht – mit dem Ziel, die Entwicklungskosten niedrig zu halten.

Die Regierung plant in diesem Zusammenhang auch neue Standards für eine intelligente Straßeninfrastruktur. Private und öffentliche Mittel in Höhe von 83 Mio. $ sollen für den Bau von Teststrecken bereitgestellt werden.

Bislang liegen die Japaner im Bereich von Fahrerassistenzsystemen zur Kollisionsvermeidung hinter ihren europäischen Rivalen. Dabei führte Toyota schon 2003 das erste von Denso entwickelte Radarsystem ein, mit dessen Hilfe Fahrer vor Kollisionen gewarnt werden können. Masahiro Akita, Analyst bei Credit Suisse in Tokio, hält es für unwahrscheinlich, dass Japan noch vor 2020 mit den europäischen Konkurrenten aufschließen wird. Laut einer Analyse der britischen Semicast Research haben die beiden deutschen Automobilzulieferer Continental und Bosch im Bereich Automobilelektronik gemeinsam einen Anteil von rund 40 % am Weltmarkt. Das zeigt, wie groß die Herausforderung für Japans Autohersteller und -zulieferer ist. Schon seit geraumer Zeit warnen Analysten: Je mehr Software im Auto Einzug halte, desto höher sei das Risiko für Toyota und andere japanische Autoproduzenten, bei der Entwicklung der notwendigen „disruptiven“ Technologien ins Hintertreffen zu geraten.

„Japans Elektronikindustrie, die jahrzehntelang vor allem auf ihre Produktionsstärken stolz war, verlor letztendlich ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das gleiche Schicksal könnte auch der Autoindustrie widerfahren, wenn sie sich nicht ändert“, erläutert Takaki Nakanishi, langjähriger Autoanalyst bei Merril Lynch und heute Leiter der japanischen Forschungsgruppe Japanese Automobiles Research.

Japan kann das Marktpotenzial für selbstfahrende Autos – ein Markt, der der Lux-Research-Gruppe zufolge bis 2030 einen Wert von rund 87 Mrd. $ erreichen soll – nicht ignorieren. „Einige japanische Autohersteller könnten sogar gezwungen werden, die wachsende Expertise von Google im Softwarebereich und bei HD-Daten für selbstfahrende Autos anzuzapfen, um im Rennen der fahrerlosen Autos Schritt halten zu können“, glaubt Egil Juliussen, Analyst bei IHS Automotive.

Nissan ist jüngst eine fünfjährige Kooperation mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa eingegangen, die sich auf autonome Fahrsysteme, netzwerkfähige Anwendungen, die Mensch-Maschine-Schnittstelle sowie die Analyse und Verifikation von Software konzentrieren soll.

„Diese Partnerschaft wird Nissans Entwicklung von sicherer, autonomer Fahrzeugtechnologie beschleunigen“, verkündete jüngst Carlos Ghosn, CEO von Renault-Nissan in Tokio.

Toyota hat vor wenigen Wochen eine neue Abteilung eingerichtet, die eine Strategie für „Connected Cars“ entwickeln soll. Das „BR Connected Strategy and Planning Department“ – BR steht für Business Reform – ist die Antwort des Herstellers auf die starke Verbindung der Elektronik mit Fahrzeugen. „Wir müssen die verschiedenen Technologien besser koordinieren“, sagt Ryo Sakai aus der Konzernführung von Toyota. Auf der Suche nach neuen Technologien für das autonome Fahren stellt Toyota inzwischen verstärkt in Europa Personal ein. Der Konzern zapft aber auch die Expertise von Start-ups im Silicon Valley an. „Am besten bauen wir diese Techniken in der Gruppe auf, aber wir müssen uns auch anderweitig umschauen“, sagt Ken Koibuchi, zuständig für Intelligent Vehicle Development bei Toyota.

Der Elektronikkonzern Sony legt das Augenmerk inzwischen verstärkt auf den Markt für autonome Fahrzeuge und den Einsatz der selbst entwickelten Bildsensoren. Sonys Marktanteil bei Cmos-Sensoren liegt derzeit bei knapp 40 %. Kürzlich beteiligte sich Sony an einem japanischen Start-up für Roboter-Autos. „Wir erwarten, dass die Nachfrage für Bildsensoren in der Autoindustrie von 2017 an nennenswert steigen wird“, erläutert Shigeo Ohba, Leiter des Image-Sensor-Bereichs.  Die dürften dann auch im jüngsten Projekt eine entscheidende Rolle spielen: Sony beteiligt sich mit Partnern aus der IT-Industrie an der Entwicklung von Sensoren für fahrerlose Taxis.