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Mittwoch, 24. Januar 2018

Displays

Bildschirm ersetzt künftig Tastatur und Maus

Von Werner Schulz | 2. Juli 2010 | Ausgabe 26

Bei den Bildschirmen für Computer wie für Geräte der Unterhaltungselektronik bahnt sich ein Funktionswandel an. Sie mutieren vom Anzeigepanel für Text, Grafik und Video mit begrenzter Manipulationsmöglichkeit der Inhalte per Maus und Touch-Button zum interaktiven Ein- und Ausgabemedium.

Das Display der Zukunft verfügt über sensorische Funktionen: Es reagiert nicht nur auf das gezielte lokale Berühren von Bildschirmobjekten. Es bietet haptisches Feedback. Bei Gaming-Konsolen, Smartphones und der Joystick-Steuerung von Luxusautomobilen ist das bereits etabliert.

Mehr noch: Das Display der Zukunft erkennt mit integrierten Kameras auch die Gestik des Benutzers als Steuersignal. Ohne direkte Berührung: Eine neue Art von Fernbedienung, ohne das lästige, immer verlegte Kästchen mit den vielen Knöpfen. Auch das ist beim Videogaming bereits erkennbar. Als Ziel gilt die intuitiv bewegungsgesteuerte Kommunikation zwischen Benutzer und Gerät als totale sensorische "Immersion" in die virtuelle Datenwelt.

Auf der Konferenz DisplayWeek 2010 des US-Verbandes SID (Society for Information Display) in Seattle – sie gilt als alljährliche weltweite Vorausschau zentraler Themen der Display-Entwicklung – war der Fokus auf Touch und Multitouch als innovativem Mehrwert für die Datenkommunikation unübersehbar.

Vor allem Apples iPhone und iPad sowie Microsoft (mit der bislang kaum marktgängige Integration von Multitouch in Windows 7), haben das unglamouröse Dahinvegetieren der Berührungssteuerung in Bankterminals und Fahrkartenautomaten ins Rampenlicht avantgardistischer Applikationen gehievt. Denn die Smartphones und Tablets unterschiedlicher Formfaktoren haben keinen Platz für mechanische Tastaturen. Selbst die Maus stirbt aus.

Touch bringt eine neue Dynamik in die stark konsolidierte Display-Industrie, sagt Jennifer Colegrove vom US-Marktforscher Displaysearch: "Der Touchscreen-Markt besteht aus 170 Lieferanten, und die zehn führenden Anbieter haben weniger als 50 % Marktanteil."

Touch-Anwendungen in Mobiltelefonen, so Colegrove, werden bis 2015 den größten Anteil in Stückzahlen und Umsätzen verbuchen, mit einer Marktdurchdringung von 40 %. Mehr als zehn Touch-Technologien wetteifern um die Gunst der Anwender – wobei nur die resistiven (mehr als 60 Anbieter) und kapazitiven (etwa 50 Anbieter) Anwendungen in der mobilen Datenwelt gefunden haben.

Insbesondere die kapazitive Berührungssensorik hat mit ihrer "projected capacitive"-Variante im iPhone einen starken Aufschwung gegenüber dem resistiven Prinzip genommen. "Pro-cap" ermöglicht unbegrenzte gleichzeitige Berührungen bei guter Transparenz und Verkapselung der kapazitiven, durch einen Dünnfilm getrennten Layer. Allerdings basiert Pro-cap auf der Kapazitätsmessung des menschlichen Körpers, also des berührenden Fingers, gegenüber dem Erdpotenzial. Das sind einige wenige Femtofarad – empfindlich gegen elektromagnetische Störfelder. Abschirmungen sind nötig, insbesondere bei LCD-Schirmen. Außerdem, sagt Gary Barrett von Touch International, sei das kapazitive Prinzip derzeit dreimal so teuer wie das analog-resistive.

Große F&E-Hoffnungen richten die LCD-Hersteller – im Wettlauf mit den Oled-Diplays (organische Leuchtdioden) – derzeit auf das Prinzip des "in-cell Touch". Das bedeutet: Integration eines Berührungssensors in oder auf jeden einzelnen Pixel. Gemessen wird entweder optisch (Phototransistor), mit integriertem Mikroschalter (Spannungsabtastung) oder kapazitiv (Ladungsmessung). Die erste kommerzielle Anwendung von in-cell Touch ist in einem Netbook von Sharp realisiert. Allerdings nicht im Schirm, sondern im relativ kleinen Touchpad vor der Tastatur.

Wohin der Markt geht, hängt davon ab, welche stationären und mobilen Datengeräte sich gegen iPhone und iPad durchsetzen. Da läuft eine Welle von Innovationen an, die Ende des Jahres sichtbar werden wird.

Das ist aber kaum technologiegetrieben, sagt Steve Sedaker vom langjährigen Touch- und Pen-Pionier Wacom: "Die Leute wollen interessante Erfahrungen." Vorzeigbares Nutzer-Prestige, attraktive Inhalte. Wie schafft man das? In geschickter Kombination von Displayformat, Prozessoren, Batterielaufzeit und Touch. Mit haptischem Feedback, und mit Texteingabe per Stift, statt mit dem Finger.

Sedaker: "Das iPad braucht einen Stift." Das gilt vor allem für die Erstellung von Textinhalten. Kommt die Wiederkehr des lange vergessenen Pen-Computing? Diesmal komfortabler und präziser mit haptischem Feedback: Emulation der rauen Papieroberfläche durch virtuelle Texturen auf dem glatten Glas des Displays. WERNER SCHULZ

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