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Mittwoch, 20. Februar 2019

Chronobiologie

Blaues Licht macht leistungsfähiger

Von Renate Ell | 6. Januar 2012 | Ausgabe 1

Die Sonne ist der Taktgeber für die innere Uhr. Allerdings lässt sich diese auch überlisten – mit der richtigen Lampe. Entscheidend ist die Lichtfarbe: Tageslicht enthält einen starken Blauanteil.

"Studien haben gezeigt, dass sich Arbeitnehmer in Büros mit blaulichtangereichertem Weißlicht leistungsfähiger und wacher fühlen, dass sie auch in der Nacht drauf besser schlafen", berichtet die Psychologin Vivien Bromundt vom Zentrum für Chronobiologie der Universitären Psychiatrische Kliniken in Basel.

Offenbar wirkt das bläuliche Licht positiv auf die innere Uhr. Wobei viele Frauen dieses Licht subjektiv nicht als angenehm empfinden, während für die allermeisten Männern die Lichtfarbe keine große Rolle spielt.

Eine positive Wirkung zeigte sich auch bei Experimenten mit verschiedenen Computerbildschirmen. Probanden an LED-Bildschirmen schnitten bei Aufmerksamkeitstests am besten ab und fühlten sich wacher als die Probanden an anderen Bildschirmen.

Wieder war die Lichtfarbe entscheidend: Die Beleuchtung von LED-Monitoren enthält einen zwei Drittel höheren Blaulichtanteil als die Vergleichsgeräte. Der Unterschied ließ sich auch chemisch nachweisen: Die Teilnehmer an den LED-Bildschirmen hatten weniger Melatonin im Speichel – also das Hormon, das unseren Schlaf fördert.

Manchen Menschen hilft aber auch ein höherer Blauanteil in der Beleuchtung nicht – sie leiden aufgrund des Lichtmangels unter einer Winterdepression. "Das ist eine Diagnose, die behandelt werden kann und sollte", sagt Bromundt.

Die Patienten brauchen nicht einmal Medikamente, ihnen helfen "Lichtduschen" unter speziellen Therapielampen mit hoher Lichtintensität. Das spezielle Licht wird inzwischen auch bei nicht saisonaler Depression erfolgreich eingesetzt, bei der ebenfalls oft die innere Uhr aus dem Rhythmus geräten.

Wer nur einfach im Winter morgens schwer aus dem Bett kommt, könnte es mit einem Lichtwecker probieren. Der lässt zum vorher eingestellten Zeitpunkt mit einer tageslichtähnlichen Lampe sozusagen im Schlafzimmer die Sonne aufgehen.

"Forschungsergebnisse zeigen, dass dieses Licht auch schon bei geschlossenen Augen durch die Lider wahrgenommen wird", weiß Bromundt. "Es hilft nicht allen Menschen, aber vielen erleichtert es den Start in den Tag."

Abends aber sollte das Licht wenig Blau enthalten. Dann wird es Zeit, dass die Zirbeldrüse durch die Ausschüttung von Melatonin den Schlaf vorbereitet. Um anderntags wieder fit zu sein – auch wenn es ein kurzer, düsterer Wintertag ist. RENATE ELL