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Donnerstag, 21. März 2019

Energietechnik

Branchen für Contracting und KWK setzen auf Energiewende

Von Robert Donnerbauer | 4. Mai 2012 | Ausgabe 18

Die Energiedienstleister – neudeutsch Contractoren – sehen sich als Impulsgeber für die Energiewende. Sie erschließen häufig Effizienzpotenziale von 20 % und mehr. Anlässlich der Hannover Messe beklagten sie jedoch eine Diskriminierung durch Gesetze und Richtlinien. Allgemein wurden für den Einsatz der effizienten Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) langfristig verlässlichere politische Rahmenbedingungen gefordert.

"Wir fühlen uns diskriminiert", brachte Jobst Klien, Vorstandsvorsitzender des Esco Forums im ZVEI, die Gefühlslage der dort organisierten Contractoren auf den Punkt. Gemeinsam mit dem B.KWK (Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung) informierte das Esco Forum auf der Hannover Messe über das Thema dezentrale Energieversorgung und die Bedeutung von Contracting (Energiedienstleistung) und KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) für die Energieeffizienz.

"In der Praxis heben wir als Energiedienstleister häufig Effizienzpotenziale von 20 % und mehr", betonte Klien, bei Hochtief verantwortlich für die Sparte Hochtief Energy. "Allerdings haben wir gerade in der jüngeren Zeit den Eindruck gewinnen müssen, dass der Erfolg der Energiedienstleister in Deutschland von der Politik durch Gesetzesänderungen und komplexe Vorschriften eher gebremst wird."

Der Markt für KWK-Anlagen mit mehr als 2 MW elektrischer Leistung könne angesichts eines harten Schnitts bei der Stromsteuerbefreiung wirtschaftlich nicht erschlossen werden. Und dies, obgleich Wärmeabnehmer insbesondere in der Industrie vorhanden seien.

"Die Technik ist in den letzten Jahren enorm vorangeschritten und auch die intelligente Steuerung der Aggregate schafft zusätzliche Effizienzgewinne", ergänzte Marcus Bort, mit Klien Co-Chef des Esco Forums und Sprecher der Geschäftsführung der EnBW Energy Solutions. Ob Blockheizkraftwerke oder Kälte- und Drucklufterzeugung, gerade die kleinen Leistungsklassen seien inzwischen hoch effizient und sehr gut in Konzepte zur verlässlichen Kundenversorgung integrierbar.

Bort setzt auf Anreize statt auf starre Vorgaben. "Effizienz muss vom Kunden über dessen ökologische, ökonomische Zielsetzungen kommen und kann nicht von außen aufgezwungen werden. Anders funktioniert das nicht." Nach wie vor führend sei das klassische Energieliefer-Contracting. Der Contractor bietet dabei die gesamte Wertschöpfung an, der Kunde entrichtet für die gelieferte Nutzenergie einen Grundpreis für die Fixkosten und einen Arbeitspreis für die variablen Anteile. An Bedeutung gewinne das Einspar-Contracting, bei dem die Investition über die erzielten Einsparungen rückvergütet wird.

Markthemmend sei, dass sich der Kunde in einem Dschungel aus unsicheren Rahmenvorgaben und sich schnell ändernden Gesetzen befinde, erläuterte Bort. "Der häufigste Grund, weshalb ein Projekt nicht zustande kommt, ist das ‚Abwarten‘ auf Kundenseite, mit dem Ergebnis, dass die für das Gelingen der Energiewende erforderlichen Erneuerungen ausbleiben."

"Die Energiewende ist eine große Chance für die KWK", betonte Wulf Binde, Geschäftsstellenleiter des B.KWK. So seien KWK-Anlagen der geborene Partner der fluktuierenden erneuerbaren Energien. Doch müssten sie flexibler werden. "Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass KWK-Anlagen im Jahr 5000 h bis 7000 h, bestimmt durch den Wärmebedarf, durchlaufen können. Wenn sich die KWK-Anlagen am Regel- und Ausgleichenergiemarkt beteiligen wollen, dann müssen sie so konzipiert sein, dass sie sowohl kurzfristig Strom liefern als auch kurzfristig vom Netz gehen können."

Dies bedeute auch, dass größere Wärmespeicheranlagen integriert werden müssen. "Hier spricht man fälschlicherweise von stromgeführten Fahrweisen – genauer wäre eine stromorientierte Fahrweise", bemerkte Binde. "Denn die einsetzbare Nutzwärme ist immer die zweite wichtige Führungsgröße. Wenn der Wärmespeicher geladen ist, muss die KWK-Anlage abschalten, auch wenn im Markt Strombedarf besteht."

Der in Deutschland mittelfristig erreichbare KWK-Stromanteil liegt bei über 50 %, zitierte Berthold Müller-Urlaub, Präsident des B.KWK und Vorstandschef der Energiegemeinschaft Halle/Saale, eine Studie des Bremer Energie Instituts und des DLR.

Doch während der 50 %-Anteil in Dänemark schon erreicht ist und in den Niederlanden, Finnland und Lettland bei 30 % bis 40 % liegt, sei hierzulande sogar das Ausbauziel von 25 % bis zum Jahr 2020 gefährdet. "Für viele Smart-Grid-Experten in Deutschland ist Dänemark auch gerade wegen des hohen, flexibel nutzbaren KWK-Anteils im Gesamtversorgungssystem ein Benchmark für die Weiterentwicklung des deutschen Energieversorgungssystems."

  ROBERT DONNERBAUER