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Sonntag, 20. Januar 2019

Plagiatschutz

Breitseite für Produktpiraten

Von kur | 25. April 2014 | Ausgabe 17

Eine Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zeigt: Produktpiraten sind auf Rekordkurs. Auf der Hannover Messe 2014 wurden aber auch neue, effektive Technologien für Produkt- und Know-how-Schutz vorgestellt.

Markerschicht auf Kolben
Foto: Polysecure

Doppelfunktion: Die Markerschicht auf diesem Kolben dient der Authentifikation und zeigt Verschleiß auf.

Während in Somalia Piraterie auf See im klassischen Stil wieder aufblüht, kämpft die deutsche Industrie mit einer neuen Gegner an Land: Produktpiraten kapern ungeschützte Maschinen- und Anlagentechnologien und verkaufen dann Plagiate.

Denn wie die siebte Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt zur Produktpiraterie zeigt, wird das Know-how der Mitgliedsunternehmen öfter gekapert denn je: 71 % von 337 befragten Unternehmen klagten über Piraterievorfälle. Dadurch seien geschätzt 7,9 Mrd. € an jährlichen, wirtschaftlichen Schäden entstanden, so der VDMA in Hannover.

Um hier gegenzuhalten, hat sich im VDMA die Arbeitsgemeinschaft "Protect-ing" gegründet. Sie vertritt 41 Anbieter von Technologien zum Produkt- und Know-how-Schutz und soll Anlaufstelle für Opfer von Plagiarismus, Industriespionage und Know-how-Diebstahl sein. "Wir haben in unserer Umfrage festgestellt, dass viele Unternehmen entsprechende Maßnahmen zwar kennen, aber wenige sie genutzt haben", sagt Steffen Zimmermann, Geschäftsführer des VDMA-Projekts. Etwa die Hälfte der Unternehmer mache die Erfahrung, dass gleich komplette Maschinen kopiert werden. Am häufigsten plagiierten Produktpiraten aber Komponenten.

In diesem Bereich ist Polysecure, Freiburg, aktiv und präsentierte eine Markerlösung für metallische Bauteile, die sowohl in die Fertigung integriert als auch bei der Nutzung von Produkten ihre Vorteile ausspielt: "Die Tropfen enthalten unsere kompletten Materialmarker und können in fast jedes Material eingebracht werden", betont Marketingchef Peter Hensle. Dank seiner Hitzebeständigkeit komme der Marker auch in den Motoren eines Sportwagenherstellers zum Einsatz, wo er im Kolbenbereich als Verschleißindikator dient.

Sicherheitsanbieter U-Nica aus Malans in der Schweiz setzt mit der "Scryptotrace"-Technologie auf Einfachheit. Sie verändert zur Authentifizierung von Originalprodukten kleine, für Menschen unsichtbare Details in Produktetiketten. "Eine Kamera-App kann anhand von mikroskopisch kleinen Teilchen sofort verifizieren, ob das Produkt echt oder falsch ist", sagt Joern Gebert, Verkaufsleiter für Europa, den Mittleren Osten und Afrika.

Die Forscher am Fraunhofer Institut für angewandte und integrierte Sicherheit (AISEC) in München wiederum wollen Plagiate von vornherein ausschließen: Sie überziehen Platinen mit einer Schutzfolie, die schon bei einem Nadelstich reagiert. So lässt sich auch die Firmware von Steuerungen abschotten: "Der kryptografische Schlüssel, um das System lauffähig zu machen, kann nur rekonstruiert werden, wenn die Folie unbeschädigt ist", so Fraunhofer-AISEC-Mitarbeiter Vincent Immler.

Sollte Know-how bereits entwendet sein, helfen in der Regel nur noch rechtliche Schritte. "Ein Schutzrecht gilt aber nur in dem Land, in dem es angemeldet und eingetragen ist", betont Patentanwalt Patrick Erk in Hamburg. Daher sollten Hersteller genau überlegen, in welchen Märkten sich Schutzrechte lohnen. Und: "China hat mittlerweile ein hochentwickeltes System des gewerblichen Rechtsschutzes. Hier bestehen durchaus gute Chancen, die gewerblichen Schutzrechte durchzusetzen." kur