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Dienstag, 23. Januar 2018

Cloud-Computing

Broker für die Cloud

Von Sven Hansel | 5. September 2014 | Ausgabe 36

Die Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten mit ungleichen Vertragsbedingungen, Laufzeiten und Funktionen erhöht für mittelständische Unternehmen die Komplexität bei der Beschaffung von Cloud Services. Viele Entscheider verlieren da den Überblick. Hier hilft der Cloud-Service-Broker.

Unter Cloud Brokerage versteht man eine Art Warenterminbörse für digitale Güter, primär für Großunternehmen und Konzerne. Prinzip: Ein Unternehmen meldet Bedarf an und schreibt dann auf einem Marktplatz vorrangig standardisierte Cloudkapazitäten aus. Ziel ist, diese flexibel und bedarfsgerecht einzukaufen, etwa für erwartete Lastspitzen wie einen Konzernabschluss oder ein saisonales Geschäft. Ingenieurgetriebene Unternehmen beispielsweise können so groß angelegte Simulationen verwirklichen, ohne gleich massiv in neue Serverkapazitäten investieren zu müssen.

Bekanntestes Beispiel dieser Idee ist die Deutsche Börse Cloud Exchange (DBCE), ein nach eigenen Angaben anbieterneutraler Marktplatz für Cloud-Ressourcen. DBCE ist ein Tochterunternehmen der Gruppe Deutsche Börse und wurde im Mai 2013 gegründet. Partner des Portals sind unter anderem IT-Schwergewichte wie HP, EMC und Hitachi.

Ein ähnliches Modell, das auch für mittelständische Unternehmen sehr interessant ist, ist das des Cloud-Service-Broker. „Diese Art Broker vermitteln zwischen Cloud-Anbieter und Anwenderunternehmen. Sie sind quasi eine strategische Vermittlungsinstanz, die die Selektion und Bündelung von einzelnen Lösungen übernimmt“, erläutert Axel Oppermann, Chefanalyst von Avispador, das Geschäftsmodell. Das heißt, Cloud Broker führen unterschiedliche Vertragsmodelle, Technologien und Infrastrukturen zusammen.

„Hierdurch entstehen Lösungen, die es mittelständischen Unternehmen erlauben, schnell und konsolidiert Cloud-Lösungen einzuführen“, so Oppermann. Der Service Broker ist demnach ein Berater, der dafür sorgt, dass sich der Mittelständler keinen Cloud-IT-Zoo besorgt, sondern eine für ihn passende Infrastruktur und die für ihn richtigen Applikationen.

Nach Oppermanns Dafürhalten profitieren von Cloud-Service-Brokern insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, da in diesen Unternehmensgrößen das notwendige Cloud-Wissen oftmals nicht vorhanden sei. Stattdessen könnten sie auf diesem Wege schnell Lösungen einführen und die unterschiedlichen Cloud-Services würden zu unternehmensspezifischen Lösungen vereinigt.

„Es kann so weit gehen, dass jedes Unternehmen – oder sogar jeder Mitarbeiter – seine eigene Cuvée, seine spezifische Melange an Cloud-Lösungen erhält“, so der Analyst über die Möglichkeiten, die der Service bietet. Weitere Vorteile aus Oppermanns Sicht: Das IT-Management wird über standardisierte Plattformen abgebildet, Kostenoptimierung tritt ein, die Mitarbeiter bekommen IT nicht nach der Gießkannenmethode sondern bedarfsgerecht.

Nach Untersuchungen von Gartner werden bereits im Laufe des Jahres 2015 mindestens 20% aller Clouddienste in Unternehmen über interne oder externe Cloud Service Brokerdienste abgerufen. Heute sind es gerade einmal 5 %, so die Analysten. Dabei, so stellen es die Analysten von IDC dar, wird auch der internen IT-Abteilung immer mehr die Rolle des Brokers zuteil: „Für IT-Organisation bedeutet die stärkere Nutzung von Cloud-Services ein verändertes Aufgabenspektrum. Ihr kommt zunehmend die Rolle eines Vermittlers und Managers von IT-Services („IT Service Brokers“) zu, der Fachbereiche mit intern erbrachten als auch extern bezogenen Dienstleistungen versorgt“, so IDC.

„Dies wird in den kommenden Jahren für viele IT-Organisationen ein Paradigmenwechsel darstellen“, so Mark Alexander Schulte, Consultant und Projektleiter bei IDC, „denn der Tätigkeitsschwerpunkt wird sich in Richtung Vermittlung von IT-Services verschieben.“

Aber auch extern wächst das Geschäft. Bereits jetzt haben Anbieter wie die Deutsche Telekom, das Systemhaus Fritz Macziol und weitere Distributoren unterschiedliche Service und Beratungsleistungen entwickelt, die es ermöglichen, Lösungen bereitzustellen und Cloud Services zu konsumieren. Oppermann: „Diese Anbieter analysieren die IT im Unternehmen, bieten Konsolidierungskonzepte an und organisieren die Migration. Sie bieten quasi ein Rundum-Sorglos-Paket an.“

Allerdings sieht der Experte auch Gefahren dieses Modells: „Bei allen Vorteilen, die ein Cloud Broker bietet, entsteht auch eine große Abhängigkeit. Durch die gebündelten und verzahnten Vertragskonstruktionen wird ein Anbieterwechsel auf Ebene des Brokers erschwert.“ Oppermann rät deshalb bei der Auswahl von Cloud Brokern nicht nur auf den Preis zu achten, sondern besonders auch auf die wirtschaftliche Stärke des Brokers. Sein Fazit: „Die Serviceversprechen des Brokers müssen abgesichert sein.“

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