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Samstag, 20. Januar 2018

Datenanalyse

Business Intelligence erreicht den Mittelstand nur sehr zögerlich

Von Ariane Rüdiger | 13. September 2013 | Ausgabe 37

Der Markt für Software zur Datenanalyse (Business-Intelligence, BI) wächst erheblich stärker als der Softwaremarkt im Allgemeinen. Doch es ist schwer, gerade Mittelständler zum Einstieg in umfassendere, komplexe BI-Lösungen zu ermuntern.

Mit 11,2 % wuchs 2012 der in Deutschland bilanzierte Umsatz von 22 Unternehmen, die Daten zur jährlichen Lünendonk-Studie über den deutschen BI-Markt beitrugen, mehr als doppelt so stark wie der deutsche Softwaremarkt. Dieser legte um 5,1 % zu.

Die Studie erfasst Anbieter, die mehr als die Hälfte ihrer Umsätze in Deutschland mit eigener BI-Software erwirtschaften. Die Zahl der Verkäufe an deutsche Kunden wuchs dabei im Schnitt um 8,4 %, entsprechend stärker legten die Auslandsumsätze zu. Die Umsätze der befragten Unternehmen summierten sich auf 441,4 Mio. € gegenüber 406,8 Mio. € im vergangenen Jahr.

Der gesamte deutsche BI-Markt umfasste 2012 1,2 Mrd. €. Das zeigt einerseits, dass Allrounder wie SAP, Oracle und IBM mehr als die Hälfte des Marktvolumens für sich vereinnahmen, andererseits belegt es, dass der deutsche BI-Markt nach wie vor sehr wenig konsolidiert ist.

Zwei Themen werden in Zukunft wohl kräftig zulegen: Business Analytics, worunter hier im Gegensatz zu BI die zukunftsgerichtete Analyse von Daten verstanden wird, und Business Process Management (BPM), also die Steuerung und Verbesserung von Geschäftsprozessen. Für ersteres erwarten fast alle der Befragten in nächster Zeit verstärkte Nachfrage, für BPM immerhin 49,5 %.

Im Bereich Business Analytics sehen die Anbieter auch die großen Herausforderungen der kommenden drei Jahre. Sie liegen in der Konzeption und Integration analytischer Teillösungen für die Auswertung komplexer, großer Datenmengen, der Zunahme externer Daten und der Datenmengen im Allgemeinen, in Echtzeitanforderungen der Fachabteilungen und einem Mangel an Analysespezialisten.

Wie unterschiedlich die individuelle Sicht von BI-Marktteilnehmern aussehen kann, zeigte sich während der Präsentation der Lünendonk-Daten an den Beispielen SAS und CP Corporate Planning. SAS, Nummer eins der Anbieter, für die BI das Kerngeschäft ist, wuchs 2012 von 128 Mio. € auf 134,6 Mio. € Umsatz in Deutschland und von 500 auf 546 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist in neuen, vielversprechenden Geschäftsfeldern bereits gut unterwegs. SAS-Manager Dirk Mahnkopf: "Rund die Hälfte unserer Projekte hat bereits einen Big-Data-Anteil, auch wenn es sich häufig nur um kleinere Testimplementierungen handelt." Technologisch setzt SAS auf In-Memory-Computing. Man werde vermehrt Analysesoftware mitsamt aller Daten direkt in den Speicher laden und so noch schneller werden, erklärt Mahnkopf. Als Beispiel einer gelungenen Big-Data-Anwendung führt er Fraport an, wo man mittels prädiktiver Analytik Warteschlangen und Staus in den Abfertigungshallen des Frankfurter Flughafens vermindert.

CP Corporate Planning, Nummer zehn der Liste, gehört zu den drei befragten Unternehmen, deren Umsatz im Jahr 2012 geringfügig sank . Ein Grund ist die mittelfristige Neuausrichtung der Produktpalette, die im Markt noch nicht den gewünschten Widerhall findet. "Wir wollen weg von den Modullösungen für die Fachabteilung und hin zu ganzheitlichen Lösungen, die den strategischen Aspekt widerspiegeln", erklärt Peter Sinn, Geschäftsführer des Unternehmens. Außerdem würden Kunden vermehrt mieten statt kaufen, was zwar regelmäßige, aber zunächst geringere Einkünfte bedeute. Einen mittelfristigen Trend zu "Software as a Service" bestätigt auch die Lünendonk-Befragung: Rund 60 % erwarten, dass hier die Nachfrage steigt.

Grundsätzlich scheint auch die Ausrichtung aufs Strategische nicht verkehrt zu sein, denn neben der vermehrten mobilen Nutzung von BI-Applikationen ist es ein wichtiger Zukunftstrend, dass BI-Projekte zukünftig häufiger von Fachbereich und IT gemeinsam durchgeführt werden. Die wichtigsten Fachthemen, denen man mithilfe von BI zu Leibe rückt, sind das Finanzwesen (28 %), die Unternehmenssteuerung (19,1 %) und der Vertrieb (15,5 %).

Rund 55 % der Umsätze der BI-Anbieter stammen von Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern. Unternehmen unter 249 Mitarbeiter tragen dagegen nur 11,2 % und damit noch 0,4 Prozentpunkte weniger als 2011 zu den Umsätzen bei. Da es viel mehr kleine als große Unternehmen gibt, lässt das den Schluss zu, dass der Mittelstand noch immer nicht auf den BI-Zug aufgesprungen ist. Anscheinend tun es weithin die selbst gebauten Excel-Tabellen.

Warum eine andere Anwendergruppe, nämlich die deutschen Steuerbehörden, nur zögerlich an den Einsatz von BI-Werkzeugen herangeht, bleibt rätselhaft. SAS-Manager Mahnkopf: "In Belgien werden BI-Tools zur Ermittlung von Umsatzsteuerbetrügereien bereits mit großem Erfolg eingesetzt." Der deutsche Fiskus kauft anscheinend lieber Datendisks auf dem Schwarzmarkt, als in Softwareprodukte zu investieren. 
  ARIANE RÜDIGER

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