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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Gas

China: Bürokratie verhindert Schiefergasboom

Von Katharina Otzen | 14. Februar 2014 | Ausgabe 7

Die Volksrepublik China könnte mehr Reserven an Gas und Öl in unkonventionellen Lagerstätten besitzen als jedes andere Land der Welt. Aber bisher bleibt dort der Schiefergasboom noch aus.

Gasförderung in China
Foto: rtr

Gasförderung in China: Die Reserven an Schiefergas sind groß, die Förderung lahmt.

Geologen schätzen die Vorräte an unkonventionellen Lagerstätten für Öl und Gas in China mindestens so hoch ein wie jene in Nordamerika, also in Kanada und den Vereinigten Staaten, zusammengenommen. Westliche Energiekonzerne und Unternehmen aus deren vor- und nachgelagerten Branchen zieht es nun scharenweise nach China.

China zu helfen, die Schiefergas-reserven zu entwickeln, nütze gerade auch den USA, ist David Sandalow überzeugt. Er war bis vor Kurzem noch als stellvertretender US-Energieminister für auswärtige Angelegenheiten zuständig und leitet heute das Zentrum für globale Energiepolitik der Columbia-Universität.

Allerdings sind nicht alle in China aktiven amerikanischen Unternehmen von den Vorteilen für die USA überzeugt. Einige haben sich schlicht geweigert, den Chinesen auf Anfrage das Rezept für den zum kurz Fracking genannten Hydraulic Fracturing nötigen Mix von Wasser, Sand und bis zu maximal 2 % Chemikalien zu verkaufen. Sie fürchten, sich damit nur billigere chinesische Konkurrenz heranzuziehen.

Schlumberger, das größte Ölservice-Unternehmen der Welt, teilt solche Sorgen nicht, sondern verfügt inzwischen in Beijing sogar über ein eigenes Forschungszentrum und seit vorigem Jahr auch über ein Labor in Chengdu.

Die schottische Weir-Gruppe, ein Produzent von Pumpen, wie sie für das Fracking nötig sind, ist in China ebenfalls sehr aktiv. Keith Cochrane, der Vorstandschef von Weir, betont, dass es "noch sehr lange dauert, bis China beim Schiefergas die USA einholt".

Er äußert aber keinerlei Zweifel, dass die chinesische Führung den Weg zum Schiefergas ernst meint. Davon sind auch die Ölkonzerne ExxonMobil, Chevron und ConocoPhillips aus den USA sowie Eni, Royal Dutch Shell und Total aus Europa überzeugt. Sie sind deshalb ebenso in China präsent wie neben Schlumberger auch Baker Hughes and
Weatherford sowie Halliburton als Serviceunternehmen.

Trotz dieses geballten Know-how ist der Fortschritt in China bisher denkbar schleppend. Offiziell hält das Land zwar noch an der Prognose fest, 2015 bereits 6,5 Mrd. m3 Schiefergas fördern zu können und dies bis 2020 auf zwischen 60 Mrd. m3 und 100 Mrd. m3 pro Jahr zu steigern. Doch Fachleute zweifeln daran.

Die Royal Dutch Shell, die 1 Mrd. $ an Investitionen für Schiefergas in China vorgemerkt hat, warnt jetzt, dass die "bedeutenden Entwicklungen von Schiefergas außerhalb von Nordamerika noch Jahre brauchen".

Jüngste Erfolge, wie der von Sinopec, der zweitgrößten staatlichen chinesischen Öl- und Gasgruppe, mit der Förderung von Schiefergas im Sichuan-Becken ändern nichts an den vielen Schwierigkeiten. Während sich in den US-Bundesstaaten North Dakota oder Pennsylvania Schiefergas schon in 1 km Tiefe findet, lagert das Gas in China häufig mehr als 3 km tief. Im Tarim-Becken begrenzt Wassermangel die Fördermethode.

Zudem fehlt China weitgehend die nötige Transportinfrastruktur: Es ist kein dichtes Netz von Pipelines vorhanden. Selbst für verflüssigtes Schiefergas, Liquefied Natural Gas (LNG), mangelt es zum Transport an geeigneten Straßen und Schienenwegen.

Noch schwerer wiegen in China strukturelle Schwächen. Anders als in den USA, wo die Entwicklung des Schiefergasbooms auf privaten kleinen und mittelgroßen Firmen basierte, hängt in China alles an den beiden Staatskonzernen CNPC und Sinopec. Mit ihnen haben alle ausländischen Konzerne ihre China-Verträge verhandelt und sehen sich jetzt mit der chinesischen Bürokratie konfrontiert.

Ungeduldig hat Beijing in der zweiten Runde zur Vergabe von Schiefergas-Förderrechten auch andere chinesische Unternehmen zugelassen. Doch die Stahlkocher, Energieversorger und Kohleförderer, die Schiefergaslizenzen ergattert haben, stoßen auf Finanzierungsprobleme und große Schwierigkeiten, die nötigen Dienstleister anzuheuern. Denn die ausländischen Unternehmen sind ihnen entweder zu teuer oder wollen über bisher in China noch nicht erlaubte Beteiligungen mit einsteigen.

Die relativ wenigen chinesischen Servicefirmen gehören ausnahmslos den großen Staatskonzernen und nehmen keine Aufträge von Dritten an.

Die Transportfrage ist für diese Newcomer noch schwieriger zu lösen, weil die ohnehin nur wenigen Pipelines wiederum Sinopec, CNPC oder deren Tochter Petrochina gehören. Noch hat überdies Beijing Schiefergas nicht zur vorrangigen wirtschaftlichen Aufgabe erklärt, so dass vorerst alles nur im zentralistischen Schneckentempo weitergeht. KATHARINA OTZEN

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