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Mittwoch, 24. Januar 2018

Solar

China weiter auf dem Vormarsch in Sachen Solar

Von Gw. Hans-Christoph Neidlein | 6. Juni 2014 | Ausgabe 23

Der chinesische Photovoltaikmarkt expandiert weiter. Trotz Anlaufproblemen bei einem neuen Programm für eine dezentralere Erzeugung wird für 2014 mit einem Zubau neuer Solarstromanlagen von bis zu 14 GW gerechnet. Zunehmend drängen chinesische Maschinenbauer und Wechselrichterhersteller in den Markt und stehen dort in Konkurrenz zu den technologisch führenden deutschen Herstellern.

Solardachanlagen in China
Foto: Imago/Xinhua/Li Ziheng

Solardachanlagen in China: Das Land will Projekte auf Industriedächern fördern und die Eigenstromerzeugung erhöhen.

Bereits Mitte Mai erhöhte die chinesische Zentralregierung in Peking die Ausbauziele für die Photovoltaik deutlich. Bis 2017 soll die installierte Solarstromleistung in China auf 70 GW wachsen, wie die Nationale Reform- und Entwicklungskommission (NDRC) bekannt gab. Bislang lag das Ziel für 2020 nach dem 13. Fünfjahresplan bei 50 GW.

Peking setzt zudem verstärkt auf eine verbrauchsnähere und dezentralere Solarstromerzeugung im dicht besiedelten Osten des Landes. Bisher wurden vor allem große Solarparks im wenig besiedelten Westen des Landes gebaut.

Von dem anvisierten Zubau von 14 GW an neuen Photovoltaikanlagen in diesem Jahr sollen im Rahmen eines neuen Programms für "Distributed Photovoltic Systems" 8 GW vor allem auf Fabrikdächern im Osten des Landes installiert werden. Vorrang hat der Eigenverbrauch des Solarstroms.

Für die gesamte produzierte Elektrizität bekommt der Anlagenbetreiber eine Grundvergütung von 0,42 RMB/kWh (ca. 0,05 €/kWh). Den überschüssigen Solarstrom kann er dann zusätzlich an den Netzbetreiber oder Dritte verkaufen.

Einen Anreiz für die Anlageninstallation auf gewerblichen Dächern bieten vor allem auch die hohen chinesischen Industriestrompreise in Regionen wie Shanghai von bis zu 1 RMB/kWh (ca. 0,12 €/kWh). Haushaltsstrom kostet in China meist nur die Hälfte dessen. Zudem wird der Industriestrom – im Gegensatz zu Haushaltsstrom – in Spitzenlastzeiten immer wieder mal abgeschaltet.

Doch gibt es noch erhebliche Anlaufschwierigkeiten beim neuen Programm. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden nur Dachanlagen mit 188 MW Nennleistung installiert, wie SHI Dinghuan, Chairman of Chi-
nese Renewable Energy Society (CRES), bei der Eröffnung der chinesischen Solarmesse SNEC PV Power Expo, die vorletzte Woche in Shanghai stattfand, einräumen musste.

Frank Haugwitz, Direktor der Asia Europe Clean Energy Advisory (AECEA), wies auf eine ganze Reihe von Hürden hin. So seien in vielen Fällen die Eigentumsverhältnisse privater Dächer unklar.

Viele gewerbliche Dächer seien nicht auf zusätzliche Lasten ausgelegt es fehlten Verteilzähler und es gebe keine einheitlichen Standards für die Genehmigung, erklärte Haugwitz. Zudem sei die Investitionsfinanzierung oft schwierig. Dennoch ist Haugwitz optimistisch, dass diese Anlaufprobleme innerhalb der kommenden Monate bald überwunden werden können.

Ähnlich sieht dies Solarmarktexperte Ash Sharma vom Marktforscher IHS: "Wir rechnen damit, dass die Nationale Reformkommission bald nachsteuert und die Umsetzung des neuen Programms ab Juli verbessert wird, vor allem was die Finanzierung betrifft." Sharma erwartet deshalb, dass die diesjährigen Ausbauziele für die Photovoltaik in China weitestgehend erreicht werden können und eventuelle Anlaufdefizite bei neuen Dachanlagen durch einen stärkeren Zubau großer Solarparks kompensiert werden.

Offensichtlich war bei der SNEC die im Vergleich zum Vorjahr stärkere Präsenz chinesischer Maschinenbauunternehmen. Mit Ausnahme von Robotern, Lasern und Vakuum-
beschichtungsöfen bieten sie inzwischen fast die gesamte Palette an Produktionstechnologien an. Deutsche Maschinenbauer, die für die Photovoltaikherstellung liefern und bisher einen Großteil ihres Geschäfts in China machen, dürfte damit ein noch härterer Wind entgegenwehen.

Auch chinesische Wechselrichterhersteller waren stärker vertreten als im Vorjahr. So stellte Sungrow seinen neuen 3-Phasen-String-Wechselrichter S6 50/60 KTL mit einem Wirkungsgrad von 99 % vor. Wechselrichter mit einer Leistung von 4,7 GW möchte das chinesische Unternehmen in diesem Jahr verkaufen, sagte Vice President Zheng Guibiao. 2013 waren es noch 3,85 GW. HANS-CHRISTOPH NEIDLEIN

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