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Samstag, 17. Februar 2018

Informationstechnik

Cisco will künftig das ganze Rechenzentrum steuern

Von A. Rüdiger | 22. November 2013 | Ausgabe 47

Cisco gibt seine Strategie fürs Rechenzentrum der Zukunft bekannt: Statt nur das Netzwerk möchte der Hersteller mit einer neuen, hardwarebasierten Architektur gleich Netze, Speicher und Server gemeinsam steuern.

Mit Aufkommen des SDN-Paradigmas (Software Defined Networking) schien es, als sei Ciscos Position als Nummer 1 im Markt für Netzwerkhardware ernsthaft bedroht. Nun schlägt der Riese zurück – mit einer Strategie und dazu passenden Produkten, die tief in die Domänen anderer Player eingreifen. Ihr wichtigstes Kennzeichen: Im Unterschied zu manchem anderen Ansatz hält Cisco die Verwendung von Hardware zur übergreifenden Systemsteuerung für absolut unentbehrlich.

"Für 2017 rechnen wir mit dreimal so viel Datenverkehr im Rechenzentrum", erläutert Patrick Schmidt, Managing Director Architecture Sales bei Cisco Europa. Angesichts dieser Datenmassen müsse die Infrastruktur im Rechenzentrum dringend schneller und flexibler werden. Denn der Rollout einer neuen Applikation dauere z. B. derzeit einen Monat oder noch länger.

In dieser Situation hätten rein softwarebasierte Virtualisierungsansätze wie OpenFlow oder SDDC (Software Defined Data Center) gravierende Nachteile, meint Schmidt. Beispielsweise den, dass Software in aller Regel fehlerbehaftet ist und daher das Risiko erhöht. Außerdem liefen rund 20 % der Applikationen, darunter so wichtige wie SAP oder zukünftig Big Data, ohnehin direkt auf einem Server, während Anwendungen wie Sharepoint oder Exchange zunehmend im Rahmen von virtuellen Desktop Infrastrukturen (VDI) vorgehalten werden. Einheitlich, so Schmidt, könne die Rechenzentrumsinfrastruktur deshalb nie werden, wenn optimale Sicherheit und Leistung angestrebt seien. Deshalb komme es darauf an, Hard- und Software übergreifend zu verwalten und nicht einfach eine weitere Softwareschicht ins System einzubauen.

Das Ergebnis der Cisco-Überlegungen heißt ACI (Application Centric Infrastructure) und wird vom Netzwerkspezialisten derzeit in Form zweier Produkte beziehungsweise Produktserien umgesetzt. Kern der Ankündigungen ist die sogenannte Application-Policy-Infrastructure-Controller-Box (APIC), in der eine übergreifende Controller-Software läuft. Sie greift auf spezielle Chips (Asics) in den einzelnen Infrastrukturkomponenten zurück. Diese Bausteine müssen von Cisco stammen, um mit dem APIC kommunizieren zu können. Vielerlei Anwendungen können über offene Schnittstellen auf APIC zugreifen. APIC selbst steuert und konfiguriert dann die Hardware und sorgt so z. B. auch für die Einhaltung der Service Level Agreements (SLAs). Ein solcher Chip wird zunächst in Switches eingebaut, später sollen Lastverteiler, Server und Speicherkomponenten hinzukommen.

Dazu passend stellt Cisco mit Nexus 9000 eine Switch-Serie für 10-Gbit/s-Ethernet und später 40-Gbit/s-Ethernet vor, die bereits auf APIC vorbereitet ist. Betrieben werden die Systeme mit dem Betriebssystem NXOS, das um neue Tools und Schnittstellen erweitert wurde. Die modularen Switches werden bereits ausgeliefert. Als Pilotkunden kann Cisco Chrysler USA benennen.

Für jede Applikation in einer APIC-gesteuerten Infrastruktur wird gleich zu Anfang ein sogenanntes Application Networking Profile festgelegt, das genau beschreibt, mit welchen Qualitätsmerkmalen und über welche Stationen Daten dieser Applikation befördert werden sollen. Die aus den Profilen folgenden Konfigurationen überspielt APIC an die Asics in den Infrastrukturelementen, von denen sie dann in konkrete Konfigurationen umgesetzt werden.

Weiteres Element der ACI-Strategie ist ein weit gefächertes Partnernetz in allen Segmenten. Im Bereich Automatisierung arbeitet Cisco etwa mit IBM, Microsoft System Center, BMC und CA zusammen, die alle bereits APIC-Schnittstellen implementiert haben.

Obwohl sich Cisco gegen den derzeit allgegenwärtigen Trend stellt, möglichst alles in Software zu erledigen, ist auch Ulrich Hamm von Cisco Deutschland vom Erfolg des ACI-Ansatzes überzeugt: "Wir verändern mit unserem Konzept den gesamten Betriebsprozess. Wenn der Rollout einer Software nur noch eine Stunde dauert, bezahlt sich die Hardware fast von allein."  A. RÜDIGER

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