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Donnerstag, 23. November 2017, Ausgabe Nr. 47

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Informationstechnik

Cloud-Computing zwingt IT-Anbieter in neue Konstellationen

Von Ariane Rüdiger | 5. Februar 2016 | Ausgabe 05

Mit dem Siegeszug der Cloud werden die Karten im IT-Infrastrukturmarkt neu gemischt. Wie unterschiedlich die Strategien aussehen, um mit dieser Situation umzugehen, zeigen die Beispiele HP und Dell/EMC.

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Foto: HPE

Neue Firma, neues Logo: Das türkisfarbene Rechteck prangt hier auf Servern von HP Enterprise.

Durch den Siegeszug des Cloud-Computing bleibt im IT-Infrastrukturmarkt kein Stein mehr auf dem anderen. Denn Anwender interessieren sich immer weniger für Bits und Bytes und immer mehr für funktionierende Servicelevel, sichere Daten, größere Flexibilität und leistungsbasierte Abrechnung. Die erfolgsverwöhnten großen Hardwareanbieter stehen damit vor einer Situation, die sie zum Handeln zwingt.

Wie unterschiedlich die Anpassungsmaßnahmen an das Zeitalter softwaredefinierter, vorintegrierter Cloud-Infrastrukturen aussehen können, zeigen in jüngster Zeit die Fusion von Dell und EMC und der Split von HP. Das Unternehmen teilte sich in HP Inc., den Bereich, der zukünftig vor allem für Drucker und Konsumprodukte zuständig ist, und HPE (HP Enterprise), das Infrastrukturlösungen anbietet.

Dell verkündete am 12. Oktober 2015, man werde den Speicherspezialisten EMC für 65 Mrd. $ übernehmen und das Unternehmen von der Börse nehmen. Börsengelistete Tochterunternehmen bleiben dort. Dies betrifft vor allem VM-Ware. An dem Virtualisierungsweltmarktführer hält Dell nun durch die Akquise erhebliche Anteile. Dell gewinnt durch den Deal Rechenzentrums- und Enterprise-Kunden hinzu. Für EMC öffnet sich das Tor zum umworbenen Mittelstand. Dazu kommt bei Dell der Einstieg in den Open-Source-Markt und in den für softwaredefinierte Infrastrukturen, für die bei EMC die Marke Pivotal steht. Gerade dieses Thema dürfe nicht unterschätzt werden, schreibt IDC in einer Analyse des Zusammenschlusses.

Man darf zudem gespannt sein, ob aus dem Zusammenwachsen der beiden Firmen am Ende gar völlig neue Rechnerarchitekturen erwachsen – von Dell war Derartiges bisher kaum zu erwarten. Nun aber ist die Chance dafür abseits des ständigen finanziellen Drucks der Börse erheblich größer.

Marktforscher fürchten, dass die Interessen der Kunden zweitrangig sind

Kritiker zweifeln an, ob es gelingen kann, die recht unterschiedlichen Firmenkulturen miteinander zu verschmelzen: Dell erscheint zumindest von außen erheblich legerer als EMC. Es wird sich zeigen müssen, wie man das Produktspektrum von Dubletten bereinigt, beispielsweise im Back-up-Bereich. Das Marktforschungsunternehmen Gartner befürchtet, dass die Anliegen der Kunden an zweiter Stelle stehen könnten, bis die Integrationsarbeit getan ist. Nichtsdestotrotz folgten seit dem Merger bereits neue Produktankündigungen, die Entwicklung scheint also nicht zu stocken.

HPE setzt auf „The Machine“

HP dagegen vollzog zum Jahresende 2015 nach außen reibungslos das Abspalten seines Enterprise-Bereichs HPE. Auf der in London Anfang Dezember durchgeführten europäischen Haus-Kongressmesse Discover stellte sich HPE dann erstmals den Kunden und der Öffentlichkeit vor. CEO Meg Whitman begründete den Split mit den längeren Investitionszyklen des Marktes für Unternehmens-IT. Das habe zu unnützen Reibungen geführt, die man nun los sei. Größe allein zähle nicht, man sei dafür in der Lage, sich tatsächlich auf die Bedürfnisse der Kunden im Cloud-Zeitalter zu konzentrieren.

Dieses Bestreben belegte HP durch mehrere Ankündigungen auf der von rund 13 000 Gästen besuchten Veranstaltung und in deren Vorfeld. Mit Synergy präsentierte HP seine Variante einer variablen Infrastruktur, „Composable Infrastructure“ genannt. Die breitbandig vernetzte Hardware bildet dabei einen Pool, aus dem sich Teile über einfache Softwareschnittstellen und ohne Hardwareeingriffe einzelnen Anwendungen zuweisen lassen.

Wird eine Anwendung nicht mehr benötigt, lässt sich die Zuweisung via Softwarebefehl widerrufen und die genutzte Infrastruktur fällt in den Pool zurück. Zudem können die Ressourcen einer Applikation sich flexibel an deren schwankenden Hardwarebedarf anpassen.

Im Hintergrund steuert bei HPE alles auf „The Machine“ zu. In einigen Monaten soll ein Prototyp der neuen Rechnerarchitektur (s. VDI nachrichten 41/2015) fertig sein. Über Glasfaser verbindet sie große Speichermassen mit unterschiedlichen Prozessortypen, die modular zugerüstet werden können. Über allem schwebt ein Modul, das die Architektur steuert, der sogenannte Scheduler.

Mit The Machine geht HPE eine riskante Wette ein: Sollte sich das Konzept wider Erwarten nicht als die Revolution des Computing erweisen, als die es von HP gesehen wird, steckt der Hersteller in der Sackgasse. Immerhin machte Google jüngst mit einem angeblich funktionierenden Modell eines Quantencomputing-Prototyps von sich reden.

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