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Freitag, 15. Dezember 2017

Rohstoffe

Countdown unter dem Meer

Von Iestyn Hartbrich | 28. Februar 2014 | Ausgabe 9

Bald laufen die ersten Erkundungslizenzen aus; die Staaten sinnen auf Tiefseetagebau. Ein Blick auf die Technik verrät aber: Das wird eng.

Schwarzer Raucher
Foto: Mauritius

Schwarzer Raucher: In der Tiefsee winkt ein Billionen-Markt mit mineralischen Rohstoffen – theoretisch. Praktisch befinden sich die nötigen Technologien noch im Entwicklungsstadium.

Wellen, nichts als Wellen – bis zum Horizont reicht der Pazifik ringsum. Die nächste Küste ist Hunderte Seemeilen entfernt und von oben brennt die Sonne. Fünf Kilometer unter dem Meeresspiegel hingegen, in der ewigen Nacht der Tiefsee, kriechen Unterwasserfahrzeuge über den Grund und sammeln Metalle ein.

Mineralien am Meeresboden

Drei Klassen von Mineralien unterscheiden die Experten:

- Manganknollen, die zwischen 75 % und 97 % Abraum enthalten, je nachdem welche Metalle gewonnen werden,

- kobalthaltige Manganerze und

– Massivsulfide, die zu 30 % bis 40 % brauchbares Erz enthalten. har

Noch ist diese Art des Tagebaus nur eine Vision – heraufbeschworen im dritten "World Ocean Review", einem Bericht über die Chancen und Risiken marinen Rohstoffabbaus. Daraus geht allerdings hervor, dass aus der Vision schon bald Wirklichkeit werden könnte.

Es geht schließlich um viel Geld. Hunderte Milliarden, vielleicht sogar Billionen Dollar lassen sich allein mit Manganknollen (siehe Kasten) umsetzen. Das schätzt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die die deutschen Explorationen leitet. Die Behörde hat im Auftrag der Bundesregierung Lizenzgebiete im Pazifik und im Indischen Ozean erworben. Das Ziel: ein deutscher Tiefseebergbau.

Soll die Zukunft der Rohstoffversorgung im Meer liegen, dann müssen sich die Mineralien in der Tiefsee auch wirtschaftlich fördern, an Land bringen und dort aufbereiten lassen. Technologisch läuft Deutschland aber bereits einem Rückstand hinterher – das wurde in der vergangenen Woche bei der Vorstellung des "World Ocean Review" in Hamburg deutlich.

"So weit wie die Südkoreaner und die Inder sind wir noch nicht", sagte Christian Reichert, der den Fachbereich Marine Rohstofferkundung in der BGR leitet. Beide Staaten teilen sich laut dem Explorationsexperten die technologische Spitzenposition. Angefangen bei rund 200 m hätten sie sich mit ihren Systemen an immer größere Tiefen herangetastet. Aktuell seien es etwa 600 m.

Aber auch das ist nicht genug. Denn die erzhaltigen Mineralien finden sich in mehreren Kilometern Tiefe. Hohe Drücke, abrasiver Verschleiß, ständige Dunkelheit: Die Liste der technologischen Herausforderungen ist lang. "So ein Bergbau müsste 320 Tage im Jahr, bei Wind und Wetter, störungsfrei funktionieren", sagte Sven Petersen, der am Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel forscht. Davon sei man noch weit entfernt.

Aber die Zeit drängt. Denn läuft eine Explorationslizenz aus, muss sie bei der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) mit Sitz in Kingston (Jamaica) in eine Bergbaulizenz umgewandelt werden. Während die deutschen Lizenzen noch bis 2021 gelten, steht dieser Schritt für Südkorea bereits 2016 und für Indien 2017 an. IESTYN HARTBRICH

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