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Sonntag, 20. Januar 2019

Elektromobilität

Das Projekt „City eTaxi“ zeigt neue Wege für die Elektromobilität

Von S. Fasse/M. Henrichs | 11. April 2014 | Ausgabe 15

Manuelles Akkuwechselsystem, nur 550 kg Gesamtgewicht und höchstens 80 km/h schnell: Mit diesen Eigenschaften soll das „City eTaxi“ künftig Flottenbetreiber überzeugen. Hinter dem Modell steckt das Projekt „Adaptive City Mobility“ mit sieben Partnern, das u.a. auf der Hannover Messe vorgestellt wurde.

City eTaxi-Modell
Foto: Konsortium City eTaxi-Projekt

Sieben Männer und ihr „Baby“: Die geistigen Väter des Projekts „City eTaxi“ vor einem Modell des Fahrzeugs beim Designlaunch in München.

„Hier geht es um Mobilität, nicht um das Auto als Produkt“, betont Paul Leibold. Der Wirtschaftsingenieur ist Initiator des Projekts „Adaptive City Mobility“. Leibold ist davon überzeugt, dass die Elektromobilität neue Verkehrkonzepte und neue Denkansätze braucht.

Eine Vision, die Leibold mit vielen Experten teilt. Auch die Teilnehmer der Düsseldorfer Konferenz „Elektromobilität in den Kommunen“ waren sich einig, „den Blick über die vier Räder hinaus werfen zu müssen“, wie es Udo Brockmeier, Vorstandschef der Stadtwerke Düsseldorf, formulierte. „Wenn wir uns als Leitmarkt verstehen wollen, müssen wir auch systemübergreifende Konzepte liefern“, forderte dort Thomas Aubel, Executive Vice President Mobility beim TÜV Rheinland.

Eben einen solchen Ansatz verfolgt das Projekt „City eTaxi“. „Wenn wir einfacher und radikaler denken, entsteht etwas völlig Neues“, sagte Projektleiter Leibold, zugleich Leiter eMobility bei Vispiron, einem Anbieter für Messtechnik, Flottenmanagement und Engineering beim Designlaunch in München. Konsortialführer Vispiron holte für das Projekt die Partner BMZ, Fraunhofer ESK, Roding Automobile und Heinzmann ins Boot, um ein integriertes Elektromobilitätskonzept zu entwickeln – von der nachhaltigen Energiegewinnung, über Leichtbauweise bis hin zur Software.

 Nach eineinhalb Jahren intensiver Gemeinschaftsarbeit ist ein Modell entstanden, das bis zum heutigen Freitag auf der Hannover Messe auf dem Stand der Bundesregierung als Referenzprojekt für CO2-freie Mobilität zu sehen ist.

Im Fokus steht dabei die Vernetzung des E-Mobils, die die Steuerung der „eTaxis“ in einer Flotte ermöglicht. „Die gewachsene Struktur der Informations- und Kommunikationstechnik im Auto ist zu komplex geworden“, erläutert Christian Liebig, der die Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie verantwortet. Vispiron setzt deshalb beim „City eTaxi“ das „CarSync-Log“ ein. Dabei wird eine von außen unsichtbar im E-Mobil verbaute Telematikbox an die Fahrzeugelektronik angeschlossen, die Fahrtdaten via GPRS an ein Webportal sendet. Von dort können Flottenbetreiber die Daten analysieren. Dienste wie die Navigation werden dagegen aufs Smartphone ausgelagert.

 Das E-Auto soll bis 50 % günstiger sein als bisherige Serienmodelle. Auf eine Verschlankung setzt das Projekt auch beim Design. Das ungewöhnliche Äußere entwickelte der Münchner Designprofessor Peter Naumann, der dem Citymobil einen „sympathischen, defensiven Charakter“ verleihen wollte.

Die Vorgabe von nur drei Sitzplätzen brachte er in eine gestalterische Form. Das modulare Konzept macht das Auslassen der Türen möglich, ähnlich wie es beim zweisitzigen Elektrovehikel Renault Twizy bereits Serie ist. Beim Antriebsstrang sollen 15 kW reichen, um maximal drei Personen samt Gepäck zu transportieren. Um die Standzeiten gering zu halten, sollen die acht Akkus im „City eTaxi“ manuell getauscht werden. Die Akkuwechselstationen sollen z. B. beim Flottenbetreiber angesiedelt sein. Auch ein Laden mit Ladekabel oder eine Kombination aus beidem sei möglich.

Da das Fahrzeug ausschließlich für Stadtfahrten mit einem Tempo von maximal 80 km/h konzipiert sei, werde die Reichweitenproblematik entschärft. Das „Light Vehicle“, das aufgrund des Materialmixes aus Aluminium und Carbon nur 550 kg wiegt, soll v. a. im gewerblichen Bereich Kunden finden.  S. FASSE/M. HENRICHS