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Mittwoch, 20. Februar 2019

Umwelttechnik

Deutsche Umwelttechnik heizt den Markt an

Von Marianne Wollenweber | 29. Mai 2015 | Ausgabe 22

Der globale Markt für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz boomt. Bis 2025 werden im Jahresdurchschnitt Wachstumsraten von 6,5 % erwartet. Deutsche Anbieter können ein großes Stück vom Kuchen abbekommen. Denn „made in Germany“ ist bei grünen Technologien in aller Welt auch in den nächsten Jahren sehr gefragt.

greentec BU
Foto: Martin Schutt/dpa

Dünnschichtmodule: Auch wenn die Weltmarktanteile der deutschen Photovoltaik-Unternehmen in den nächsten Jahren tendenziell sinken werden, hält Deutschland hier doch die Technologieführerschaft.

Grüne Nischenprodukte waren gestern. Heute steht grünes Wachstum auf milliardenschweren globalen Leitmärkten für Umwelttechnik auf der Tagesordnung. Damit die Dienstleistungen der Ökosysteme wie sauberes Wasser und Nahrung erhalten bleiben, ist ein Kurswechsel zur Green Economy notwendig. Gemeint ist eine Wirtschaftsweise, die Emissionen vermeidet, Kreisläufe schließt und sukzessive auf erneuerbare Ressourcen und Energien setzt.

„Für die Fortschritte dieser grünen Transformation spielt die Querschnittbranche Umwelttechnik und Ressourceneffizienz eine Schlüsselrolle“, heißt es im Bericht „Greentech made in Germany“. Den Umwelttechnologieatlas hat die Unternehmensberatung Roland Berger im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMUB) verfasst.

Danach löst die Umgestaltung der Wirtschaft auf den sechs globalen Leitmärkten für Energieeffizienz, Energieerzeugung, Mobilität, Wasserwirtschaft, Rohstoff- und Materialeffizienz sowie Kreislaufwirtschaft einen beachtlichen Expansionskurs aus, der bis 2025 ein globales Volumen von 2358 Mrd. € erreichen soll.

Auf diesen grünen Märkten ist Deutschland mit 14 % Weltmarktanteil (Stand 2013) gut aufgestellt. „Die Greentech-Unternehmen punkten mit den klassischen Tugenden des deutschen Mittelstands“, freut sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

„Die hohe Qualität deutscher Technologieprodukte wird überall geschätzt“, ergänzt Torsten Henzelmann, Umweltexperte bei Roland Berger. Das deutsche Marktvolumen könnte sich demnach bis 2025 auf 740 Mrd. € deutlich erhöhen, von 344 Mrd. € im Jahr 2013.

Rund 1,5 Mio. Menschen waren schon 2012 in Deutschland in der Greentech-Branche beschäftigt. 2013 lag ihr Anteil an der deutschen Wirtschaftsleistung bei 13 %. Kein Wunder, dass die Stimmung unter den deutschen Anbietern der vorwiegend mittelständisch geprägten Branche gut ist.

Eine Unternehmensbefragung im Auftrag des BMUB hat ergeben, dass die Greentech-Anbieter bis 2018 mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 10,5 % rechnen. Ihre Exportquote liegt bei 39 %. Die wichtigsten Absatzmärkte sind bislang Europa und China. Bis 2025 soll der Export nach Osteuropa, Brasilien, Russland und Indien zunehmen.

Deutsche Unternehmen sind in vielen Leitmarktsegmenten Technologieführer. Sie bieten eine enorme Spannbreite an innovativen Produkten, Dienstleistungen und Verfahren, wobei sich ihre starke Investitionsbereitschaft in Forschung und Entwicklung bezahlt macht.

Der Weltmarktanteil deutscher Hersteller an der effizienten Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik etwa lag 2013 bei 31 %. Und „mit Osram ist ein deutsches Unternehmen der zweitgrößte Anbieter energieeffizienter Beleuchtung weltweit“, heißt es im Bericht.

Besonders erfolgreich sind deutsche Unternehmen bei Verfahren zur Effizienzsteigerung von Verbrennungsmotoren. So hat zum Beispiel die Robert Bosch GmbH zur Optimierung der Benzin-Direkteinspritzung lasergebohrte Spritzlöcher für Einspritzdüsen an Motoren entwickelt, die eine Reduktion des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen um bis zu 15 % ermöglichen und noch dazu eine größere Fahrdynamik erlauben.

Generell erweist sich die deutsche Transformation in Richtung grüner Verkehrssektor als Wachstumstreiber. Deutsche Technologien machen hohe Umsätze mit Tankstelleninfrastruktur für alternative Antriebe, mit Elektro-, Brennstoffzellen- sowie Hybridantrieben. Vor allem Elektroantriebe werden die Kassen klingeln lassen, bis 2025 mit einem Wachstum von 60 % im Jahresdurchschnitt.

Auch Biokerosin zur Senkung des CO2-Ausstoßes der Luftfahrtindustrie wird in Deutschland derzeit erforscht. Der Konzern EADS hat bereits Testflüge mit algenbasiertem Kerosin absolviert. In der Nanotechnologie haben deutsche Firmen die Nase vorn, mit hohen Wachstumsperspektiven für Materialien und Beschichtungen. So fertigt Econtrol Glas aus Plauen in Sachsen intelligente Fensterscheiben mit einer variablen Polymerfolienbeschichtung und Elektroden aus Nanomaterialien, die die Klimaanlage ersetzen können.

Eine vielversprechende Perspektive erwarten deutsche Technologieanbieter für die Wasserkraftnutzung. Der deutsche Anteil am Weltmarkt lag 2013 bei 16 %. Deutsche Anbieter punkten mit Turbinen und Anlagen für Wasserkraftwerke und bieten Know-how für Repowering und Wartung.

Auch wenn die Weltmarktanteile der deutschen Photovoltaik-Unternehmen in den nächsten Jahren tendenziell sinken werden, hält Deutschland auch in dieser Technologie die Führerschaft, etwa bei der Entwicklung von Dünnschichtmodulen. Der Weltmarktanteil deutscher Hersteller für Windenergieanlagen wird aufgrund der Konkurrenz in den nächsten Jahren sinken.