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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Sicherheit

Die Bahn rüstet sich gegen Vandalismus und Diebstahl

Von Regine Bönsch | 20. Februar 2015 | Ausgabe 08

Mit Videoüberwachung will die Deutsche Bahn ihre Bahnhöfe sicherer machen, mit Farbpatronen und künstlicher DNA ihre Automaten schützen. Immerhin entstand allein im letzten Jahr bei Aufbrüchen und Sprengungen der Ticketautomaten ein Sachschaden von 6,7 Mio. €.

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Foto: D. Tuch/ddp images

700 weitere Kameras sollen auf rund 100 Bahnhöfen für mehr Sicherheit sorgen. Außerdem sollen aufnahmen bis zu 72 Stunden gespeichert werden.

Es passierte vorletztes Wochenende auf dem Bahnhof in Beezkow, in der Nacht zu Silvester in Düsseldorf und allein im letzten Jahr 14-mal in Niedersachsen – in Sarstedt, Coppenbrügge und Hessisch Oldendorf. Ticketautomaten der Deutschen Bahn (DB) wurden in die Luft gesprengt. Mit selbst gebastelten Rohrbomben und anderem Equipment setzen ganze Banden den Geräten zu. Mit mäßigem Erfolg, denn allein durch häufige Leerungen und viele Kartenbuchungen konnten meist nur geringe Summen erbeutet werden.

Dennoch: Rund 390-mal wurden 2014 Fahrscheinautomaten der DB aufgebrochen. Dabei entstand ein Sachschaden von 6,7 Mio. €. „Mit Schadenssummen von 30 000 € für einen einzigen Automaten kommt man hier zu entsprechend hohen Summen“, sagte letzte Woche Bernd Stöberl, Leiter der Ermittlungskoordination der Bundespolizei in Potsdam.

Jetzt will die Bahn vorbeugen und ihre Automaten mit Farbpatronen sichern. DB-Sicherheitschef Gerd Neubeck: „Wird die Geldkassette gekippt oder geschüttet, platzt eine Patrone und spritzt mit hohem Druck eine nicht lösbare Farbe auf die Geldscheine“. Damit werde das Geld wertlos, der Aufbruch sinnlos.

Die Hightechfarbe ist mit sogenannter künstlicher DNA angereichert. Eine Technik, die bereits bei Bankautomaten eingesetzt wird. Damit erhält die Farbe der Geldkassette über eine spezielle Codierung einen einzigartigen Fingerabdruck. Vor allem jedoch sind die Täter auch nach dem schwierigen Abwaschen der Farbe identifizierbar. Spuren lassen sich sogar an Waschbecken nachweisen.

Die Farbkassetten hat die Bahn gemeinsam mit einem Hersteller, dessen Name geheim bleiben soll, neu entwickelt. Von außen weise nur ein Aufkleber auf die zusätzliche Sicherung hin, verrät das Unternehmen. Außerdem sollen weitere technische Sperren und stärkeres Material die Manipulation an Automaten noch schwieriger machen.

Nicht jeder der 7000 Automaten der Bahn enthält Farbpatronen. Auf stark frequentierten Bahnhöfen dürfte diese Sicherheitsmaßnahme weniger nötig sein als auf dem Land.

Auf Bahnhöfen ohne Personal seien die Automaten die einzige Möglichkeit sich zu informieren und eine Fahrkarte zu kaufen. „Es ist uns wichtig, dass die Automaten unseren Kunden rund um die Uhr zur Verfügung stehen“, begründet Bernd Rattey, Leiter Automatenvertrieb der DB, die Investition von mehreren Hunderttausend Euro. „Die Folgen von Vandalismus oder Diebstahl wollen wir nicht länger hinnehmen.“

Für mehr Sicherheit sollen auch Videokameras auf Bahnhöfen sorgen. Noch in diesem Jahr sollen dafür bis zu 700 weitere Kameras auf rund 100 Bahnhöfen installiert werden. Künftig werden die Aufnahmen außerdem bis zu 72 Stunden lang gespeichert.

Schon heute hat die Überwachung rund um den Bahnverkehr immense Ausmaße: Nach Angaben der Deutschen Bahn werden rund 640 Bahnhöfe videoüberwacht. Dazu wurden etwa 4800 Kameras in Bahnhöfen und 18 000 Kameras in Zügen installiert – damit können nach Berechnungen der Bahn 80 % der Fahrgastströme gefilmt werden. Die massenhafte Überwachung hat sich aus Sicht der Bundespolizei bewährt: Im vergangenen Jahr konnten so mehr als 1100 Straftaten aufgeklärt werden, meistens Gewaltdelikte, aber auch 90 Sachbeschädigungen.

Mit der im letzten Dezember angekündigten Investition will die Bahn weitaus mehr Bahnhöfe mit Kameras ausstatten als ursprünglich geplant – und das auf eigene Kosten. Um welche Bahnhöfe es sich handelt, stünde noch nicht fest.

Die Videoüberwachung soll jedoch nicht nur zur Verfolgung von Straftaten, sondern auch zum Schutz vor Terroranschlägen dienen. Das berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf interne Unterlagen der Deutschen Bahn.

Laut dem „Programmmanagement Video“ sei ein Ausbau bzw. eine Modernisierung an den Hauptbahnhöfen Mannheim, Bremen, Hamburg, Nürnberg, später auch in Essen, Düsseldorf, Köln, Dortmund und Stuttgart geplant. Und auch der S-Bahnhof Berlin-Ostkreuz fällt unter die nach Bahn und Bundespolizei ausgewählten Bahnhöfe, an denen die Kriminalität, aber auch die Terrorgefahr potenziell hoch sei.  REGINE BÖNSCH

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