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Sonntag, 21. Januar 2018

Displays

Display-Industrie wartet auf Oleds und das 3-D-TV

Von Werner Schulz | 13. August 2010 | Ausgabe 32

Alle Augen richten sich auf die IFA als Wirtschaftsindikator und Stimmungsbarometer. Kann der innovative Impuls des dreidimensionalen TV die Display-Industrie aus dem Tief katapultieren? Nötig hätte sie es: "Die Industrie kommt aus einem steilen Abfall 2008/2009", sagt Paul Semenza, führender Analyst des Marktforschers Displaysearch. Zwar haben, in Stückzahlen, die Wachstumsraten bereits 2009 wieder angezogen. "Doch die Kurve der Umsätze, Preise und Gewinne zeigt nach unten."

Das ist das Dilemma: Die Nachfrage ist da, aber die neue Schnäppchenmentalität macht Sorgen. Deshalb, so Semenza, pusht die Industrie das 3-D-TV. Die letzte absatzfördernde Neuheit waren LCD-Bildschirme mit zonenweise nach Bildhelligkeit gesteuertem LED-Backlight, anstelle der Fluoreszenzlampen. Das hat den Kontrast der LCD-Schirme sichtbar erhöht. "Immer wenn eine neue Technologie erscheint", so Semenza, "werden LCDs besser."

Hinter jeder Innovation stehen Investitionsentscheidungen in die weltweite Fertigung: für größere Fabriken mit größeren "Muttergläsern" als Ausgangsmaterial für die größeren Schirme. Derzeit sind sie in der "Generation 5.5" (1300 mm x 1500 mm) optimiert für kleinere Schirme bis zu 32 Zoll Diagonale. Doch die Profite für die Hersteller, so Semenza, beginnen bei größeren Schirmdiagonalen um 40, 50 Zoll.

Natürlich werden die Glasformate laufend vergrößert. Fabriken der Generation 10 stehen in den Plänen. Doch das bedeutet strategische Entscheidungen zur Lokalisierung der Glasfabriken: möglichst nahe bei den Schirmherstellern. Sie können also nur jeweils einen Abnehmer bedienen. Gute Chancen für China: als Fertigungsbasis für Glas und Schirme, Chemikalien, Filter und andere Komponenten.

Die neue Technologie, die LCDs ablösen könnte, sind die Oleds, selbst strahlende organische Leuchtdioden in großflächiger Matrix, schneller als die trägen LCDs. Aber sie lassen auf sich warten. Sie werden in immer neuen Demonstratoren auf den Fachkonferenzen wie der Displayweek und auf Messen wie der Consumer Electronics Show in Las Vegas oder der IFA in Berlin vorgeführt. Doch Oled-TV, so Semenza, "ist immer noch Jahre vom Marktdurchbruch entfernt".

Nur bei mobilen Kleingeräten laufen Oled-Displays derzeit in Massenstückzahlen. An die 45 Mio. will Marktführer Samsung in diesem Jahr liefern. Für das künftige 3-D-TV hält Samsungs VP Sang-Soo Kim die Oleds für besonders geeignet. "Ab 2015 werden Amoleds eine Mainstream-Technologie für große Fernsehempfänger sein."

Display-Industrie wartet auf Oleds und das 3-D-TV
Allerdings sind da noch 3-D-Hausaufgaben zu machen. Die Standardisierung liegt im Argen: Abgesehen vom 3-D-Blu-ray-HD-Standard für die Wiedergabe von der Disk fehlt es vor allem am HDMI-1.4-Standard für den Datenweg zum Bildschirm und für die universelle Verwendung der 3-D-Brillen. Immerhin werden laut Marktforscher iSuppli 2010 weltweit 4,2 Mio. 3-D-Empfänger verkauft, mit stetigem Wachstum auf 80 Mio. im Jahr 2015.

Was das 3-D-TV bremst, ist der Mangel an Content. Drei Kinofilme vom "Avatar"-Format gibt es derzeit fürs 3-D-TV bietet der freundliche Verkäufer im Mediamarkt zwei zukunftsweisende Demos fürs Kinderprogramm. Auch zur Fußball-WM wurde mit 3-D experimentiert – das wars.

Also zielen die Anstrengungen auf die Konversion von 2-D-Material auf 3-D: mit hohem manuell-visuellen Arbeitsaufwand, Post-Produktionszeiten von Monaten und Millionenbudgets. Es geht aber auch schlichter, in Echtzeit, mit Algorithmen zur automatischen Bildanalyse, direkt am Bildschirm. Dazu arbeitet Samsung mit der britischen DDD Group am "TriDef"-Verfahren. Das soll ab 2011 in Samsungs Geräten laufen. Bei Panasonic allerdings nicht. Und auch nicht bei Sony als drittem großen 3-D-TV-Entwickler.

Der Planungsstand der Filmstudios zur 3-D-Konversion basiert auf digitalen "Tiefenkarten", die jeder 2-D-Szene hinzugefügt werden: eine Art plastische Punktwolke. Daraus soll der Kinoprojektor oder Bildschirm die Tiefenstaffelung der Bildobjekte stereoskopisch korrekt rekonstruieren. Das geht nicht ohne Irritationen: Der Winkel der Augenachsen variiert je nach Objektabstand und Bildschirmgröße, während die Fokussierung durch den Betrachtungsabstand gegeben und konstant ist. 

  WERNER SCHULZ

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