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Dienstag, 23. Januar 2018

E-Reader

E-Book-Displays im Wettbewerb

Von W. Schulz | 17. September 2010 | Ausgabe 37

2010 sollte das Jahr der E-Reader werden – und damit des elektronischen Papiers. Doch mit Apples iPad und anderen Tablet-PCs kommen auch LC-Displays als komfortable Lesegeräte auf den Markt und mischen den Wettbewerb auf.

Eigentlich sollte 2010 bei E-Readern das Jahr des elektronischen Papiers werden: leicht, flexibel, mit gewohntem Druckbild für Text und Bild, das nur bei Änderungen im Inhalt Energie verbraucht. Außerdem leicht lesbar auch in hellem Sonnenlicht. Doch plötzlich ist alles anders. Nicht dass Amazons Kindle, Sonys E-Reader oder der Nook der US-Buchhandelskette Barnes & Noble weniger populär wären. Im Gegenteil: Marktführer Amazon rechnet in diesem Jahr mit einem Absatz von 6 Mio. Stück seines E-Readers Kindle.

Etwas hat die E-Book-Marktstrategen aufgescheucht: Apples iPad. Seitdem fallen die Preise für die Reader: Kindle von 399 $ vor drei Jahren auf heute 139 $. Deutlich weniger als das iPad mit derzeit 499 $.

Mehr noch: Als Technologiebasis für E-Reader gilt nicht mehr unangefochten das energiegünstige elektrophoretische Prinzip mit ladungsgesteuerten Pigmenten. Warum? Weil Steve Jobs es geschafft hat, dem LCD-Schirm des iPad eine Betriebszeit von mehr als zehn Stunden pro Akkuladung zu verpassen. Das reicht als komfortables Literaturerlebnis.

Die Konsequenz heißt Konsolidierung im Markt. Am spektakulärsten ist der Rückzug des lange angekündigten QUE Pro-Readers von Plastic Logic. Eigentlich war er das interessanteste Konzept, denn er brachte die organische Elektronik als Zukunftstechnologie ins Spiel. Und für Polymer Vision, Philips-Spin-off mit dem aufrollbaren "Readius"-Display, kam das Ende Anfang Juli: Konkurs.

Selbst E-Ink in Cambridge, Massachusetts, Marktführer beim elektrophoretischen E-Paper, muss umdisponieren. Um die angepeilte Verdreifachung der Fertigungskapazität für das neue, kontraststarke "E-Ink Pearl"-Paper zu stemmen, hat sich das Unternehmen Mitte 2009 an den kapitalkräftigen taiwanischen Displayhersteller PVI verkauft, der jetzt als E Ink Holdings firmiert.

Könnten also die LCDs, wie bei den TV-Bildschirmen, auch bei den E-Readern die Stellung halten? Als Brücke in die Zukunft energiegünstiger, bistabiler, reflexiver Displays? Samsung hat, wie verlautet, seine F&E-Aktivitäten beim elektrophoretischen E-Paper gestoppt und forciert das LCD-Prinzip. Kent Display setzt ohnehin auf die bistabile Variante cholesterischer LCDs (ChLCD). Sie werden als Folie ("Skin") auf die Oberfläche von Geräten aufgezogen und fungieren als dynamische Anzeige. Die französischen Firma Nemoptic versucht es seit 1999 mit nematischen AMLCDs, mit RGB-Pixelfiltern auch in Farbe.

Es gibt also eine Öffnung für alternative Lösungen. Etwa für das "Electrowetting", einer der Elektrophorese verwandten Technik mit kapillarischer Verschiebung oder Verformung von winzigen, pixelförmig angeordneten Ölpigmenten in einer Kontrastflüssigkeit. Auf Electrowetting konzentrieren sich die holländische Philips-Ausgründung Liquavista sowie die deutsch-schweizerische adt GmbH. Auf der Displayweek der SID (Society for Information Display) im Mai war der aktuelle Stand erkennbar. Vor allem in der Farbdarstellung.

Den größten visuellen Fortschritt hat der rührige US-Chiphersteller Qualcomm erzielt: mit seiner "Mirasol" genannten, mikromechanisch (MEMS) gesteuerten Interferenz des einfallenden Lichts zwischen zwei transparenten, als Pixelmatrix strukturierten Kunststoffschichten. Im Vorjahr wirkten die dabei entstehenden Muster und Farben noch wie blasse Ölschlieren auf einer Wasserfläche. Auf der Displayweek 2010 zeigte Qualcomm farbstarke Mirasol-Displays mit 5,7 Zoll Diagonale. Sie verkraften sogar Animationen und Videos.

Noch aber dominiert das elektrophoretische E-Paper. So entwickelt die 1999 gegründete Firma SiPix (mit dem Displayhersteller AU Optronics als starkem Investor) einen von der Rolle druckbaren organischen Prozess mit flexiblem "Microcup"-Prägemuster. Ein 20-Zoll-Schirm wurde bereits demonstriert.

Toshiba hingegen setzt auf bistabile LCDs. Ein 0,1 mm dickes flexibles Panel mit 8,4 Zoll Diagonale existiert bereits. Und Sony arbeitet unermüdlich an Displays aus organischen Leuchtdioden (OLED) – auch für zukünftige E-Books. Ein 4,1 Zoll großes OLED-Display, mit nur 80 nm Dicke so dünn, dass es nur aufgerollt transportierbar ist, macht derzeit die Runde durch Messen und Präsentationen.

Hoher Kontrast und hohe Weiß-Reflexivität, Auflösung besser als 100 dpi, gesättigte Farben, Animation und Video, Robustheit und Flexibilität sowie günstige Energiebilanz sind die neuen Prioritäten. Neben weiter verlängerten Betriebszeiten bis hin zu Wochen. "Die Print-Magazine", sagt Qualcomm-VP Jim Cathey, "sind ja auch always on." W. SCHULZ

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