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Dienstag, 23. Januar 2018

Software

EMC enthüllt Applikationsstrategie

Von Ariane Rüdiger | 20. September 2013 | Ausgabe 38

Auf dem deutschen Kunden- und Partner-Event EMC Forum erfuhren Experten und Kunden endlich, welche Softwarestrategie der Speicherspezialist EMC künftig verfolgt. Das gesamte Geschäftsmodell ändert sich dadurch.

EMC enthüllt Applikationsstrategie

Pivotal-CEO Paul Maritz erklärt die Strategie seines Unternehmens im Kontext des EMC-Konzernverbundes. Foto: EMC

Jahrelang schien sich EMC in einem Kaufrausch zu befinden, dessen strategische Ausrichtung für Außenstehende kaum zu erkennen war. In Frankfurt, wo sich Ende August rund 1300 Besucher zum EMC Forum einfanden, erklärte Paul Maritz, früher Chef der EMC-Tochter VMware und jetzt für die Geschäfte der Neugründung vom Frühjahr, Pivotal, zuständig, wie sich EMC in Zukunft aufstellt und welche Strategie Pivotal fährt.

Neue Hardware im mittleren Leistungsbereich

Wenig überraschend stehen dabei Datenanalyse und -management im Mittelpunkt. Die Idee: EMC sieht die IT vor dem Übergang auf eine "dritte Plattform", gekennzeichnet durch Milliarden global verteilter, vielfach mobil arbeitender Anwender mit Millionen von Applikationen. Diese Apps sind vielfach weniger mit der physischen Infrastruktur verzahnt als die komplexen Business-Lösungen von heute wie SAP oder Oracle-Datenbanken, sie müssen aber mit ungleich größeren Datenmengen anders oder gar nicht strukturierter Daten fertig werden.

Außerdem sollen sie schnell programmier- und modifizierbar sowie einsatzfähig sein. Dies, damit sie den jeweiligen Anforderungen des Kerngeschäfts der Anwender, die sich permanent ändern, möglichst genau entsprechen. Außerdem werden diese Applikationen vorwiegend auf Cloud-Infrastrukturen laufen. "Cloud wird die neue Hardware", heißt ein weiteres, von EMC im Einklang mit vielen anderen Herstellern bei jeder Gelegenheit wiederholtes Credo.

Pivotal soll nun diesen neuen Bedarf erfüllen. Dazu gehören aus EMCs Sicht drei Elemente: eine Cloud-fähige Software-Infrastruktur, die die reibungslose Verschiebung von Workloads zwischen verschiedenen Clouds und Cloud-Typen ermöglicht zweitens: auf die Apps der Zukunft zugeschnittene Programmierumgebungen, und drittens: Anwendungen, insbesondere für Management und Analyse der künftig zu erwartenden Datenmassen.

Die stammen zukünftig nicht mehr vor allem aus E-Mail-Anhängen oder Videos: "Wir werden, um IT-Sicherheit herzustellen, zukünftig auch Logfiles, Transaktionen und Sensorinformationen, etwa aus Maschinen, auswerten müssen, die schnell sehr große Volumina annehmen", sagte Maritz dazu.

Schon im vierten Quartal will EMC die erste Version seiner Plattform Pivotal One vorstellen. Sie soll die drei Module Cloud Fabric (Software-Infrastruktur fürs Cloud-Zeitalter), App Fabric (Anwendungsumgebung) und Data Fabric (Applikationen für Datenmanagement und -analyse) umfassen. Dabei sieht EMC Cloud Fabric als "das neue Betriebssystem" der Cloud-Welt.

In AppFabric fließen diverse Aktivitäten im Entwicklungsbereich ein, beispielsweise das Open-Source-Programmiergerüst Spring++, für das Pivotal inzwischen die Betreuung übernommen hat. Data Fabric schließlich wird Applikationen liefern, die allesamt auf dem Hadoop-Filesystem HDFS aufbauen. EMC will nach und nach jeden denkbaren Datentyp in die gewünschten Analysen einbeziehen können.

Einen Anfang macht die Analyse von großen Datenmengen auf Basis der Big-Data-Analyseplattform Pivotal HD. Pivotal HD integriert Open-Source-Komponenten mit einem proprietären optimierten Lademechanismus, Datenbankdiensten und einer übergeordneten Managementschicht.

Weiter ist ein transaktionsorientiertes Modul ("Pivotal Transactions") auf Basis der In-Memory-Technologie von Gemfire geplant. Bei In-Memory werden die zu analysierenden Daten direkt in den Arbeitsspeicher geladen, was die Analyse erheblich beschleunigt. Gemfire war auf Software für Echtzeithandel an der Börse spezialisiert, eine Anwendung, die höchste Geschwindigkeit und Präzision verlangt. Module für andere Datentypen sollen folgen.

Außerdem plant EMC weltweit spezielle Zentren (Pivotal Labs), wo fachkundige Vertreter von Kundenunternehmen gemeinsam mit EMC-Mitarbeitern neue Applikationen zusammenzimmern. "Wegen des direkten Kontakts zwischen Kunde und Programmierer brauchen wir viel weniger Zeit als mit den üblichen Methoden", erklärte Maritz.

Am bedeutendsten für EMC-Kunden könnte allerdings eine weitere Neuerung werden: Zumindest in seinen offiziellen Verlautbarungen verabschiedet sich EMC endgültig von dem Modell, seinen Kunden auf Biegen und Brechen eine geschlossene EMC-Umgebung – von der Speicherhardware bis zur Applikation – zu verkaufen. Das deutete sich zwar schon bei der autonom agierenden VMware an, wird aber nun zum Prinzip erhoben: Kunden sollen sich frei entscheiden können, ob sie nur EMC-Speicher, nur VMware-, nur Pivotal-Produkte oder jede beliebige Mischung dieser Komponenten mit den Produkten von Drittherstellern einsetzen. Offene Schnittstellen sorgen für entsprechende Integrationsmöglichkeiten. "Wir sehen, dass ein durchgängiger Stack durchaus Vorteile bietet, aber der Kunde soll die freie Wahl auf jeder Ebene haben, auch wenn das für uns zunächst unbequemer ist", erläuterte Maritz. ARIANE RÜDIGER

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