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Samstag, 17. Februar 2018

Software

ERP-Markt in Bewegung – Microsoft setzt auf die Cloud

Von Sven Hansel | 22. November 2013 | Ausgabe 47

Lange Zeit bestimmte eine Konsolidierungswelle den Markt für betriebswirtschaftliche Software (ERP). Durch Cloud-Computing einerseits und Skandale wie PRISM andererseits hat sich der Wind jedoch gedreht: Kleine Anbieter sind wieder stärker gefragt, große Anbieter feilen noch an ihrer Strategie und sind auch vor Rückschlägen nicht gefeit.

Eric Scherer
Foto: i2s

„Der ERP-Markt präsentiert sich viel bunter und breiter als von vielen Experten vermutet.“ Eric Scherer, Geschäftsführer von i2s.

In der jüngeren Vergangenheit galten kleine ERP-Spezialisten bestenfalls als "Enfant terrible". Zwar mit viel Branchenkompetenz gesegnet, aber nicht gerade fit für eine vermeintlich moderne IT: kollaborative Prozesse standen im Hintergrund, und der Cloud gegenüber waren diese Unternehmen nicht unbedingt offenherzig eingestellt.

Doch die jüngste ERP-Zufriedenheitsstudie des Schweizer Analystenhauses i2s zeigt: "Der ERP-Markt präsentiert sich trotz aller Konsolidierungstendenzen viel bunter und breiter als von vielen Experten vermutet", so Eric Scherer, Geschäftsführer von i2s. Obwohl etliche Marktauguren in den vergangenen Jahren immer wieder das große Sterben der kleinen Anbieter prophezeit hatten, gebe es laut Scherer weiterhin jede Menge lokaler Player, die sich gegen die sogenannten "Global Player" behaupten können und in ihrer Summe den Markt letztlich auch dominieren.

Einen Vorteil haben die Großen vor allem dann, wenn es um die internationale Expansion bei den Kunden geht, zeigt die i2s-Studie. Oft komme es vor, dass das deutsche Hauptquartier ein führendes System, etwa SAP, einsetzt, die lokalen Niederlassungen allerdings eigene, landestypische Anbieter präferieren.

Das mag für die Funktionalität und die Branchentiefe durchaus in Ordnung gehen, effizient und kostenbewusst ist ein solcher ERP-Zoo indes nicht. CIOs stünden deshalb oftmals vor der Herausforderung, ihre unterschiedlichen ERP-Systeme zu vereinheitlichen, um Kosten zu senken und Prozesse zu beschleunigen. Global verfügbare ERP-Systeme wie die von SAP, Microsoft, IFS, Abas und Infor spielen hier ihre Stärken aus und können einheitliche, rechtlich konforme Systeme in mehreren Dutzend Ländern anbieten.

Laut Studie bleibt der deutsche ERP-Markt weiterhin primär ein lokaler Markt, und kleine ERP-Anbieter haben zufriedenere Kunden. Der hiesige Mittelstand verhandle am liebsten auf Augenhöhe mit einem gleichwertigen Partner. Wie aber reagieren die großen Anbieter auf die deutlich kleineren, aber offensichtlich agileren Wettbewerber? Microsoft versucht es aktuell gleich an drei Fronten: Erstens fokussiert der IT-Multi sein Partnergeschäft und lässt seine mittelständischen ERP-Partner primär auf den deutschen Mittelstand, also das Gros der Kunden, zugehen.

Zweitens setzt der US-Softwarehersteller auf neue Branchenlösungen, die er jüngst auf seiner Kundenmesse "Convergence" in Barcelona präsentiert hat: "Diejenigen für Fertigung und Retail etwa haben das Potenzial, sich auf dem Markt zu behaupten", so Ralf Korb, Director Market Intelligence & Research bei i2s.

Und drittens setzt Microsoft voll auf seine Technologie. So bekommen Kunden, die etwa das Cloud-Produkt Microsoft Office 365 nutzen, einen Preisnachlass bis in das Frühjahr kommenden Jahres von bis zu 40 % für eine Professional-Lizenz von Microsoft Dynamics CRM Online.

"Außerdem werden wir versuchen über neue Services, wie etwa mobile Apps, verstärkt die Unternehmen zu erobern", sagt Wayne Morris, Corporate Vice President bei Microsoft. Des weiteren kündigte Microsoft an, dass sich das nächste Major-Release der ERP-Lösung Dynamics AX dann endlich auch als mandantenfähige ERP-Software in einer Public Cloud auf der Azure Plattform einsetzen lässt. Dies versprach Kirill Tatarinov, globaler Boss des Microsoft ERP-Bereichs, für das Jahr 2015.

Jürgen Rose, Deutschland-Chef der ERP-Sparte von Microsoft, bestätigt, dass hiesige Kunden dieser Form der ERP-Nutzung zwar noch überwiegend die kalte Schulter zeigten, aber Branchenkenner und Analysten wie Ralf Korb sehen hier einen Ansatz durch das Partnergeschäft: "Ich nenne das die Datenfestung Deutschland: Es wird Aufgabe der Partner sein, hochsichere Datenzentren auf deutschem Boden aufzuziehen, wie sie die SAP bereits hat. Dann wird auch die Zurückhaltung der mittelständischen Anwender abnehmen und ERP aus der Cloud in Deutschland eine höhere Akzeptanz erzielen", so der Softwareexperte.

Dabei dürfte dem US-Giganten ebenfalls in die Karten spielen, dass SAP jüngst angekündigt hat, sein rein Cloud-basiertes ERP "Business by Design" wenn auch nicht zu stoppen, so doch massiv Ressourcen aus dem Projekt abzuziehen und sich stärker auf seine "HANA"-Plattform zu fokussieren. Nach unbestätigten Angaben hat das Walldorfer Unternehmen für dieses Projekt bis zu 2 Mrd. $ an Entwicklungskosten hingeblättert. "Durch diese kurzzeitige Unruhe auf dem Markt wird nicht nur Microsoft möglicherweise profitieren", prognostiziert Korb. Und sicher auch die kleinen ERP-Spezialisten, für die offenbar mal wieder viel zu voreilig das Totenglöckchen geläutet wurde. SVEN HANSEL

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