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Samstag, 23. Februar 2019

Kraftstoff

EU-Energiekommissar Oettinger will Biokraftstoffe streng auf ihre Nachhaltigkeit überprüfen lassen

Von Thomas A. Friedrich | 18. Juni 2010 | Ausgabe 24

Biokraftstoffe: Mit der Einführung eines Zertifizierungssystems will EU-Energiekommissar Günther Oettinger sicherstellen, dass auch außerhalb der Europäischen Union (EU) erzeugte Biokraftstoffe als Ersatz für Benzin oder Diesel ausschließlich aus nachhaltigen Quellen stammen.

Für Biokraftstoffexporteure aus Drittstaaten wie Brasilien oder Indonesien stellt die EU Kommission hohe Hürden auf. "Es werden nur Biokraftstoffe zur Einfuhr in die EU zugelassen, die Treibhausgaseinsparungen von mindestens 35 % gegenüber herkömmlichen Otto- oder Dieselkraftstoffen aufweisen", präzisierte Oettinger in Brüssel vor der Presse. Dieser 2011 geltende Wert soll bis 2017 gar auf 50 % ansteigen.

In die Berechnung sollen dann neben CO2 auch die noch schädlicheren Treibhausgase Methan und Stickstoffoxid einfließen. Derzeit entfallen auf den Verkehrs- und Transportsektor mehr als 20 % der EU-Treibhausgasemissionen.

2009 legte die EU in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie, die im Dezember diesen Jahres in Kraft tritt, als Zielmarke für das Jahr 2020 einen Anteil von 20 % des Gesamtenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen fest. Der Verkehrssektor soll dazu einen Beitrag von 10 % leisten. Bioethanol aus Zucker- oder Getreidepflanzen hergestellt sowie Biodiesel aus Pflanzenölen gewonnen, deckten 2008 rund 3,4 % des Kraftstoffverbrauchs in der EU. Derzeit stammen etwa 26 % des Biodiesels und 31 % Bioethanols aus Importländern wie Brasilien und den USA.

"Wir wollen eine Prüfung des Herstellungsprozesses von der Scholle bis zur Zapfsäule am europäischen Markt gewährleisten", sagt Oettinger. Mit dem weltweit strengsten Zertifizierungssystem will die EU mit ihren Biokraftstoffen die höchsten Umweltstandards erfüllen.

Dem Energieexperten der Grünen im Europäischen Parlament, Claude Turmes, mutet der Vorschlag dennoch als "Grünfärberei" an. Die EU-Kommission lasse die indirekten Umweltfolgen von Biospritanbau durch Landumwidmung und die dadurch sich verändernden Klimabilanzen außer Acht, argumentiert er. Derartige Ökobilanzen aus geänderter Landnutzung will Oettinger bis Ende 2010 vorlegen. THOMAS A. FRIEDRICH