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Donnerstag, 21. März 2019

Sekundärrohstoffe

EU schützt mit Elektroschrottrecycling ihr heimisches Wertstoffpotenzial

Von Ralph Ahrens | 3. Februar 2012 | Ausgabe 5

Die EU erhöht schrittweise die Sammelquote alter Elektro- und Elektronikgeräte und erschwert die illegale Ausfuhr von E-Schrott als gebrauchsfähige Altgeräte. Der EU-Parlamentarier Karl-Heinz Florenz spricht aber auch von unnötigem bürokratischen Aufwand vor allem für kleine Elektrogerätehersteller.

"Künftig müssen sich alle Mitgliedstaaten bei der Sammlung von Elektroschrott mehr anstrengen", betonte Karl-Heinz Florenz. Der CDU-Abgeordnete im EU-Parlament hat dort als Berichterstatter das Dossier für die künftige Elektro- und Elektronikaltgeräterichtlinie (WEEE) vorbereitet und die Verhandlungen mit dem Umweltrat geführt. In zehn Jahren werden die meisten Altgeräte in der EU eingesammelt und recycelt, hofft Florenz, denn es handele sich schließlich um wertvolle Rohstoffe, nicht um Müll.

Die vom Europäischen Parlament am 19. Januar beschlossene Novellierung der WEEE-Richtlinie wird nach Ansicht von Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) helfen, "den massenhaften illegalen Export von Altgeräten in Länder der Dritten Welt einzudämmen". Dort würden Geräte oft unsachgemäß zerlegt, was die Gesundheit der Menschen und die Umwelt unnötig belaste, ergänzte Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). Zudem könne sich die EU den Abfluss der in den Altgeräten enthaltenen Metalle nicht länger leisten, so Kurth. "Diese Materialien müssen recycelt und der Industrie als hochwertige Sekundärrohstoffe wieder zur Verfügung gestellt werden."

Zurzeit verschwinden nach Angaben des Umweltbundesamts jährlich rund 1,6 t Silber, 300 kg Gold und 120 kg Palladium durch unrechtmäßige Ausfuhren von Elektroschrott aus Deutschland. Das kann sich nun mit der Umkehr der Beweislast ändern, die die EU ab 2014 für die Ausfuhr gebrauchter Altgeräte einführt. Firmen, die alte Geräte in afrikanische, asiatische oder lateinamerikanische Länder ausführen, müssen dann nachweisen, dass sie funktionstüchtig sind und etwa in Afrika für den Gebrauch bestimmt sind.

In der EU fallen je Bürger derzeit jährlich etwa 20 kg Elektroschrott an. Davon muss laut der derzeit geltenden Richtlinie in jedem EU-Staat 4 kg pro Kopf eingesammelt werden. 2008 erfüllten 17 Staaten diese Vorgabe. Deutschland hatte in jenem Jahr knapp 700 000 t eingesammelt, das entspricht pro Bürger rund 8 kg.

Ab 2016 erhöht die EU die Sammelquote deutlich und ändert zugleich deren Berechnungsgrundlage. Die Quote bezieht sich dann nicht mehr – wie zurzeit – auf die Gewichtsangabe pro Bürger, sondern auf die Zahl der in den jeweils vergangenen drei Jahren verkauften Neugeräte. Von 2016 bis 2018 muss eine Zahl alter Geräte gesammelt werden, die 45 % der in den drei Jahren zuvor verkauften Neugeräten entspricht. Die Zielvorgabe dürfte Deutschland leicht erreichen, denn laut Informationen des Bundesumweltministeriums werden heute bereits etwa 40 % aller verkauften Geräte wieder eingesammelt.

Ab 2019 erhöht die EU die Vorgabe schließlich auf 65 % aller drei Jahre zuvor verkauften Geräte. EU-Staaten können auch wählen, 85 % aller tatsächlich anfallenden Elektroaltgeräte zu sammeln. Acht osteuropäische EU-Staaten sowie Malta und Zypern erhalten zwei Jahre mehr Zeit, die Vorgaben zu erfüllen.

Um Mobiltelefone, Rasierer und andere Kleingeräte besser zu erfassen, bietet die EU eine bürgerfreundliche Regelung an. Geschäfte, die vergleichbare Kleinstgeräte verkaufen, sollen solche unabhängig von einem Neukauf zurücknehmen müssen. Die dafür aufzustellenden Sammelboxen sind für Geräte mit einer Kantenlänge bis 25 cm vorgesehen. Die Pflicht gilt nur für Geschäfte ab einer Ladenfläche von 400 m². Denn auch bei Kleinstgeräten gehe es letztlich um wertvolle Rohstoffe, erklärte Peter Liese, EU-Parlamentarier der CDU, und nennt seltene Erden in Energiesparlampen als Beispiel. Liese: "Der Preisanstieg für die Einfuhr seltener Erden hatte dazu geführt, dass Energiesparlampen teurer wurden."

Nach Schätzungen des BVSE landen allein in Deutschland mehr als 140 000 t an kleinen Elektrogeräten in Mülltonnen statt in Recyclinganlagen – das sind rund 1,75 kg pro Person.

Die künftigen Vorgaben können zwar dazu führen, dass mehr Rohstoffe in der EU recycelt werden, nach Ansicht von Florenz wäre aber noch mehr möglich gewesen. In den Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament habe dafür jedoch "der europäische Geist" gefehlt. Großbritannien, Italien und Polen hätten sogar damit gedroht, die Verhandlungen platzen zu lassen.

Den EU-Parlamentarier ärgert darüber hinaus auch der unnötige Bürokratieaufwand. Ein kleiner Lampenhersteller müsse sich z. B. jetzt in jedem Land, in dem er seine Lampen verkauft, bei einer Registrierungsstelle anmelden – in Deutschland bei der Stiftung Elektro-Altgeräte-Register (EAR) in Nürnberg. Diese Registrierungsstellen sollen sicherstellen, dass Rücknahme und Recycling durch die Hersteller der Geräte auch finanziert wird. Dem EP hätte eine EU-weite Registrierung pro Firma genügt. Die EU-Saaten verlangten aber einen Rechtssitz in jedem Land. Der Kompromiss: Jede Firma braucht in einem Land einen Rechtssitz und in allen anderen EU-Ländern Rechtsvertreter.   RALPH AHRENS