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Donnerstag, 21. März 2019

Energiemanagement

Effizienzmaßnahmen rechnen sich langfristig

Von Robert Donnerbauer | 3. Februar 2012 | Ausgabe 5

Energieeffizienz ist das Gebot der Stunde. Doch was tun? Unternehmen stehen hier vor einem großen Angebot. So empfiehlt sich der Einsatz eines Energiemanagementsystems und die Qualifizierung von Mitarbeitern zu Energiemanagern. Vorbilder können motivieren und Anregungen geben. Schließlich kann auch Contracting ein Ansatz sein.

In Industrie und Wirtschaft gibt es erhebliche Möglichkeiten, Energie effizienter zu nutzen, konstatiert das Bundesministerium für Umwelt (BMU). So könnten 20 % bis 40 % des Energieverbrauchs der Industrie zu wirtschaftlich vernünftigen Bedingungen bis 2020 eingespart werden.

Es gibt keinen Grund abzuwarten. Denn die Deutsche Energie-Agentur GmbH (Dena) geht davon aus, dass die Strompreise aufgrund der Energiewende bis 2020 um rund 20 % steigen werden. Die jüngsten Preiserhöhungen vieler Stromanbieter seien ein Zeichen für einen langfristigen Trend. Auch Industrie- und Gewerbebetriebe müssten daher verstärkt Effizienzprogramme realisieren, da in diesen Sektoren über die Hälfte des Stroms in Deutschland verbraucht werden.

In den Querschnittstechnologien könnten branchenübergreifend hohe Energieeinsparpotenziale erzielt werden, so die Dena: 70 % in der Beleuchtung, 50 % bei der Druckluft, je 30 % bei Pumpensystemen, den Kälte- und Kühlwasseranlagen sowie der Wärmeversorgung und 25 % bei Lüftungsanlagen.

"Nur wenn wir konsequent Energie sparen, ist die Energiewende überhaupt zu schaffen", sagt Stephan Kohler, Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung. "Das ist in der politischen Diskussion noch nicht angekommen. Hier wird viel zu eng nur auf die erneuerbaren Energien geschaut."

Doch wie sollten Unternehmen dabei vorgehen? Grundsätzlich gilt es, sich zunächst einen systematischen Überblick über Energieverbräuche und -kosten im eigenen Unternehmen zu verschaffen. Kohler: "Ein Energiemanagementsystem bietet besonders gute Möglichkeiten zur kontinuierlichen Erfassung und Bewertung von Energieverbräuchen. Auf dieser Grundlage lassen sich Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung ermitteln, umsetzen und kontrollieren."

Das Thema ist nicht neu. Nur bei der Umsetzung stehen besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Investitionen in Energieeffizienz nach wie vor in Konkurrenz zu anderen Ausgaben, die das eigentliche Kerngeschäft betreffen, berichtet Kohler.

"In einer solchen Situation entscheiden sich viele Unternehmen dann dafür, Investitionen in Energieeffizienz zurückzustellen – obwohl sich gerade diese Ausgaben nach Erfahrungen der Dena in kurzer Zeit durch eingesparte Energiekosten amortisieren können", weiß der Dena-Chef.

"Gerade in KMU wird bei Investitionsentscheidungen oftmals eine sehr kurze Amortisationszeit vorausgesetzt. Dadurch stehen Maßnahmen, die sich eher mittelfristig amortisieren, häufig nicht im Fokus", erklärt Kohler. "Daneben fehlt es in vielen Unternehmen oftmals auch an personellen Kapazitäten oder entsprechendem fachlichen Know-how zur Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen."

Auf dem Markt bieten hier vielfältige Anbieter Hilfe an, vom Beratungsunternehmen bis zum Stromlieferanten bzw. Energieanbieter. Es finden sich Begriffe wie Netzwerk oder Interessengemeinschaft, Energieallianz oder Effizienzallianz. Gerade KMU sollten prüfen, ob sie die Kriterien für eine durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geförderte Initial- und Detailberatung durch einen Energieberater erfüllen, rät Kohler.

Nach Angaben des Dena-Chefs würden bis zu 80 % der Kosten für die Initial- und Detailberatung aus Mitteln des "Sonderfonds Energieeffizienz in KMU" bezuschusst. "Eine Initialberatung dient der Identifizierung der größten Einsparpotenziale, es werden erste Maßnahmen zur Effizienzsteigerung herausgestellt. Im Rahmen der mehrtägigen Detailberatung wird dann ein spezifischer Maßnahmenkatalog zur Hebung von Einsparpotenzialen erarbeitet", so Kohler.

Auf Information und Qualifizierung setzt die Partnerschaft für Klimaschutz, Energieeffizienz und Innovation von BMU, BMWi und Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Ziel ist es, die Energieeffizienz zu verbessern und den technologischen Fortschritt zu fördern. Dazu sollen die Motivation und die Bereitschaft der Unternehmen für verstärkten Klimaschutz und für eine deutliche Erhöhung der Energieeffizienz mobilisiert werden.

Dazu geht ein Energiecoach der IHK auf die Situation des Unternehmens ein und weist auf Möglichkeiten einer Energieeffizienzberatung sowie auf passende Förderprogramme, Informationsveranstaltungen und Qualifizierungsmaßnahmen hin. So können die Unternehmen selbst aktiv werden, indem sie im Rahmen der Qualifizierungsoffensive Mitarbeiter zu Energiemanagern fortbilden lassen. Maßnahmen, die aus diesen Lehrgängen resultierten, hätten bereits CO2-Emissionen in Höhe von durchschnittlich knapp 300 t eingespart – pro Unternehmen und Jahr.

Im Rahmen der Partnerschaft hat sich bereits die Gruppe "Klimaschutz Unternehmen" etabliert. Die Mitglieder wollen eine Vorreiterrolle übernehmen und "als Botschafter andere Unternehmen davon überzeugen, dass sich Klimaschutz auszahlt". So erklärt Hans-Jochen Beilke, Geschäftsführer der ebm-papst Gruppe: "Wir sehen Klimaschutz als ganzheitliche Unternehmensaufgabe und handeln nach der Formel: Energieeffizienz + Innovation = Zukunft."

Contracting sei gerade für KMU ein interessanter Ansatz zur systematischen Senkung von Energieverbrauch und -kosten, betont Kohler. Ein spezialisierter Energiedienstleister übernimmt für die KMU Betrieb und Optimierung von Anlagen, Finanzierung und Umsetzung von Effizienzmaßnahmen. "Das Unternehmen tätig keine Investitionen und muss deutlich weniger eigene Personalressourcen aufbringen. Die Refinanzierung erfolgt über die Energieeinsparung (Energiespar-Contracting) oder die Abrechnung der gelieferten Energie (Energieliefer-Contracting)."

 ROBERT DONNERBAUER

www.industrie-energieeffizienz.de