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Donnerstag, 23. November 2017, Ausgabe Nr. 47

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Automobil

Ein Testlabor für autonome Autos

Von Harald Weiss | 6. Februar 2015 | Ausgabe 06

Eine Stadt in der Nähe von Detroit hat soeben einen groß angelegten Übungsparcours für autonome Autos in Betrieb genommen. Das Gelände lässt sich flexibel mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden bestücken und verfügt über neueste Infrastruktur-Sendeeinrichtungen, die direkt mit den Fahrzeugen kommunizieren können.

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Foto: University of Michigan

Mit Dummys werden auf dem Testgelände in Ann Arbor Personenerkennungssysteme getestet – jedoch nur in abgesperrten Gebieten.

Die Stadt Ann Arbor im US-Staat Michigan erstellt mit ihrer Universität einen 13 ha großen Übungsplatz für autonome Autos, der im Frühjahr 2015 in Betrieb gehen wird. Damit soll der Autoindustrie, den Hochschulen und anderen Instituten eine von der Öffentlichkeit abgeschottete Fläche angeboten werden, auf der die vielen noch ungelösten Probleme des autonomen Fahrens unter Laborbedingungen weiter erforscht werden können.

Mobility Transformation Center, kurz MTC

„Dieses Gelände ist einmalig in der Welt, hier kann getestet werden, was im öffentlichen Straßenverkehr zu gefährlich wäre“, sagt Peter Sweatman, Chef des neuen Mobility Transformation Centers (MTC), über die Motive für das neue Testgelände. Damit spricht er direkt eines der größten Probleme bei der gegenwärtigen Weiterentwicklung von autonomen Autos an, dass nämlich alle Feldversuche bislang praktisch nur Schön-Wetter-Versuche sind. Sobald die Straßenmarkierung oder die Verkehrsschilder mit Schnee oder Straßenschmutz bedeckt sind, versagt die Erkennungs- und Steuerelektronik der selbstfahrenden Autos. Und auch ganz normale Tunnel oder ein paar Baustellenmarkierungen können diese Fahrzeuge bereits schachmatt setzen.

„Es gibt zwar schon viele Informationen über den Betrieb von autonomen Autos auf öffentlichen Straßen, doch diese Informationen bringen die Industrie nicht mehr weiter, da man auf öffentlichen Straßen keine Sicherheitsrisiken eingehen kann“, sagt Sweatman über den Stand der aktuellen Entwicklungen.

Bislang habe man dazu Parkhäuser und -plätze angemietet, doch das sei inzwischen ausgereizt, da man hier nur ein begrenztes Spektrum an unterschiedlichen Verkehrssituationen ausprobieren könne.

Folglich lassen sich die Straßen im neuen MTC künstlich verschmutzen oder mit mobilen Verkehrsregelungen, wie bei einer Tagesbaustelle, versehen. Auch Fußgänger und Radfahrer lassen sich mit Dummys auf Rollen ferngesteuert simulieren. Sogar die Gebäudewände können wie bei großen Hollywood-Studios verändert und verschoben werden. So wird aus einer Parkgarage in kürzester Zeit eine Feuerwehrausfahrt oder eine Schule. Eines der größten Probleme für autonome Autos ist der Schilderwald. „Die Verkehrszeichenerkennung ist noch eine besondere Herausforderung. Denken wir nur daran, dass Schilder bei Sturm stark wackeln können, manche Zeichen einfach auf die Straße gemalt sind“, sagt Professor Ryan Eustice von der University of Michigan, der maßgeblich am Design des Übungsgeländes beteiligt war.

Deshalb ist der Campus auch mit einer sogenannten „Smart Infrastructure“ ausgestattet. Das heißt, dass die zur Verkehrssteuerung notwendigen Informationen nicht nur optisch angezeigt werden, sondern auch elektronisch übertragen werden. So senden Ampeln ihre aktuelle Farbe und die verbleibende Zeit bis zum Umschalten. Wichtige Verkehrsschilder wie Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Fußgängerüberwege warnen herannahende Autos frühzeitig elektronisch.

Einer der ersten Nutzer dieses Geländes ist das Unternehmen Ford, das schon lange eine intensive Kooperation mit der University of Michigan auf dem Gebiet der autonomen Autos betreibt. Auch am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist man am MTC interessiert. „Die gegenwärtigen Kontrollalgorithmen müssen noch unter extremen und repetitiven Bedingungen getestet werden, was im öffentlichen Straßenverkehr nicht möglich ist – hier schafft der neue Campus ausgezeichnete Bedingungen“, sagt MIT-Professor John Leonard, der schon 2010 an der Entwicklung der ersten Algorithmen für autonome Autos beteiligt war.

Das MTC setzt die Bemühungen der Stadt Ann Arbor fort, bei der Weiterentwicklung von autonomen Autos eine führende Position einzunehmen. Schon vor zwei Jahren startete man ein Pilotprojekt mit der Kommunikation zwischen Infrastrukturkomponenten und Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen. Seitdem wurden über 3000 Fahrzeuge ausgestattet. „In Zukunft müssen alle Transporteinrichtungen über ein einheitliches Netzwerk verbunden sein“, sagte Fords Executive Chairman Bill Ford jüngst auf einer Veranstaltung zu diesem Thema. Dabei geht es ihm nicht nur um autonome Autos und deren Informationsbedarf, sondern auch um die gegenwärtige Nutzung der Infrastruktur.  

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