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Samstag, 20. Januar 2018

CeBIT 2010

Ein bisschen Navigation überall  

Von Friedhelm Weidelich | 26. Februar 2010 | Ausgabe 8

Smartphones sind, seitdem Googles Android-Betriebssystem die Navigation integriert, fast über Nacht der Treiber des Navigationsmarkts geworden. Während traditionelle Anbieter wie Navigon ihre Software teuer verkaufen, verschenkt Handyhersteller Nokia die Applikation und sucht wie die Netzbetreiber noch Geschäftsmodelle. VDI nachrichten, Düsseldorf, 26. 2. 10, rb

Halbleere Hallen 14 und 15, in denen die Navigationsspezialisten zusammengerückt sind, wird es diesmal auf der CeBIT nicht geben. Mit neu strukturierter Ausstellungsfläche erfindet sich die CeBIT wieder neu und firmiert den Navigations- und Telematikmarkt um: "CeBIT Destination ITS" bezeichnet der Plan die Halle 7, ITS ist das Kürzel für Intelligent Transport Systems and Services.

Das umfangreiche Vortragsprogramm "CeBIT in Motion" kann nur notdürftig kaschieren, dass sich die klassische Navigationsbranche von Hannover verabschiedet hat. Garmin, Navigon und Falk fehlen, Tomtom ist nur mit seiner Logistiksparte Tomtom Works vertreten.

Die wesentlichen Entwicklungen im Geschäft mit der Navigation spielen sich jenseits der CeBIT ab. Seitdem Google im November 2009 mit seinem kostenlosen Programm Google Maps Navigation in Smartphones mit dem hauseigenen Android-Betriebssystem vordrang, entwickelt sich der Navigationsmarkt sprunghaft in eine neue Richtung.

Zwar funktioniert die Google-Navigation bisher nur in den USA, doch Handyweltmarktführer Nokia sah sich genötigt, etwas zu verschenken, was ursprünglich ein Drittel seiner Umsätze ausmachen sollte: die Handynavigation. Der für 5 Mrd. € eingekaufte Kartenhersteller Navteq sollte mit mobilen Diensten viel Geld einspielen. Nun bietet Nokia Ovi-Maps in seinem Store kostenlos an und überrascht mit zusätzlicher Fußgängernavigation, und das in 74 Ländern.

"Wir sind weltweit das einzige Unternehmen, das mobile Navigation für Autofahrer und Fußgänger auf der ganzen Welt anbietet", sagt Anssi Vanjoki, Executive Vice-President von Nokia. "So muss man keine Karten kaufen, wenn man sich nur wenige Tage in einem anderen Land aufhält." Der Clou: Die Navigationshilfe funktioniert auch offline.

"Diese kostenlose Verfügbarkeit hochwertiger Karten wird die Navigationsbranche verändern", glaubt Thilo Koslowski, Vice-President Automotive and Vehicle ICT bei Gartner. "Solche Angebote werden den Massenmarkt beschleunigen und den Fokus auf ortsbezogene Dienste richten, die die gewöhnliche Routenführung ergänzen."

Nokia integrierte folgerichtig den Reiseführer Lonely Planet und den Michelin-Restaurantführer. Auch wenn nur zehn Nokia-Modelle bisher für Ovi Maps taugen, sollen jetzt alle neuen GPS-fähigen Smartphones mit dem Programm ausgeliefert werden und den Netzbetreibern mehr Umsatz mit Verträgen für die Datenkommunikation bringen, die für Zusatzfunktionen unerlässlich ist.

Mit einer sogenannten Offboard-Navigation wollen O2 und Vodafone punkten. Karten werden nur für die gewählte Route auf das GPS-fähige Handy geladen. O2 nutzt dazu eine Lösung der israelischen Telmap, die auf den Betriebssystemen Android, Blackberry, Symbian und Windows Mobile läuft. Vodafone nutzt für eine Handvoll europäischer Länder die Karten von Tele-Atlas und bietet an, die Position und Kartenverlinkung zu versenden. Entwickler können weitere Verknüpfungen herstellen.

CeBIT fürs Smartphone

Bei Apples iPhone ist man etwas weiter. In den überaus beliebten iPhone-Apps gibt es demnächst für stolze 75 € eine verbesserte Navigon-Routenführung mit mehreren Routenvorschlägen wie auf den separaten Navis der Firma. Aber nur mit dem iPhone können über die Navigon-Software Twitter- und Facebook-Nutzer ihren Standort, Ziel und Ankunft den Communitys mitteilen.

Auch Android-Nutzer können noch im Frühjahr mit einer ähnlichen Navigon-Software rechnen. Geräteanbieter Mio, einer der wenigen CeBIT-Aussteller, zeigt auf dem Stand B11 in Halle 17 sein Moov V780, das online Communitys und Google Maps einbindet, aber auch Video- und TV-Unterhaltung bietet.

Die Hochschule Darmstadt zeigt in Halle 9, Stand C22, die ressourcenschonende Android-Anwendung mobileOTP, mit der sich die Mitglieder von Wandergruppen und Vereinen unterwegs lokalisieren können. So geht im Gelände und in der Großstadt niemand mehr verloren. FRIEDHELM WEIDELICH

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