Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Samstag, 17. Februar 2018

Antriebstechnik

Elektromobilität bewegt mehr als "nur" Neuwagen

Von Carmen Klingler-Deiseroth | 22. November 2013 | Ausgabe 47

Bei den Herstellern von Elektromotoren etablieren sich zunehmend Geschäftsfelder für mobile elektrische Antriebslösungen. Sie erstrecken sich von speziell entwickelten Motoren über Kombinationen mit Leistungselektronik bis hin zu kompletten Antriebssystemen für Fahrzeuge jeglicher Art. Interessenten können den aktuellsten Stand der Technik auf der diesjährigen SPS/IPC/Drives in Nürnberg begutachten.

Containerlader
Foto: Linde

Elektrohydraulik ersetzt Dieselmotor: Beim Containerlader „Cargo Master CML7 Green Line“ übernehmen zwei 25-kW-Elektromotoren von Linde den Primärantrieb.

Dem Trend der Elektrifizierung von Fahrzeugen kann sich ein Hersteller von Elektromotoren für die Industrie kaum entziehen. Wer hier nicht mitarbeitet, verspielt den Aufbau von Kompetenzen. Auch wenn es noch viel zu erklären und zu diskutieren gibt, das Geschäft mit dem Umrüsten von Fahrzeugen auf Elektroantrieb kommt in Fahrt.

Der Fantasie für elektromobile Anwendungen sind im Grunde keine Grenzen gesetzt. Denn wie Maik Manthey, Leiter des Geschäftsbereichs New Business & Products bei Linde Material Handling in Aschaffenburg, sagt: "Elektromobilität ist mehr als nur ein Pkw." Das Unternehmen stellt seit über 40 Jahren Elektrostapler her und nutzt nun seine Erfahrungen mit der elektrischen Antriebstechnik für elektromobile Anwendungen, die sukzessive in den vergangenen zwei Jahren vorgestellt wurden.

Dazu gehören eine elektrisch betriebene Droschke, die eigenen Aussagen zufolge mittlerweile ein Seriengeschäft ist, ein Zweiwege-Rangierfahrzeug, ein Containerlader für den Flughafenbetrieb, das Konzeptfahrzeug MicroMax und eine Kehrmaschine. Hervorzuheben ist laut Linde noch das Umrüsten von herkömmlichen Pkw mit Verbrennungsmotoren auf Elektromotoren. Mit einem Staplermotor, Leistungselektronik und einer Steuerung im Antriebssystem Eco-Kit, das in den drei Größen S, M und L konzipiert wurde, sollen mobile Fahrzeugideen in kurzer Zeit zum Prototyp werden. "Wir müssen mit dem Eco-Kit nicht mehr zeigen, dass die Antriebslösung funktioniert. So kommen wir in Gesprächen schneller zu Themen, was noch alles möglich ist", kommentiert Manthey die standardisierte Entwicklung.

Seine Erfahrungen mit elektrischen Antriebssystemen für Gabelstapler und anderen Flurförderzeugen nutzt auch ABM Greiffenberger in Marktredwitz. "Wir konzentrieren uns auf Fahrantriebe für Leichtkraftfahrzeuge im kommunalen Bereich", sagt Rüdiger Herbst, Leiter des Geschäftsbereichs Mobile Antriebstechnik. Für dieses Segment hat ABM Greiffenberger einen Asynchronmotor als wirtschaftliche Alternative zum Permanentmagnet-Synchronmotor entwickelt. Aber auch beim Geschäft der Elektrifizierung von Nebenaggregaten will das Unternehmen mitmischen und hat hierfür einen speziellen Permanentmagnet-Synchronmotor entwickelt: "Das Rotordesign mit eingebetteten Hochleistungsmagneten erlaubt es, auf Sensoren für die Position des Rotors zu verzichten", erläutert Herbst die Besonderheit der Entwicklung.

Nicht nur Hersteller elektrischer Antriebe für Gabelstapler sehen in der Elektromobilität neue Geschäftsfelder, auch Hersteller von Industriemotoren positionieren sich in der Elektromobilität, beispielsweise AMK Arnold Müller in Kirchheim unter Teck. Die Umgebungsbedingungen für mobile Elektromotore wie Hitze und Kälte, Stöße und Vibrationen, Schmutz und Regenwasser erscheinen im ersten Moment zwar herausfordernd. Aber, wie Alfred Gause, Mitglied der Geschäftsleitung von AMK Arnold Müller, sagt: "Dichtheitsklassen, Vibrationsbeständigkeiten, Drehzahlanforderungen und Dynamikanforderungen müssen wir auch für Industriemotoren abbilden können.

Daher sind die Anforderungen für E-Fahrzeuge mit unserem Komponenten-Baukasten schnell und einfach zu erfüllen." Einen Fokus auf bestimmte Fahrzeuge gebe es nicht. Gause sieht das Geschäft vielmehr im Umrüsten von Pkw und Transportern für den Innenstadtbereich und von Kommunalfahrzeugen – ein zudem schneller und günstiger Weg in die individuelle elektromobile Welt. "Für uns stehen dabei der Motor und die Leistungselektronik im Vordergrund. Unsere Kunden machen daraus dann das System", betont Gause.

Ziehl-Abegg in Künzelsau hat wiederum die Erfahrung gemacht, dass die Entwicklung eines Fahrantriebs alleine nicht ausreichend sein kann und so hat das Unternehmen zusätzlich ein komplettes Achsantriebsmodul entwickelt. "Es gab viele Nachfragen, wie der getriebelose Radnabenantrieb ZAwheel eingebaut werden muss. Daher haben wir auch eine Achse für dieses System entwickelt", sagt Dirk Ostendorp, Technischer Vertrieb und Kundenbetreuung des seit 2012 bestehenden Geschäftsbereichs Ziehl-Abegg Automotive. Die Serienproduktion soll im ersten Quartal 2014 starten, so die Planungen.

Elektromobilität spielt sich allerdings nicht nur auf der Straße ab. Denn auch Schiffe und Boote können von den elektrischen Antriebslösungen profitieren. Das hat Baumüller, Nürnberg, erkannt und setzt auf parallele und serielle Hybridantriebe für die Binnenschifffahrt, für Schlepper oder auch Offshore-Versorgungsschiffe. Elektrische Direktantriebe mit ihren hohen Drehmomenten bei geringen Drehzahlen, hohen Wirkungsgraden und ihrer Integrationsfähigkeit seien hierfür besonders geeignet, heben die Entwickler in Nürnberg hervor.

Auf dem Rhein jedenfalls fährt seit August 2013 das Binnenschiff MS Goblin mit High-Torque-Motoren und einer SPS von Baumüller. Das Unternehmen hat erst kürzlich sein Angebot mit dem Regler "B Maxx" erweitert. Zum Einsatz kommen könne er beispielsweise mit Drehstrom-Scheibenläufermotoren und einem Getriebe als Gesamtsystem in mobilen Anwendungen wie etwa Fluggasttreppen oder Erntefahrzeugen. 
 CARMEN KLINGLER-DEISEROTH

stellenangebote

mehr