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Montag, 22. Januar 2018

Bau

Energetische Sanierung mit Holzbausystemen

Von Notker Blechner | 11. Januar 2013 | Ausgabe 2

Gebäude gehören zu den größten Energieverschwendern in Deutschland. Nachhaltiges Bauen wird daher immer wichtiger. Mit Modernisierung und "Green Buildings" kann der Energieverbrauch drastisch gesenkt werden. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat auf der Umweltmesse Pollutec in Lyon die besten fünf deutschen Forschungsprojekte in diesem Bereich ausgezeichnet.

Wenn Frank Lattke von der TU München über die Modernisierung von Gebäuden diskutiert, spricht er gerne von der "zweiten Chance der Architektur". Die meisten Häuser in Deutschland sind über 40 Jahre alt und fressen enorm viel Energie. Eine nachhaltige Sanierung erhalte nicht nur langfristig die Gebäude, sondern werte auch ganze Stadtquartiere auf.

Der 44-jährige Architekt setzt auf Holz bei der Umrüstung alter Gebäude. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU München leitet er seit 2007 das europäische Forschungsprojekt "TES EnergyFacade". Mit norwegischen und finnischen Partnern entwickeln Lattke und sein Team ein großformatig vorgefertigtes Holzbausystem zur energetischen Dämmung der Gebäudehülle von Altbauten. Lattke will damit eine ökologische Alternative zu den herkömmlichen Methoden der Sanierung mit Styropor oder Mineralwolle schaffen. Entscheidender Vorteil sei die elementierte Bauweise, sagt er.

Bauteile können so vorgefertigt angeliefert werden, dass sie leicht und schnell an Ort und Stelle eingesetzt werden können. Weil die Holzrahmenbauweise leichter als Ziegel- oder Betonkonstruktionen ist, müsse zudem weniger Energie für Herstellung und Transport aufgewendet werden. "Mit der TES EnergyFacade können Baukosten genauer definiert, die Bauzeit vor Ort verkürzt und die Gebäudehülle durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien aufgewertet werden", erklärt Lattke.

Mit dem Einsatz von Holz bei der Gebäudesanierung beschäftigte sich auch das deutsch-französische Forschungsprojekt "Biofoams", das ebenfalls einen German Hightech Champions Award erhielt. Gemeinsam mit der Université Lorraine in Epinal entwickelte das Team von Marie-Pierre Laborie an der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Uni Freiburg einen Schaumstoff aus Tannin, einem Bestandteil heimischer Baumrinde, zur Verwendung als Dämmstoff in Häusern.

Laborie sieht das Biomaterial als umweltfreundliche Alternative zu Dämmstoffen aus Kunststoffen, die auf Erdölbasis produziert werden. Im Gegensatz zu Styropor ist der Dämmstoff aus Baumrinde nicht brennbar. Außerdem weist er eine hohe Elastizität auf, was die Verarbeitung erheblich erleichtert. Es gibt zwar schon ähnliche Schäume aus Baumrinden, diese stammen aber aus tropischen Hölzern.

Als weiterer Champion wurde das Fraunhofer IGD in Darmstadt prämiert. Das Team von Sabine Webel entwickelte zusammen mit dem französischen Forschungsinstitut CSTB eine Lebenszyklus-Gebäude-Karte. Mit dieser lassen sich bei der energetischen Sanierung digitale Gebäudeinformationen erstellen und in 3-D-Modellen darstellen. Dabei nutzt Webel Technologien der Augmented Reality. Durch Überblendung von Aufnahmen mit Bildinformationen "ist es möglich, die geplanten Maßnahmen zum Umbau von Gebäuden an der tatsächlichen Stelle zu visualisieren", erklärt die Forscherin. So kann ein Architekt in der Planungsphase zum Beispiel das Wärmebild einer Wand erstellen und mittels der Erweiterten Realität das Bauelement genau an der richtigen Position platzieren. Bei der Durchführung der Sanierung erkennt ein Handwerker, welche Dämmplatte er dann wo ersetzen muss.

Darüber hinaus wurden zwei Solarprojekte mit dem "Green Buildings"-Preis ausgezeichnet. So erhielt das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung den Award für die Entwicklung eines integrierten Solarsystems, das zum Heizen und Kühlen eingesetzt werden kann.

Das kombinierte System spare Kosten und schone das Klima, erklärte Projektleiter Manuel Riepl. Als fünfter German Hightech Champion wurde das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena für das neuartige Photovoltaik-Konzept "efficient design" prämiert. Das Konzept sieht vor, Solarzellen an der Fassade von Gebäuden als Designmittel einzusetzen. Teamleiter Kevin Füchsel sieht hier auch eine neue interessante Werbemöglichkeit für Firmen.

Die verliehenen Preise "zeigen, dass Deutschland weiterhin ein Innovations- und Kreativitätsstandort ist", sagte Thomas Grigoleit, Chef des Bereichs Erneuerbare Energien bei Germany Trade and Invest. Funktionalität und Kosteneinsparungen im Bereich des nachhaltigen Bauens seien tatsächlich vereinbar mit Design und Ästhetik. NOTKER BLECHNER

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