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Mittwoch, 17. Januar 2018

IAA 2013

Erdgasantriebe bekommen neuen Schub

Von R. Donnerbauer | 20. September 2013 | Ausgabe 38

Kaum ein Hersteller auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt kommt um alternative Antriebe herum. Neben Elektroautos finden dabei auch Erdgasautos wieder mehr Beachtung. Die Reduzierung der CO2-Emissionen, die gewachsene Zahl der Erdgastankstellen sowie die größere Auswahl an verfügbaren Fahrzeugen machen die Modelle mit dem Gasantrieb wieder attraktiv.

Aufbruchstimmung bei den Erdgasfahrzeugen versprühte die diesjährige IAA, vom 12. bis 22. September 2013, in Frankfurt a. Main. Nun soll der Durchbruch für Erdgasfahrzeuge endlich gelingen. Denn in der Vergangenheit kränkelte der Markt für Erdgasautos am klassischen Henne-Ei-Problem. Keine Tankstellen hieß keine Fahrzeuge, keine Fahrzeuge hieß keine Tankstellen – ähnlich wie heute bei der Elektromobilität.

Im April 2002 hatte die deutsche Gaswirtschaft die Fördergesellschaft "erdgas mobil" gegründet mit dem Ziel, bis 2006 in einer ersten Stufe 1000 neue Erdgastankstellen für ein flächendeckendes Tankstellennetz einzurichten. Im Jahr 2010 sollten dann etwa 500 000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland unterwegs sein. Doch der Markt für Erdgasautos dümpelte vor sich hin. Der Zubau an Tankstellen verzögerte sich, die Verkaufszahlen stagnierten. Einige Hersteller der ersten Stunde, ob BMW, Ford oder Volvo, zogen sich im Pkw-Bereich angesichts der geringen Nachfrage aus diesem Marktsegment wieder zurück.

Doch jetzt sieht sich die Branche wieder auf dem Vormarsch. Erdgasbetriebene Fahrzeuge könnten gar eine wichtige Rolle bei der Energiewende im Verkehr spielen. "Wir müssen nicht auf teure Elektroautos warten, wenn wir klimafreundlicher Auto fahren wollen", unterstrich Timm Kehler, Geschäftsführer von Erdgas mobil. "Die Energiewende im Verkehr kann mit Erdgas im Tank angepackt werden. Der Weg ist bereits heute praxistauglich und bezahlbar."

So habe die Branche das einstige Ziel eines flächendeckenden Netzes mit nunmehr rund 920 frei zugänglichen Erdgastankstellen erreicht, versprühte Gerhard Holtmeier, Vorstandsmitglied der Thüga und Aufsichtsratsvorsitzender von Erdgas mobil, zu Beginn der IAA Optimismus. "Das Grundproblem ist gelöst." Die "wenigen weißen Flecken" sollen möglichst bald geschlossen werden. "Wir optimieren". Dabei setze man besonders auf Qualität und ersetze z. B. Tankstellen auf Betriebshöfen. Über 90 % der Erdgasstationen seien mittlerweile in Markentankstellen integriert. Neue Anlagen entstünden vor allem an Autobahnen und Verkehrsknotenpunkten.

Auch die Modellpalette der Serienfahrzeuge wachse kontinuierlich. Neben Opel und Fiat haben Mercedes und die Volkswagen-Gruppe Erdgas-Pkw im Portfolio. Mit dem auf der IAA vorgestellten A3 Sportback g-tron stößt mit Audi zudem eine neue Marke in dieses Segment. So zeigte sich Holtmeier ob der weiteren Marktentwicklung zuversichtlich. Im Juni wurden rund 860 Erdgasfahrzeuge mit dem alternativen Antrieb neu angemeldet. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es insgesamt rund 4300 – damit 1200 mehr als noch im Vorjahreszeitraum.

Treiber für den Zuwachs sei insbesondere der VW eco up, der seit Herbst 2012 auf dem Markt erhältlich ist. Mit Tankkosten von rund 3 € auf 100 km und CO2-Emissionen von 79 g/km stoße der Kleinstwagen bei Autofahrern und Flottenbetreibern auf großes Interesse. Die Nachfrage zeige, wie schnell ein attraktives Fahrzeugangebot – unterstützt durch aktive Marketingmaßnahmen – den Markt beleben kann, so Holtmeier. Durch die Einführung weiterer absatzstarker Modelle wie des VW Golf TGI, des Audi A3 Sportback g-tron oder des Mercedes-Benz B 200 NGD sei zu erwarten, dass sich diese positive Entwicklung weiter fortsetzt.

Insgesamt sind nun rund 95 000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland im Markt. Damit ist man zwar noch weit von dem einstigen Ziel entfernt. Doch die Erwartungen sind hoch. So hält es Holtmeier denn auch unter den neuen Rahmenbedingungen durchaus für realistisch, in zehn Jahren sogar die 1-Mio.-Marke im Bestand zu erreichen.

Angesichts des Zukunftspotenzials von Erdgas als Kraftstoff plädierte Holtmeier dafür, dass sich die neue Bundesregierung rasch dafür entscheiden solle, die bis Ende 2018 garantierte Reduzierung der Energiesteuer zu verlängern, und zwar mindestens bis 2028. Dies würde nicht nur die Investitionssicherheit für Tankstellenbetreiber und die Autoindustrie verbessern, sondern passe auch gut zur Mobilitätsstrategie der Bundesregierung. So würden bereits etwa 20 % des verkauften alternativen Kraftstoffs aus der Bioproduktion stammen, überwiegend produziert aus Gülle, Stroh und anderen Reststoffen – damit bestehe also keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelindustrie. Reines Bioerdgas könne den CO2­Ausstoß um bis zu 97 % reduzieren.

Einen weiteren Aspekt dazu bildet synthetisches Erdgas, das aus überschüssigem regenerativ erzeugtem Strom – insbesondere Windkraft – gewonnen wird. Begleitend zur Markteinführung des neuen A3 Sportback g-tron hat Audi gemeinsam mit dem Energieversorger EWE in Werlte eine Power­to­Gas­Anlage errichtet, die synthetisch hergestelltes Erdgas aus Windenergie produziert – von Audi als "e-gas" bezeichnet. Hierbei wird der Windstrom genutzt, um in einem ersten Schritt per Elektrolyse Wasserstoff zu erzeugen. Dieser wird in einem weiteren Schritt durch Nutzung von CO2 umgewandelt zu Methan.

Die Kapazität in Werlte beträgt derzeit rund 1000 t/a. Wie Luca de Meo, Vorstandsmitglied von Audi, berichtete, sei es rechnerisch möglich, mit dieser Menge 1500 neue A3 Sportback g­tron mit einer Fahrleistung von jährlich 15 000 km zu versorgen. Kunden könnten beim Fahrzeugkauf eine Tankkarte optional dazubestellen. Komme diese bei der Bezahlung zum Einsatz, werde das getankte Erdgas registriert und als Ausgleich "e­gas" ins öffentliche Erdgasnetz eingespeist. "So einfach ist nachhaltige Mobilität", unterstrich de Meo.

"Wir sehen Potenzial für Erdgasfahrzeuge", begründete de Meo die Investitionsentscheidung. "Die Infrastruktur ist gewachsen. Vielleicht können wir dieses Segment jetzt etwas pushen."   R. DONNERBAUER

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