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Donnerstag, 21. März 2019

Datenschutz

Facebook und Google bilden verstärkt Nutzerprofile aus ihren Daten

Von Chr. Schulzki-Haddouti | 3. Februar 2012 | Ausgabe 5

Keine guten Zeiten für den Facebook führt die Timeline für alle verpflichtend ein. Google vereinheitlicht die Datenschutzbestimmungen, um Nutzerdaten in einem Profil zusammenzuführen. Nutzer müssen ihre Daten nun aktiver kontrollieren.

Kurz vor seinem Börsengang führt Facebook wieder eine Neuerung ein, die bei Nutzern bislang auf wenig Gegenliebe stößt: Timeline. Das Layout des Mitgliederprofils wird so verändert, dass alle Einträge auf einem digitalen Zeitstrahl übersichtlich zu sehen sind. Fotos werden dabei besonders hervorgehoben.

Bislang konnten Nutzer das neue Layout freiwillig verwenden, in den nächsten Tagen und Wochen wird es nach und nach für alle freigeschaltet. Nur sieben Tage haben die Nutzer Zeit, um ihre Daten zu durchforsten und zu korrigieren, dann wird die Timeline unwiderruflich freigeschaltet.

Einerseits werden so vergessen geglaubte Kommentare und Meldungen, die man lieber nicht mehr sehen würde, wieder noch oben gespült. Andererseits erfährt der Nutzer so, was Facebook über ihn weiß. Es gibt auch schon eine neue App namens "Timeline Movie Maker", mit der Nutzer einen einminütigen Film aus den Höhepunkten ihrer Inhalte erstellen können.

Das neue Layout dient Facebook vor allem dazu, mehr als 70 Apps, wie die virtuelle Pinnwand Pinterest oder den Musikdienst Spotify, einzubinden. Diese Apps dokumentieren die Aktivitäten der Nutzer an anderen Stellen im Netz. Die bisherigen Privatsphäre-Einstellungen bleiben allerdings erhalten.

Für Datenschützer ist das keine erfreuliche Neuerung. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Johannes Caspar erklärt gegenüber dem "Hamburger Abendblatt", er sehe die größte Gefahr darin, "dass der Nutzer angeregt oder angeleitet wird, aus seiner Vita Daten preiszugeben, die er zuvor nicht preisgegeben hätte". Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte dem "Tagesspiegel": "Mit Timeline überschreitet Facebook die rote Linie zur nahezu lückenlosen Erfassung der Nutzer."

Facebook und die neue Timeline: Zahlen, Fakten und Tipps für den Datenschutz

Eine vom IT-Sicherheitsunternehmen Sophos durchgeführte Umfrage unter über 4000 Facebook-Nutzern ergab, dass 51 % sich vor der Umstellung fürchten, 32 % gaben an, dass sie nicht wüssten, warum sie das soziale Netzwerk noch nutzten. Nur jeweils 8 % gaben an, die Neuerung zu mögen bzw. sich daran zu gewöhnen. Sophos-Manager Gram Cluley bemerkte dazu, dass die Umfrage nicht repräsentativ sei, da vermutlich "Leute bei unseren Umfragen mitmachen, die sich vielleicht bewusster mit Datenschutz- und Sicherheits-
themen auseinandersetzen als der Durchschnittsnutzer". Nachdem er die Timeline ausprobiert hatte, löschte Cluley selbst seinen Facebook-Account schon im Dezember, da er nicht mehr das Gefühl hatte, er könne den Dienst "angemessen steuern".

Auch Google sorgte mit einer Neuerung bei den Datenschützern für wenig Freude, dabei sieht sie auf den ersten Blick positiv aus: So wurden 60 Datenschutzerklärungen von insgesamt 70 Google-Diensten in einer einzigen zusammengefasst – damit gibt es jetzt nur noch zehn verschiedene.

Allerdings fasste Google damit die unterschiedlichsten Dienste wie Google Mail, Youtube, Google Plus und das verknüpfte Android-Smartphone zusammen, um Nutzerdaten künftig ganz offiziell in einem Nutzerprofil zusammenführen zu können. Spätestens bis März müssen die Nutzer dieser Änderung zustimmen, sonst können sie die verschiedenen Dienste nicht mehr verwenden.

Dahinter steht Googles Bemühen, die Nutzung noch einfacher zu gestalten. Die schon jetzt auf die Nutzer zugeschnittenen Suchergebnisse sollen noch individueller werden, indem aus den gesammelten Nutzerdaten Schlussfolgerungen über die mutmaßlichen persönlichen Interessen gezogen werden. Auch die Werbung soll noch passgenauer auf den Nutzer zugeschnitten werden.

Neue Funktionen werden so möglich: Basierend auf den Kalendereinträgen, könnte Google, ausgehend vom aktuellen Standort und den herrschenden Verkehrsverhältnissen, mutmaßen, dass man ein anberaumtes Treffen vermutlich versäumen wird. Während Google darin ein "einfacheres, intuitiveres Google-Erlebnis" sieht, befürchtet das Blog Netzpolitik.org, dass Google nun "User komplett überwachen will".

Alle Neuerungen machen letztlich deutlich, dass Nutzer sich aktiv darum kümmern müssen, wie viel Daten sie von sich im Netz preisgeben. Wer nichts tut, wird unweigerlich zu viel über sich mitteilen. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI