Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Dienstag, 23. Januar 2018

Arbeitsmarkt

Frauen ins Spiel bringen

Von Oliver Klempert | 31. Juli 2015 | Ausgabe 31

In der nächsten Woche beginnt die Gamescom in Köln. Deutschland ist vorn mit dabei, wenn es um die Entwicklung erfolgreicher Computerspiele geht. Für junge Frauen sind alle Karrierechancen offen, auch wenn die Branche nach wie vor von Männern dominiert wird.

Bildartikel zu zockerin_A27774158.jpg
Foto: Panthermedia/Aleskandar Mijatovic

Frauen am Drücker: Die Spielebranche bietet jede Menge Karrierechancen.

Sie zocken fast genauso wie ihre männlichen Kollegen, hocken stundenlang vor den Bildschirmen, tief gebeugt und mit Kopfhörern auf den Ohren versunken in fremde Welten: Auf der in wenigen Tagen startenden Computerspielmesse Gamescom in Köln dürften junge Frauen wieder stark vertreten sein – seit Jahren holen sie auf. Noch vor wenigen Jahren waren Computerspieler fast ausschließlich männlich. Doch das ist etwas, das mittlerweile der Vergangenheit angehört. Nach Angaben des Bundesverbandes für interaktive Unterhaltungssoftware spielten im Jahr 2013 rund 30 Mio. Deutsche wiederholt Computer- oder Videospiele. Etwa die Hälfte davon – 13,5 Mio. – waren Mädchen oder junge Frauen. Da Frauen als Zielgruppe somit immer wichtiger werden, sucht die Branche heute mehr denn je nach Entwicklerinnen.

Fachkräftemangel

Lisa Knolle aus Berlin ist eine dieser jungen Frauen. Die 26-Jährige spielt gern klassische Aufbaustrategie-Spiele und Simulationen. Doch Lisa Knolle ist darüber hinaus etwas Besonderes in der Branche – denn sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Knolle ist Absolventin der Berliner Games Academy. Die Academy mit Hauptsitz in Berlin bietet eine Ausbildung von professionellen Spielentwicklern an. Im Jahr 2000 wurde die Schule als Ausbildungsstätte für die Computer- und Videospielproduktion in Deutschland gegründet. Dort schloss Lisa Knolle in den Jahren eine Ausbildung zur 3-D-Animatorin ab und wagte sich somit in ein Berufsfeld vor, das nach wie vor von Männern dominiert wird. Knolle ist außerdem Ingenieurin. „Bevor ich an die Games Academy kam, habe ich am Hasso-Plattner-Institut Potsdam Softwareentwicklung studiert und mit einem Bachelor of Science in IT-Systems Engineering abgeschlossen“, sagt sie. „Das Studium war dabei kein klassisches Informatikstudium, sondern legte insbesondere einen Schwerpunkt auf Planung und Entwicklung großer Softwaresysteme.“

Junge Frauen in der Computerspielbranche – das ist noch immer ungewöhnlich, auch wenn hier inzwischen ein Umdenken eingesetzt hat. Zunächst: Bis in die 80er-Jahre war das Berufsbild des Programmierers recht einheitlich, eine Arbeitsteilung gab es kaum. Die ersten Spielentwickler waren stets gleichzeitig auch Programmierer. Erst nach und nach bildeten sich im Wesentlichen vier getrennte Berufsgruppen heraus: Game Design, Digital Art, Programmierung und Produktion. Daraus folgte eine Spezialisierung, in der junge Programmiererinnen leichter Fuß fassen können.

Dies ist vor allem interessant vor dem Hintergrund zweier Studien zu IT-Kompetenzen von Jugendlichen, die einhellig feststellten: Mädchen können einerseits besser mit dem Internet umgehen als Jungen, sie haben aber deutlich weniger Interesse an technischen Berufen. Der „International Computer and Information Literacy Study“ aus dem vergangenen Jahr zufolge schneiden Mädchen in Deutschland bei der Frage nach den Internetkompetenzen besser ab als ihre männlichen Klassenkameraden. Gleichzeitig ergab die Untersuchung „Schule, und dann?“ der Vodafone-Stiftung, dass lediglich 0,5 % der Mädchen ihr Interesse für Berufe in der Computerbranche bekunden. Bei den Jungen liegt dieser Anteil bei immerhin 6 %.

Dabei gilt: Wer in eines dieser Berufsfelder einsteigen möchte, hat gute Berufschancen. Denn die Spielebranche boomt – auch in Deutschland. Deutschland ist traditionell vor allem das Land der Aufbaustrategie-, Adventure- und Rollenspiele. Gleich mehrere Firmen haben sich in Deutschland zu großen Unternehmen gemausert und ihren Personalstamm in den vergangenen Jahren ausgebaut. Beispiele hierfür sind Crytek aus Frankfurt am Main oder Ubisoft aus Düsseldorf. Bei dem 1986 gegründeten Unternehmen arbeiten mittlerweile weltweit 8000 Entwickler und der Bedarf wächst stetig. „Das liegt daran, dass sich alle fünf Jahre die Menge der für ein Spiel benötigten Menschen verdoppelt“, erläutert Benedikt Grindel, Studio Manager von Blue Byte, einem Tochterunternehmen von Ubisoft. Man brauche vor allem Grafikdesigner, Zeichner und Programmierer. „Dabei unterscheiden wir nicht nach männlich oder weiblich, sondern suchen Spezialisten und Fachkräfte“, so Grindel.

Das Computerspiel-Metier ist nach wie vor eine Männerdomäne. Der Anteil der Frauen in der Spielentwicklung liegt in Deutschland immer noch bei rund 20 %. Dies bestätigt Linda Breitlauch. Als bisher einzige und erste Frau leitet sie an der Hochschule Trier einen Studiengang für Game-Design und ist Vorstandsmitglied des Branchenverbandes der deutschen Spielebranche Game e.V.. „Zwar werden immer mehr Frauen an den Hochschulen mit einschlägigen Studiengängen wie beispielsweise Game Design oder Development ausgebildet, dennoch scheint der Beruf eines Spielentwicklers einen stark technischen Ruf zu haben. Obwohl es großartige Programmiererinnen gibt, wird der Informatikbereich eher von Männern nachgefragt“, sagt Breitlauch. Die Branche biete gute Aufstiegschancen bei flachen Hierarchien und stelle gute Rahmenbedingungen, um Familie und Beruf zu vereinbaren.

Dass Frauen ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen, betont Lisa Knolle. „Ich denke, dass Frauen in der Herangehensweise den Fokus mehr auf Emotionen legen. Eine gute Mischung im Team ist in meinen Augen daher ein Vorteil.“ Leider seien viele Frauen von dem technischen Part abgeschreckt. „Männer probieren einfach aus, haben meist weniger Angst, Fehler zu machen.“

Frauen beweisen längst bei großen Spielproduktionen ihr Können. Bei der aktuellen Version der Assassin’s-Creed-Reihe „Unity“ haben mehrere Frauen entscheidende Beiträge geleistet. So investierte die Programmiererin Caroline Miousse etwa zwei Jahre für die digitale Umsetzung der berühmten Kirche Notre-Dame. Auch die Amerikanerin Kim Swift gehört zu den Größen der Branche. Sie zeichnet mit verantwortlich für das Kultspiel „Portal“ und den Zombie-Ego-Shooter „Left 4 Dead“. In ihrem Blog postete sie einmal einen Aufruf an Frauen, sich von der Männerdomäne nicht abschrecken zu lassen und Spielentwicklerin zu werden – auch wenn es dort spieltechnisch einmal recht hart zur Sache geht.  

stellenangebote

mehr