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Donnerstag, 21. März 2019

Autotest

Frische "Kost" aus Fernost

Von I. Reuss/Wolfgang Pester | 3. Februar 2012 | Ausgabe 5

Kia Rio 1.4 Spirit – Toyota Yaris 1.33 Club. Erst wenige Monate auf dem deutschen Markt sind die beiden Kompaktmodelle aus Fernost. Für beide Hersteller sind es wichtige Volumenmodelle. Der Rio von der Hyundai-Tochter Kia macht in der dritten Generation den größten Entwicklungssprung gegenüber seinem Vorgänger, der Toyota Yaris hat sich bereits auf hohem Niveau etabliert und legt in seinen Qualitäten weiter zu.

Mit dem neuen Rio ist Kia in der Außenlänge am oberen Ende der Kleinwagenklasse angekommen. Er überragt mit 4,05 m die meisten seiner Konkurrenten und bewegt sich schon ein wenig auf die Golf-Klasse zu. Vier Erwachsene passen problemlos in das Auto, der Einstieg in die gefahrene viertürige Version (Aufpreis 700 €) ist bequem. Im Rio kommt kein Gefühl der Enge auf. Ähnlich luftig erweist sich der Innenraum des immerhin 16 cm kürzeren Toyota Yaris. Das dürfte auch an der noch etwas höheren Dachlinie (vorn) liegen.

Mit vier Personen auf große Reise zu gehen, ist dagegen mit einigen Beschränkungen im Gepäckabteil verbunden. Rio und Yaris fassen jeweils gut 280 l, das Maximalvolumen liegt beim Rio mit 923 l etwas höher, obwohl auch seine geteilt umklappbare Rückenlehne im Fond nur einfache Variabilität wie beim Yaris (768 l) bietet. Zudem ist die Ladekante bei ihm etwas hoch und die Sicht nach hinten schlecht. Beim Yaris, dessen Variabilität im Gegensatz zum Vorgänger ziemlich konservativ ausfällt, muss zur vollen Nutzung des Laderaums der obere (Einlege-)Boden entfernt werden.

Beide Autos lassen sich einfach bedienen und sind gut verarbeitet. Die Armaturentafel wirkt beim Rio schicker gestaltet und der Bildschirm ist einfacher abzulesen. Der Yaris wird serienmäßig mit einem Touchscreen geliefert, das Navigationsmodul kostet 550 € Aufpreis Kia verlangt für das Navi im Rio 990 €. Im Innenraum gibt es – ähnlich wie beim Yaris – reichlich Ablagen.

Die beiden kleinen 1,4-l-Vierzylinder mit Benzineinspritzung verrichten ihre Arbeit recht ordentlich. Der mit 80 kW um 7 kW stärkere Rio bringt es teilweise auf bessere Fahrleistungen. In Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit setzt er sich geringfügig ab, aber nicht in der Elastizität.

Der Kia Rio hat den größeren Durst der beiden Kleinwagen. Trotz serienmäßiger Schaltanzeige und Start-Stopp-Funktion (ISG) konsumierte er im Test durchschnittlich 6,8 l/100 km. Beim Yaris waren es 6,5 l/100 km Superbenzin – das Start-Stopp-System kann bei ihm für 550 € geordert werden, der Einspareffekt ist allerdings gering, sodass der Aufpreis sich selbst bei hoher Laufleistung kaum amortisieren dürfte.

Teststenogramm

Wie so oft bei koreanischen und japanischen Autos – wobei der Yaris in Valenciennes (Nordfrankreich) gebaut wird – steigt der Verbrauch besonders stark, wenn sie auf der Autobahn längere Zeit mit mehr als ca. 130 km/h gefahren werden. Als Langstreckenauto empfehlen sich eher die Dieselvarianten, die in diesem Segment allerdings (wegen ihrer höheren Anschaffungspreise bzw. der Aufpreisrelation) nur einen bescheidenen Marktanteil haben.

Beide Fronttriebler überzeugen durch gutmütige Fahreigenschaften. Befriedigend fällt das Handling aus. Beim Rangieren noch handlicher wäre insbesondere der Yaris, wenn sein 11,6-m-Wendekreis kleiner wäre. Beim Rio schränkt die künstlich anmutende Lenkung den Fahrspaß ein – die Rückstellkräfte nach Kurven sind zu gering.

Zum Yaris: Das überarbeitete Fahrwerk mit breiterer Spur vorn macht ihn noch nicht zu einem besonders agilen Kleinwagen, doch rundum leistet er sich kaum Schwächen. Aber leichter schaltbar als beim Yaris erweist sich das Sechsganggetriebe im Rio. Insgesamt ist die Rundumsicht beim Yaris vorbildlich, nicht zuletzt bei rückwärtigen Fahrmanövern.

Der Fahrkomfort beim Yaris ist etwas höher als beim Rio. Das liegt hauptsächlich daran, dass Querrillen und Unebenheiten auf schlechter Fahrbahn im Rio ziemlich ungefiltert bis zu den Insassen durchdringen. Ansonsten weiß die Federungs-/Dämpfungsabstimmung zu gefallen.

Nicht zuletzt tragen die bequemen Sitze in beiden Fahrzeugen zu einem positiven Bild bei. Die etwas straffe Abstimmung des Yaris ist nicht störend Bodenwellen könnte er allerdings geschmeidiger absorbieren. Auf sehr niedrigem Niveau liegen bei ihm Abroll- und Fahrgeräusche.

Die Sicherheitsausstattung kann sich bei beiden sehen lassen, allerdings sind keine Fahrerassistenzsysteme erhältlich. Die Bremsen verzögern ordentlich. Der Kia Rio 1.4 Spirit und der Toyota Yaris 1.33 Club sind die Modellversionen mit der obersten Ausstattungsstufe, die sehr umfangreich ist, beim Yaris ist selbst eine Rückfahrkamera an Bord, außerdem u. a. sieben Airbags, Klimaanlage, Radio mit CD, elektrische Fensterheber und Leichtmetallräder. Ähnlich das Niveau bei Rio, der sogar mit Lenkradheizung und Touchscreen-Infotainment aufwartet.

Der viertürige Kia Rio 1.4 Spirit kostet 16 390 €, der Toyota Yaris 1.33 Club mit 16 800 € geringfügig mehr. Der ähnlich komplett ausgestattete Yaris 1.33 Life für 16 350 € liegt praktisch im Preis gleich auf mit dem Rio Spirit.   I. REUSS/WOP