Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Donnerstag, 21. März 2019

Digitaldruck

Gesucht: Klebstoff zwischen Druck- und IT-Welt

Von Stephan W. Eder | 4. Mai 2012 | Ausgabe 18

Der US-Konzern Hewlett-Packard (HP) spielt seit der Übernahme des Digitaldruckpioniers Indigo 2002 eine wichtige Rolle im Druckmarkt. Weltweit sind heute über 4000 Indigo-Digitaldruckmaschinen im Einsatz. Innovationspotenzial sieht HP vor allem in der Verknüpfung seines IT-Know-how, etwa beim Cloud Computing, mit digitaler Drucktechnik.

Während die klassischen Druckmaschinenhersteller überlegen müssen, wie sie sich in schrumpfenden Absatzmärkten neu ausrichten, sieht HP im Digitaldruckmarkt vor allem eines – große Chancen. "Der Digitaldruckmarkt hat sich seit dem Beginn der explosionsartigen Vermehrung digitaler Inhalte, also seit etwa 2003, massiv entwickelt. Seitdem haben sich die digitalen Inhalte weltweit verzehnfacht", umschreibt Jaimi Cyrus, in Deutschland zuständig für den Bereich Imaging and Printing (IPG), die Perspektiven.

"Es wird immer mehr digital gearbeitet", betont Cyrus. Zwar würden nicht alle diese Inhalte gedruckt, aber es werde immer noch eine riesige Menge dieser Inhalte ausgedruckt und die Menge dieser Inhalte steige stetig weiter an. HP stelle sich breit auf, auf der Drupa zeige das Unternehmen daher auch zehn neue Lösungen im professionellen Digitaldrucksegment.

Wolfgang Kochan, Digitaldruckleiter für HP Deutschland, erklärt: "Bei größeren Digitaldruckmaschinen, vor allem da, wo im Bogenbereich Offset-Qualität gefordert wird, sind wir heute schon mit unseren Indigo-Maschinen die Nummer eins. Das wollen wir auch im Hochgeschwindigkeits-Rollendigitaldruck werden." In diesem Segment stellt HP zur Drupa 2008 die Web Press, eine Inkjet-basierte Digitaldruckmaschine, vor, die mittlerweile an 60 Standorten weltweit produziert.

Laut Kochan habe sich die Web Press bisher im Buchbereich, in der Belletristik, beim einfarbigen Druck etabliert. "Die Herausforderung, einer der nächsten großen Schritte, für die Web Press wird der Farbdruck im Publishing-Segment bei Zeitungen und Zeitschriften sein. Das wird man alles auf der Drupa sehen können", kündigt er an.

Die Aussichten sind gut für den Digitaldruckmarkt, glaubt man Cyrus: "Wir rechnen mit einem weiteren Wachstum von 20 % bis 30 % pro Jahr in den kommenden fünf Jahren für den Digitaldruckmarkt. Das umfasst die Maschinen, die Verbrauchsmaterialien und den Service. Und HP will im Digitaldruckmarkt schneller wachsen als dieser Marktdurchschnitt."

Insgesamt, so die IPG-Deutschlandchefin, liege der weltweite Gesamtdruckmarkt – Hardware und Verbrauchsmaterialien, von kleinen Druckern daheim bis zu den Zeitungsdruckmaschinen – für 2013 bei 180 Mrd. $. Hinzu komme das Geschäft mit Dienstleistungen mit rund 48 Mrd. $.

"Außerdem rechnen wir mit weiteren 48 Mrd. $, die sich aus dem Wandel von Analog nach Digital ergeben – neue Geschäftsmodelle und Wertschöpfungen, die es bisher noch gegeben hat", betont Cyrus.

Wachstumstreiber seien vor allem die Innovationen, die aus der Verbindung des Digitaldrucks mit dem IT-Know-how des Konzerns erwachsen. Dies beinhaltet nicht nur die Maschinen, sondern auch die richtigen Anwendungen und Geschäftsmodelle, so Cyrus.

"Wir wollen dem Kunden alles bieten, was er braucht, um den gesamten Prozess vom Inhalt in der digitalen Cloud bis zum Ausdruck – egal, wo der stattfindet, und sei es am anderen Ende der Welt – mit allen dazwischen liegenden Stufen optimal zu managen", erklärt die HP-Managerin. "Wir wollen so nicht nur die einzelnen Schritte in einem Prozess bedienen, sondern auch den Klebstoff, um sie optimal zu verbinden. Nur so kann man wirklich Web-to-Print-Lösungen für die digitale Cloud anbieten."

Aber nicht nur Softwareentwickler treiben bei HP zurzeit die Innovationen, macht Wolfgang Kochan deutlich. "Was die reinen Maschinen anbelangt, sind die Innovationen noch lange nicht abgeschlossen. Das kann man gut an den Indigo-Maschinen sehen. Wir kommen zur Drupa mit Maschinen, die doppelt so produktiv sind wie die bisherigen." Hinzu käme zum Beispiel die Einsatzmöglichkeit von UV-Farben als Sicherheitsmerkmal, "ein wichtiges Thema für unsere Kunden", betont Kochan.

Längst sind die Digitaldruckmaschinen technologisch gereift. "Wenn man die heutigen Indigo-Maschinen vergleicht mit jenen aus dem Jahr 2000, dann hat sich dort maschinenbau- wie auch informationstechnisch sehr viel getan", sagt Kochan, der über Indigo zu HP kam. Digitaldruck sei ein gigantisches Datenmanagementthema, da "profitieren wir vom IT-Know-how des Gesamtkonzerns".

Ganz wichtig im Druckmarkt, in dem die Druckereibetriebe vor allem in den Industrieländern hart zu kämpfen haben, sei es, den Kunden zu helfen, so Cyrus. Innovation hieße: "Wie können wir unsere Lösungen besser bei unseren Kunden einsetzen, damit deren Geschäft besser läuft. Das beinhaltet die Ausstattung mit Software."

Zurzeit führt HP mit Smartstream eine Software für eine optimierte Druckjobüberwachung ein, um das digitale Drucken optimal in einem Druckhaus einzusetzen. Smartstream verbessere das Jobmanagement und steigere die Effizienz. "Es geht auch darum, wie unsere Kunden ihre Kundschaft besser und personalisierter ansprechen können", erklärt Cyrus. STEPHAN W. EDER