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Donnerstag, 21. März 2019

Energiepolitik

Großbritannien setzt auf Schiefergas und Gaskraftwerke

Von Peter Odrich | 21. Dezember 2012 | Ausgabe 51

Bis zu 30 neue Gaskraftwerke mit zusammen rund 26 GW Leistung will der konservative britische Schatzkanzler George Osborne künftig im Vereinigten Königreich gebaut sehen. Damit könnte bis 2030 Erdgas mit bis zu 37 GW eine noch größere Rolle in der britischen Energieversorgung spielen als heute schon.

Der britische Schatzkanzler George Osborne, das ging klar aus seiner mit Spannung erwarteten Haushaltsrede für 2013 hervor, setzt ausdrücklich auch auf Gas aus unkonventionellen Quellen. Er hat Steuererleichterungen für die Exploration von Schiefergas angekündigt und eine neue Anlaufstelle für alle geschaffen, die sich bei Gas aus unkonventionellen Lagerstätten engagieren.

Dieses sogenannte Office of Unconventional Gas (OUG) soll künftig nicht nur die Genehmigungsverfahren für die Exploration und die Förderung von Schiefergas und beispielsweise Kohleflözgas vereinfachen und beschleunigen, sondern auch im Streit über das kurz Fracking genannte Hydraulic Fracturing vermitteln. Dabei wird mit Chemikalien versetztes Wasser in das Gestein eingepresst, um das eingeschlossene Gas zu mobilisieren.

Das jüngste geologische Gutachten der British Geological Survey hat gleichzeitig große Schiefergasvorkommen im Lande bestätigt. Wenn sich von den vermuteten 1600 Billionen Kubikfuß Gas (ca. 45 Billionen m3) auch nur 10 % wirtschaftlich fördern ließen, würde das mehr als 50 Jahre lang den gesamten Gasbedarf Großbritanniens decken.

Francis Egan, als Vorstandschef von Cuadrilla Resources einer der Ersten, die im Lande mit Erfolg nach Schiefergas bohren, betont gerade im Hinblick auf andere EU-Länder wie Deutschland begeistert:"Milliarden an Dollar, Euro oder Pfund für Gasimporte auszugeben und die heimischen Reserven nicht zu nutzen, wäre schlicht Schwachsinn."

Doch diese ablehnende Haltung gibt es nicht nur in Kontinentaleuropa: David Kennedy, der Vorsitzende des britischen Klimawandelkommittees (Committee on Climate Change) hat den Schatzkanzler scharf kritisiert. Seine Vorliebe für Gas vertrage sich nicht mit den Klimazielen im Königreich und Osborne setze Wirtschaftswachstum über Natur- und Umweltschutz.

Doch hat die britische Regierung strengere Regeln für die Schiefergasexploration erlassen: Erkundungsfirmen müssen Vorkehrungen gegen Erdstöße treffen und die Arbeiten unter bestimmten Bedingungen einstellen. Vor anderthalb Jahren war das Fracking gestoppt worden, nachdem bei Blackpool bei solchen Arbeiten Erdstöße aufgetreten waren.

Doch überwiegend gibt es Lob und Zustimmung für die Energiepläne des Schatzkanzlers – so von Dieter Helm, dem ordentlichen Professor für Energiepolitik an der Universität Oxford. Er hat Energieminister Davey ebenso wie Kennedy zuvor wegen der Bevorzugung von regenerativen Energien scharf kritisiert. Denn der Schiefergasboom in Nordamerika verändere die Energielandschaft, führe zur Reindustrialisierung ganzer Regionen.

Dieses Beispiel sollte Schule machen. Corin Taylor, bei dem Institute of Directors (IoD), einer Gruppe unabhängiger Führungskräfte aus Wirtschaft und Wissenschaft, lobt Osborne dafür, die "Tür für die Nutzung von Schiefergas zu öffnen".

Neue Gaskraftwerke zu bauen und Schiefergasvorkommen zu erschließen, sei ein verantwortungsvoller Weg für Ökonomie und Ökologie – auf jeden Fall bis die erneuerbaren Energien verlässlicher und wirtschaftlicher werden. Die Nutzung von Schiefergas bringe zudem mindestens 35 000 neue Arbeitsplätze.

Osborne erntete für seine Haushaltsrede noch von ganz anderer Seite viel Lob: Die Autofahrer danken ihm, dass er ausdrücklich auf jegliche weitere Mineralölsteuererhöhungen verzichtet. Bisher war mindestens eine Erhöhung für 2013 geplant gewesen. PETER ODRICH