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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Biomasse

In Hochfranken soll mit Biomüll die Energiewende gelingen

Von Heinz Wraneschitz | 20. Februar 2015 | Ausgabe 08

Im fränkischen Rehau entsteht ein Leuchtturmprojekt für Grünabfallentsorgung neben einer bestehenden Lederbiogasanlage. Die sogenannte Wastergy-Anlage im Bioenergiezentrum Hochfranken verwandelt seit Anfang des Jahres Biomüll aus der „Grünen Tonne“ in Biogas. Der Probebetrieb soll Ende März abgeschlossen sein.

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Foto: Heinz Wraneschitz

Bioabfallvergärung in Rehau, Franken. Im Hintergrund das Anlieferungsgebäude, rechts der Fermenter, im Vordergrund das Gärrestelager.

Am Ende komme nur Sekundärrohstoff heraus, hochwertiger Kompost aus den Fermentern von Wastergy, aber kein entsorgungspflichtiger Abfall, wie es bei der Vergärung von Grünabfall üblich sei, heißt es von der Planungsfirma Energy Solutions GmbH (ES) aus Plauen. Außerdem erzeugt die patentierte Technik Biogas, und zwar mit einer versprochenen „Gasausbeute, 25 % bis 30 % höher als bei bestehenden Verfahren“, teilt ES mit.

Waste to Energy: Helixhydrolyse

So soll nicht nur auf lange Sicht die Entsorgung des Inhalts der Biotonnen vom Abfallzweckverband Stadt und Landkreis Hof sowie des Kommunalunternehmens Umweltschutz Fichtelgebirge „KUFi“ gelöst werden: Die Planer erhoffen sich das Interesse anderer Biomüllsammler.

Beim Wastergy-Verfahren wird laut ES „die organische Substanz im Bioabfall durch das effektive Vergärungsverfahren fast vollständig abgebaut“. Die Abfallaufbereitung findet in einer geschlossenen Halle mit Ablufterfassung und -reinigung statt. Das Biomaterial lagert während des gesamten Prozesses nirgends offen, Methan- und Geruchsemissionen sind also minimiert.

Im geschlossenen, Kipp-Lkw-geeigneten, 12 m hohen Anliefergebäude wird der Müll vorsortiert. So sei die hohe Reinheit zu erreichen: „Man muss schon zu Beginn durch starke Aufbereitung die Störstoffe herausbekommen, ohne viel biogene Stoffe auszusortieren. Wir zerreiben die Produkte und waschen danach aus“, beschreibt Ingenieur und ES-Geschäftsführer Eric Priller.

Foto: Heinz Wraneschitz

„Die Probleme der offenen Vergärung sind hier komplett gelöst.“ Eric Priller, Geschäftsführer der Energy Solutions GmbH, Chefplaner der Wastergy-Anlage in Rehau.

Die entstehende „nährstoffreiche Brühe“ werde dann vergoren. Jährlich etwa 30 000 t kommunale und gewerbliche Bioabfälle werden in 23 800 MWh Energie und ungefähr 11 500 t Gärrest umgewandelt, so die Kalkulation. „Am Ende ist das Material so ausgegoren, dass es nicht mehr stinkt. Ein hochwertiger Wirtschaftsdünger, der Wert für die Landwirtschaft hat“, ist ES-Chefplaner Priller überzeugt.

„Der Gärrest am Ende des Prozesses ist so rein, dass die weit unter 5 % Störstoffe nicht mehr sichtbar sind.“ Weshalb dieser Gärrest RAL-gütezertifiziert sein werde und dann „direkt der Kompostierung und der Erzeugung von Brennstoff- und/oder Kompostpellets dienen“ solle. Auch die erwarteten, aussortierten 1500 t an Kunststoffen und Metallen sollen „in die stoffliche Verwertung überführt werden“, lauten die Ziele des Ingenieurs.

„Die Probleme der offenen Vergärung sind hier komplett gelöst“, ist sich der ES-Geschäftsführer Eric Priller sicher. Was die Bundesregierung offensichtlich anerkennt und deshalb unterstützt: Das Bundesumweltministerium (BMU) nennt diese Innovation „hochwertige Verwertung von Biomüll“ und fördert sie mit 2 Mio. €. Insgesamt kostet das Projekt der Betreiberfirma RSB Bioverwertung Hochfranken GmbH fast 10 Mio. €.

Wastergy ist Teil des Bioenergiezentrums Hochfranken, mit dem Rehau dank Biogas aus Industrie- und Siedlungsabfällen zur bayerischen Energiemodellstadt werden will. Schon seit 2013 läuft in Sichtweite von Wastergy bei der Großgerberei Südleder die Tanergy-Anlage – der Begriff steht für „Tan to Energy“, die energetische Nutzung der Gerberlohe (Tan). In dem Verfahren werden organische Inhaltsstoffe aus dem Prozesswasser zu Biogas vergoren. Eine bäuerliche Biogasanlage existiert ebenfalls bereits in Rehau.

Von diesem Standort aus versorgt ein 2 km langes Mikrogasnetz dezentrale Blockheizkraftwerke (BHKW) in der Innenstadt mit Biogas. Zunächst werden vier BHKW im Ort mit einer elektrischen Leistung von zusammen etwa 2400 kW beliefert. Die zentrale Steuerung übernimmt das Bioenergiezentrum.

Dank des Mikrogasnetzes könne die Stadt Rehau 2015 bereits 40 % ihres Strom- und Wärmebedarfs aus regenerativen Quellen decken: 32 300 MWh Strom und 43 900 MWh Wärme, vor allem aus Bioenergie. Davon stammten drei Viertel aus Reststoffen, heißt es bei ES. Hinter dem Bioenergiezentrum Hochfranken, Wastergy und Tanergy stecken vor allem die Energy Solutions GmbH aus Plauen und Geschäftsführer Priller. Bisher hat das Ingenieurunternehmen als Generalunternehmer die Zeitpläne weitgehend eingehalten. HEINZ WRANESCHITZ

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