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Samstag, 16. Februar 2019

Industrie 4.0

In Schwaben gilt nun „Schaffe 4.0“

Von Martin Ciupek | 9. Oktober 2015 | Ausgabe 41

Deutsche Unternehmen tun zu wenig um das industrielle Internet voran zu bringen, sagen manche Marktbeobachter. „Schaffe, net schwätze“, gilt dagegen im Raum Stuttgart als Tugend.

 Fakt ist: Vorige Woche eröffnete Familienunternehmen Pilz in Ostfildern ein Produktions-und Logistikzentrum, mit dem das Unternehmen wandlungsfähig auf die Veränderungen durch Industrie 4.0 reagieren will. Eine Woche zuvor startete Festo aus Esslingen in Ostfildern-Scharnhausen seine neue Fertigung.

70 Mio. € hat Festo in die Technologiefabrik mit 66 000 m² Gesamtfläche investiert. Sie soll dem Unternehmen als Leitwerk für die Produktion von Ventilen, Ventilinseln und Elektronik dienen und als Referenzfabrik für Kunden. Pilz ließ sich den Neubau mit 13 500 m² Gesamtfläche 20 Mio. € kosten. Durch die laut Pilz größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte wurde die bisherige Produktionsfläche verdoppelt.

Mit dem Begriff „Industrie-4.0-Fabrik“ gehen beide Unternehmen sparsam um. Bei Festo spricht man lieber davon, dass „eine Vielzahl der Aspekte und Anforderungen von Industrie 4.0 in Scharnhausen bereits Realität“ sei. Für Vorstandssprecher Eberhard Veit ist es nach wie vor ein evolutionärer Prozess.

Ähnlich sieht es bei Pilz aus. Kommunikationsfähige Werkstückträger gehörten dort z. B. bereits in der Vergangenheit zur Fabrikausrüstung, heißt es. Inzwischen beschäftigt sich das Familienunternehmen mit der Verarbeitung von großen Datenmengen und Cloud-Technologien. „Es geht aber nicht darum eine eigene Cloud zu entwickeln. Unsere Produkte müssen in der Cloud unserer Kunden funktionsfähig sein“, sagt Geschäftsführer Thomas Pilz.

Für die Unternehmensleitung, Renate Pilz sowie ihre Kinder Susanne Kunschert und Thomas Pilz sind die Mitarbeiter wichtiger als das neue Gebäude. Renate Pilz stellt lieber die Unternehmenswerte in den Mittelpunkt und zeigt sich dankbar. „Ich habe Glück gehabt, dass meine Kinder so gut zusammenarbeiten. Das lässt sich selbst mit engagierter Planung nicht erzwingen.“

„Vertrauen, Verlässlichkeit und Mut zur Innovation sind wichtige Erfolgsfaktoren bei Pilz“, lässt sie wissen. Und: „Ehrlichkeit ist für Unternehmer ein Muss, denn sie tragen Verantwortung für ihre Mitarbeiter.“ Für sie bedeutet das: „Da sage ich lieber, dass ich etwas nicht oder noch nicht leisten kann, als die Zukunft unserer Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzen.“

Vertrauen scheint wichtig. Denn ohne wird es kaum gelingen, kleine Betriebe für Industrie 4.0 zu begeistern.M. CIUPEK