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Sonntag, 21. Januar 2018

Hannover Messe 2014

Integrationshelfer Industrie 4.0

Von Fabian Kurmann | 11. April 2014 | Ausgabe 15

Fertigungsbetriebe zögern traditionell, IT in ihre Werkshallen zu lassen. Die Hannover Messe mit all ihren Industrie-4.0-Exponaten ist aber ein deutlicher Fingerzeig, dass sich das gerade radikal wandelt.

Smart Factory im DFKI
Foto: DFKI

Beispielhaft: Die Smart Factory des Deutschen Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz (DFKI) zeigt, was der Verbund aus Fertigung und IT aktuell leisten kann. In den deutschen Fabriken herrscht gegenüber Internettechnologien aber häufig noch Misstrauen.

Wer durch die Hallen der Hannover Messe geht, könnte meinen, die Industrie hat die Version 4.0 schon längst erreicht. In Demonstrationsprojekten organisieren vernetzte Anlagen die Produktion intelligent und reagieren in Echtzeit auf Änderungen, Sonderaufträge oder Fehler.

Bei vielen Maschinen und Anlagenbauern in Deutschland – vor allem den kleinen – sieht die Realität dagegen komplett anders aus. Sie haben häufig Angst davor, Informationstechnik (IT) in die eigenen Produktionsprozesse zu integrieren, denn sie können die Technologie nicht einschätzen.

"Im Maschinen- und Anlagenbau gibt es zum Teil Widerstände gegen IT-Konzepte wie die sich selbst organisierende Fabrik", sagt Thomas Ahlers , Vizepräsident Consulting beim Dienstleister Freudenberg IT. Ähnliches berichtet Jochen Schlick, der die Industrie-4.0-Aktivitäten bei Wittenstein leitet: "Allein das Erwähnen des Begriffs IT-Sicherheit genügt oft, um Industriefertiger zu verunsichern."

Dabei ließen sich kleine, konkrete Anwendungen sehr wohl mit den aus der IT bekannten Standardmethoden sicher umsetzen, so Schlick. Wittenstein hat selbst bereits gute Erfahrungen mit dieser Strategie gemacht. Das Unternehmen hat vor Kurzem in seiner Zahnradproduktion Teile der Intralogistik an einen externen IT-Dienstleister abgegeben – für viele Fertigungsbetriebe unvorstellbar.

Ziel ist es, die Wegstrecke des Versorgungszuges, der Maschinen mit Materialien versorgt, zu halbieren. "Der Einstieg in das Thema Industrie 4.0 fällt dann leicht, wenn man mit kleinen, konkreten Anwendungen beginnt", sagt Schlick.

Viele Anwender informieren sich einfach nicht: "Im Maschinen- und Anlagenbau gilt: Je kleiner das Unternehmen, desto weniger hat es sich in der Regel mit der Industrie 4.0 auseinandergesetzt", sagt Thomas Ahlers.

Doch die Skepsis der Maschinen- und Anlagenbauer hat noch einen weiteren Grund. Erfahrungen aus dem Bereich der Büro-IT haben für ein schlechtes Image gesorgt.

"Anlagenbetreiber brauchen bei einem akuten Problem sofort Hilfe", weiß Bernhard Schneck, technischer Geschäftsführer beim Sicherheitsdienstleister Genua. "Sie wollen nicht erst ein Ticket erstellen, damit zwei Stunden später eine Lösung von der IT-Abteilung kommt." Unzählige Viren und Sicherheitslücken in Betriebssystemen machen es den kleinen Maschinen- und Anlagenbauern ebenfalls schwer, ihre Produktionen für IT zu öffnen.

Früher habe man die Netze einfach getrennt, weiß Steffen Zimmermann vom Branchenverband VDMA. "Das bedeutete in der Regel aber auch eine Trennung im Kopf zwischen Produktion und IT."

Dabei werde der Böse immer auf der anderen Seite der Grenze gesehen: Während ITler der Ansicht sind, Maschinen und Anlagen ohne Updates gefährdeten das System, fürchteten sich Produktionsleiter vor einem Produktionsausfall nach fehlerhaften Updates, so Zimmermann.

"Für den Anlagenbetreiber ist das Wichtigste, dass die Produktion unter allen Umständen läuft", weiß Sicherheitsexperte Schneck aus Erfahrung mit seinen Industriekunden. Die Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit sei Verständnis für den Kunden aufzubringen und sich in dessen Denkwelt zu versetzen. "Wir haben Marketingmaterial für die Welt des Kunden gemacht, in der Sprache, die seine Branche spricht", erinnert sich Schneck an die Annäherung.

Die Barriere zwischen Industriefertigern und ITlern, sie existiert noch vielerorts in Deutschland. In den Fabriken und in den Köpfen. Nicht mehr lange, sagt Bosch-Rexroth-Chef Karl Tragl. "Für die jüngeren Generationen existieren in Zukunft Barrieren im Kopf zwischen IT und Produktion nicht mehr, das Problem wird sich von selbst lösen."

 FABIAN KURMANN

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